
US-Arbeitsmarkt: Jobsuche dauert länger, Ersparnisse schwinden
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Die Jobsuche in den Vereinigten Staaten dauert länger, und die Ersparnisse vieler Amerikaner können mit den finanziellen Belastungen kaum Schritt halten. Dies führt zu einer wachsenden finanziellen Unsicherheit, die sich quer durch verschiedene Altersgruppen und Einkommensschichten zieht. Selbst Personen, die sich auf mögliche Entlassungen vorbereitet haben, sehen sich einem unerwartet schwierigen Arbeitsmarkt gegenüber.
Verlängerte Jobsuche zehrt an Ersparnissen
Die typische Dauer der Arbeitslosigkeit für US-Arbeitssuchende lag im Januar bei über elf Wochen, ein Anstieg von acht Wochen im Jahr 2022. Ein Viertel der Arbeitslosen suchte im Januar sogar 27 Wochen oder länger nach Arbeit, verglichen mit unter 18 Prozent im Jahr 2023. Diese verlängerten Phasen der Arbeitslosigkeit stellen eine erhebliche finanzielle Belastung dar.
Michele Wilke, eine über 60-jährige Frau, hatte während ihrer Jobsuche nach einer Entlassung weniger als 2.000 US-Dollar auf ihrem Bankkonto und befürchtete die Zwangsräumung ihrer Wohnung. Um über die Runden zu kommen, startete sie eine GoFundMe-Kampagne, die fast 3.000 US-Dollar einbrachte, und lieh sich Geld von Freunden, wodurch sie über 20.000 US-Dollar Schulden anhäufte. Nach acht Monaten fand sie im September eine Stelle als Catering Sales Managerin.
Ihre Erfahrung verdeutlicht, wie schnell eine längere Jobsuche die Finanzen ruinieren kann, insbesondere für Arbeitnehmer ohne ausreichende Rücklagen. Laut einer Umfrage der Federal Reserve aus dem Jahr 2024 verfügen fast die Hälfte der Amerikaner nicht über Notgroschen, der drei Monatsausgaben abdeckt.
Finanzielle Notlage trotz Vorbereitung
Selbst wer sich auf eine Entlassung vorbereitet, kann in Schwierigkeiten geraten. Clair Todd, die im November 2023 von Oracle entlassen wurde, hatte über 50.000 US-Dollar an Ersparnissen angesammelt. Mehr als zwei Jahre später suchte sie immer noch nach Arbeit und musste ihre Hypotheken- und Studienkreditraten durch weitere Entnahmen aus ihren Ersparnissen oder den Verkauf von Aktien decken. Ihr einziges Einkommen stammt aus dem Weiterverkauf von Antiquitäten, was ihr monatlich zwischen 500 und 1.000 US-Dollar einbringt.
Joanelle Cobos, die im Oktober von Amazon entlassen wurde, hatte nach einer früheren neunmonatigen Arbeitslosigkeit einen Notgroschen von etwa 25.000 US-Dollar aufgebaut. Obwohl diese Ersparnisse ihr zunächst Sicherheit gaben, schätzt sie, dass ihre Mittel in weniger als einem Jahr aufgebraucht sein könnten, sollte ihre Jobsuche andauern. Sie beschreibt ihre Situation als eine "tickende Zeitbombe".
Der angespannte US-Arbeitsmarkt
Obwohl die US-Wirtschaft im Januar unerwartet 130.000 neue Arbeitsplätze schuf, war das Jahr 2025 deutlich schwächer als ursprünglich berichtet. Die Beschäftigungszuwächse für November und Dezember wurden um insgesamt 17.000 Arbeitsplätze nach unten korrigiert, und im März letzten Jahres gab es fast 900.000 weniger Arbeitsplätze als ursprünglich angenommen. Im Durchschnitt wurden 2025 nur 15.000 Arbeitsplätze pro Monat geschaffen.
