
United Airlines attackiert American Airlines im Kampf um Chicago O'Hare
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United Airlines und American Airlines liefern sich eine erbitterte Auseinandersetzung um die Vorherrschaft am Chicago O'Hare Airport. Uniteds Finanzchef Mike Leskinen äußerte sich auf einer Barclays-Konferenz am Mittwoch, dem 18. Februar 2026, kritisch über die Strategie des Konkurrenten und betonte Uniteds Entschlossenheit, die eigene Führungsposition in der wichtigen Metropole zu festigen.
Intensiver Wettbewerb am Drehkreuz Chicago O'Hare
Chicago O'Hare ist ein strategisch wichtiges Drehkreuz für US-Fluggesellschaften. Seine zentrale Lage im Mittleren Westen macht es zu einem idealen Verbindungspunkt für Flüge quer durch das Land. Im vergangenen Jahr verzeichnete O'Hare mehr Starts und Landungen als jeder andere US-Flughafen.
Die Metropolregion Chicago mit 9,5 Millionen Einwohnern und ihrer Bedeutung als Finanzzentrum bietet zudem ein großes Potenzial für Passagiere, die Premium-Sitze buchen – ein Segment, das für Airlines besonders profitabel ist. Aktuellen Daten des Department of Transportation zufolge fliegen etwa 40 % der Passagiere in O'Hare mit United, während American Airlines einen Anteil von 23 % hält.
Uniteds aggressive Expansionsstrategie
United Airlines plant eine deutliche Ausweitung seiner Präsenz in Chicago. Ende letzten Monats kündigte das Unternehmen fünf neue Routen ab O'Hare an und zusätzliche Flüge auf bestehenden Strecken. Dies soll die Gesamtzahl der täglichen Flüge im Sommer auf 750 erhöhen, was laut United etwa 200 Flüge mehr sind als die von American Airlines geplanten 500 bis 550 täglichen Flüge im gleichen Zeitraum.
Finanzchef Mike Leskinen bezeichnete Americans Drehkreuz in Chicago als "temporär" und fügte hinzu: "Jeder wechselt von American zu United." Er betonte, dass "nicht jede Kapazität gleich geschaffen ist" und United mit einem "besseren Hard Product, dem Flugplan, der Konnektivität und den Lounges" punkte. United erzielte im vergangenen Jahr in Chicago einen "schönen Gewinn", während der Konkurrent, der ebenfalls Kapazitäten hinzufügt, dies nicht tat.
United arbeitet zudem daran, zwei Gates (G12 und G14) am Flughafen durch das Insolvenzverfahren von Spirit Airlines zu erwerben. Für diese beiden Gates zahlt United 30,2 Millionen US-Dollar. Omar Idris, Uniteds Vizepräsident für O'Hare, erklärte in einem internen Memo, dass diese Gates die notwendige Flexibilität für verantwortungsvolles Wachstum und die Stärkung der Führungsposition von United in der Stadt bieten würden. CEO Scott Kirby bekräftigte im letzten Monat in einem Earnings Call: "Wir ziehen eine rote Linie. Wir werden ihnen [American] im Jahr 2026 nicht erlauben, ein einziges Gate auf unsere Kosten zu gewinnen." Ein Pachtvertrag von 2018 für O'Hare enthält eine "Use it or lose it"-Klausel, die Gates basierend auf der Flugaktivität des Vorjahres neu zuweist.
American Airlines unter Druck
American Airlines hat im vergangenen Jahr 180 neue Ziele ab O'Hare hinzugefügt und plant, im Sommer 2025 20 % mehr Sitze in O'Hare anzubieten als im Vorjahr. Trotz dieser Bemühungen schätzen Analysten der Deutschen Bank, dass American in O'Hare mit einer negativen Marge von 9 % operiert, während United eine Marge von 5 % aufweist. Uniteds Berechnungen zufolge verlor American im Jahr 2025 500 Millionen US-Dollar in O'Hare, und die Verluste könnten 2026 auf etwa eine Milliarde US-Dollar ansteigen.
American Airlines CEO Robert Isom äußerte sich jedoch zuversichtlich: "Wir erwarten voll und ganz, dass Chicago zu den Profitabilitätsniveaus zurückkehren wird, die wir vor der Pandemie hatten." Einen Zeitrahmen nannte er dabei nicht. In den letzten Jahren hinkte American Airlines seinen Rivalen United und Delta Air Lines finanziell hinterher. Für 2025 meldete American einen Vorsteuergewinn von 352 Millionen US-Dollar, ein Rückgang um 80 % gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich dazu erzielte United einen bereinigten Vorsteuergewinn von 4,6 Milliarden US-Dollar und Delta Air Lines 5 Milliarden US-Dollar.
Ein Grund für Americans Schwierigkeiten ist die geringere Anziehungskraft für Premium-Kunden, da seit der Pandemie mehr US-Reisende in Luxuserlebnisse investieren. American kündigte Anfang des Monats eine neue Lounge in O'Hare an, um die bestehende zu ersetzen, nannte jedoch kein Eröffnungsdatum. Die jüngsten Schwierigkeiten des Unternehmens haben auch bei den Mitarbeitern für Unmut gesorgt; die Flugbegleitergewerkschaft sprach der Führung von American ein Misstrauensvotum aus und protestierte vor der Unternehmenszentrale in Fort Worth.
Strategische Implikationen und Ausblick
Mike Leskinen bezeichnete Americans Kapazitätserhöhung in Chicago als "irrationale" Strategie, die letztendlich die Verluste des Unternehmens beschleunigen werde. Er erklärte, dass Uniteds Schutz der Gate-Positionen nur einen "bescheidenen Einfluss auf unser Profitabilitätsniveau" haben werde. American Airlines hat ebenfalls zwei Gates von Spirit Airlines für 30 Millionen US-Dollar erworben.
Im Hinblick auf die Flottenentwicklung plant United, in diesem Jahr 100 Schmalrumpfflugzeuge und 20 Boeing 787 Großraumflugzeuge in Empfang zu nehmen. Leskinen erwähnte jedoch "inkrementelle Verzögerungen" bei den 787-Lieferungen. Zudem werden einige mit Pratt & Whitney-Triebwerken ausgestattete 777-Flugzeuge im Sommer 2026 aufgrund fehlender Ersatzteile gegroundet, was kurzfristig die internationalen Wachstumsambitionen beeinträchtigen wird.
Auf der Barclays-Konferenz sprach Leskinen auch über mögliche Fusionen und Übernahmen in der Branche. Auf die Frage nach der Verwendung von überschüssigem Kapital und der M&A-Umgebung antwortete er: "Ich denke, diese Branche würde von einigen profitieren." Dies deutet auf ein potenzielles Interesse an Konsolidierung in der Luftfahrtbranche hin.