
Ukraines maritimer Schlag: Angriffe auf Russlands Schattenflotte weltweit
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Die Ukraine intensiviert ihre Kampagne gegen Russlands sogenannte "Schattenflotte", die Moskau zur Umgehung internationaler Sanktionen und zum Verkauf seiner Rohstoffe nutzt. Berichten zufolge wurden mehrere Öltanker vor den Küsten der Türkei und Westafrikas angegriffen, was eine Ausweitung der maritimen Operationen Kiews über russische Hoheitsgewässer hinaus darstellt. Diese Angriffe zielen darauf ab, Russlands Kriegsfinanzierung zu untergraben.
Eskalation der maritimen Angriffe
Die Ukraine hat zuvor Treibstofftanker und Infrastruktur in russischen Häfen und an Land angegriffen, um eine entscheidende Quelle der Moskauer Kriegsfinanzierung zu untergraben. Die jüngsten Angriffe, die von ukrainischen Medien unter Berufung auf Geheimdienste gemeldet wurden, fanden jedoch außerhalb russischer Hoheitsgewässer statt. Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte im Oktober eine verstärkte Reaktion der Partner auf diese Schiffe, und Kiews Geheimdienst liefert entsprechende Informationen.
Die russische Schattenflotte im Visier
Europa und die USA haben Hunderte von Schiffen der Schattenflotte sanktioniert. Diese Schiffe werden beschuldigt, Verbote russischer Ölverkäufe zu verletzen, gestohlenes ukrainisches Getreide zu transportieren und sogar der Spionage oder Beschädigung von Unterwasser-Telekommunikationskabeln und -Pipelines verdächtigt. Die Flotte, oft bestehend aus Hunderten von älteren, unregulierten Schiffen, kam nach Russlands Invasion in der Ukraine 2022 in den Vordergrund, da sie westliche Sanktionen zur Reduzierung der Moskauer Öleinnahmen umgeht.
Drohnenangriffe im Schwarzen Meer
Ende November wurden die sanktionierten Öltanker "Kairos" und "Virat" im Schwarzen Meer von ukrainischen "Sea Baby"-Drohnen getroffen. Laut Quellen des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU) handelte es sich um eine gemeinsame Operation des 13. Hauptdirektorats der Militärischen Spionageabwehr des SBU und der ukrainischen Marine. Eine SBU-Quelle erklärte, die "Sea Baby"-Marinedrohnen hätten Schiffe außer Gefecht gesetzt, die Öl im Wert von fast 70 Millionen US-Dollar transportieren und dem Kreml bei der Umgehung internationaler Sanktionen helfen könnten.
Die "Kairos" und die "Virat" fahren beide unter der Flagge Gambias und unterliegen Sanktionen der EU und des Vereinigten Königreichs, weil sie russisches Öl über die westliche Preisobergrenze hinaus transportieren. Die "Kairos" geriet nach dem Treffer in Brand und strandete am 5. Dezember vor der bulgarischen Küste bei Ahtopol, einem NATO-Mitgliedsland. Die bulgarische Marine flog mehrere Besatzungsmitglieder an Land, doch die Bergung des Tankers war aufgrund schlechter Wetterbedingungen bis Dienstag nicht möglich. Die "Virat" wurde Berichten zufolge ebenfalls getroffen und erlitt Schäden.
Vorfall vor der Küste Senegals
Ende November wurde der Tanker "Mersin", der unter panamaischer Flagge fährt und einem türkischen Unternehmen gehört, vor der Küste Senegals von einer Reihe von Explosionen getroffen. Das Schiff, das nicht auf der US-Sanktionsliste steht, hatte zuvor russische Häfen wie Taman angelaufen und transportierte laut Open-Source-Daten und Bloomberg russisches Öl. Die Besatzung wurde gerettet, und obwohl Seewasser in den Maschinenraum eindrang, blieb das Schiff laut dem technischen Manager Besiktas Shipping "sicher". Es ist jedoch mit rund 30.000 Tonnen Diesel gestrandet.
Besiktas Shipping stellte am 3. Dezember alle "russlandbezogenen Fahrten" ein, da die Sicherheitslage in der Region "unhaltbare Risiken" für Schiffe und Besatzung darstelle. Ukrainische Beamte haben keine öffentliche Bestätigung für eine Beteiligung an den Explosionen im Schwarzen Meer oder vor der Küste Afrikas abgegeben. Ein auf sozialen Medien kursierendes Video vom 30. November zeigte die "Mersin" sinkend, wobei der teilweise untergetauchte Name des Öltankers sichtbar war.
Auswirkungen auf die Öltransporte und internationale Reaktionen
Die Angriffe auf die Tanker stellen eine neue Art des Vorgehens dar, nachdem Kiew monatelang russische Ölraffinerien mit Langstrecken-Luftdrohnen angegriffen hatte. Experten vermuten, dass die Schiffe absichtlich beschädigt, aber nicht versenkt wurden, um internationale Partner nicht zu verärgern. Die EU-Länder haben zwar mehrere Sanktionsrunden gegen Hunderte von Schiffen der Schattenflotte verhängt, ein geplanter EU-weiter Schritt, der nationalen Behörden das Entern und Inspizieren verdächtiger Schiffe ermöglichen würde, ist jedoch noch nicht umgesetzt worden. Die USA und Europas NATO-Verbündete warnen zunehmend vor Russlands hybriden Kriegstaktiken, einschließlich Drohnen-Luftraumverletzungen und Sabotageoperationen.
Angriff auf den Hafen von Noworossijsk
Am 29. November griffen Marinedrohnen auch die Infrastruktur im Hafen von Noworossijsk an, der vom Kaspischen Pipeline-Konsortium (CPC) kontrolliert wird. Etwa 80 Prozent des für den Export über Russland bestimmten kasachischen Öls werden durch diese Leitung gepumpt. Einige der Hafenanlagen wurden schwer beschädigt, was zur Aussetzung der Ladevorgänge führte. Kasachstan legte offiziellen Protest ein und forderte Kiew auf, von weiteren Angriffen abzusehen, da der Vorfall die bilateralen Beziehungen schädige. Das ukrainische Außenministerium entgegnete, die Aktionen Kiews richteten sich nicht gegen Kasachstan, sondern zielten auf die "systemische Schwächung des militärisch-industriellen Potenzials Russlands" ab.