Chris Waller, Gouverneur der Federal Reserve, kommentierte, dass dies "nicht annähernd wie ein gesunder Arbeitsmarkt aussieht". Er wies darauf hin, dass Arbeitgeber zwar zögern, Mitarbeiter zu entlassen, aber auch sehr zurückhaltend bei Neueinstellungen sind. Dies deutet auf erhebliche Zweifel am zukünftigen Beschäftigungswachstum und ein erhebliches Risiko einer substanziellen Verschlechterung des Arbeitsmarktes hin.
Die Arbeitslosenquote sank im Januar auf 4,3 Prozent von 4,4 Prozent im Vormonat, was historisch gesehen niedrig ist. Die Arbeitslosenquote unter Afroamerikanern fiel ebenfalls, bleibt aber mit 7,2 Prozent erhöht. Während das Gesundheitswesen und das Baugewerbe im Januar deutliche Zuwächse verzeichneten, verloren die Lager- und Transportbranche sowie die Bundesregierung Arbeitsplätze.
Die Lücke zwischen Lohn und Lebenshaltungskosten
Ein neuer nationaler Bericht von Resume Now, der "2026 Cost-of-Living Crunch Report", zeigt, dass die Löhne vieler Amerikaner nicht mit den steigenden Preisen Schritt halten. Nur 12 Prozent der Arbeitnehmer gaben an, dass ihre Löhne mit der Inflation mithalten konnten. Lediglich 17 Prozent fühlen sich finanziell sicher genug, um zu sparen.
Die Umfrageergebnisse verdeutlichen eine Lohn-Einkommens-Diskrepanz:
- 9 Prozent können sich grundlegende Lebenshaltungskosten oft überhaupt nicht leisten.
- 15 Prozent können das Nötigste bezahlen, kämpfen aber erheblich.
- 27 Prozent decken das Nötigste ab, haben aber selten Geld übrig.
- 31 Prozent kommen mit dem Nötigsten und einigen Extras zurecht.
Mehr als die Hälfte des Landes befindet sich in einer prekären finanziellen Lage. 65 Prozent der Befragten nannten alltägliche Ausgaben als größte finanzielle Belastung, gefolgt von Wohnkosten (43 Prozent) und Gesundheitsrechnungen (37 Prozent). Die mangelnde Notfallvorsorge und die Sorge um die Altersvorsorge wurden ebenfalls von 37 bzw. 38 Prozent der Befragten genannt.
Um finanziell über die Runden zu kommen, haben viele Amerikaner im Jahr 2025 defensive Maßnahmen ergriffen:
- 92 Prozent kürzten ihre Ausgaben.
- 49 Prozent griffen auf Ersparnisse zurück.
- 24 Prozent nahmen Schulden auf.
- 28 Prozent suchten nach zusätzlichen Einkommensquellen.
- 42 Prozent verschoben größere Anschaffungen oder Lebensereignisse.
Die finanzielle Absicherung ist dünn: 60 Prozent der Haushalte könnten bei Jobverlust drei Monate oder weniger ihre Ausgaben decken.
Ältere Arbeitnehmer kehren zurück in den Job
Die finanziellen Herausforderungen betreffen auch ältere Amerikaner. Eine aktuelle Umfrage der AARP ergab, dass 7 Prozent der Rentner in den letzten sechs Monaten wieder ins Berufsleben zurückgekehrt sind. Der Hauptgrund dafür sind grundlegende Ausgaben und Sorgen um die persönlichen Finanzen sowie die allgemeine Wirtschaftslage.
Carly Roszkowski, Vizepräsidentin für Finanzresilienzprogramme bei der AARP, betonte: "Grundlegende Ausgaben sind der Hauptgrund, warum ältere Erwachsene weiterhin arbeiten oder einen Job suchen." Fast ein Viertel der älteren Arbeitnehmer ist besorgt, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, möglicherweise aufgrund von Altersdiskriminierung oder Gesundheitsproblemen. Ein Bericht des National Institute on Retirement Security aus dem Dezember 2022 zeigte, dass Arbeitnehmer mit Geld auf betrieblichen Altersvorsorgekonten einen Medianwert von nur 40.000 US-Dollar hatten, während der Medianbetrag für alle Arbeitnehmer bei nur 955 US-Dollar lag. Dieser Trend, dass ältere Amerikaner länger arbeiten, wird sich voraussichtlich fortsetzen.