US-Arbeitsmarkt: Rezessionssignale verdichten sich – Sahm Rule im Fokus

US-Arbeitsmarkt: Rezessionssignale verdichten sich – Sahm Rule im Fokus

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Der US-Arbeitsmarkt zeigt zunehmende Anzeichen einer Abschwächung, die Ökonomen und Analysten mit Sorge beobachten. Während die Arbeitslosenquote stetig steigt, rückt ein wichtiger Rezessionsindikator, die Sahm Rule, immer näher an ihren Auslösepunkt. Experten von Moody's Analytics schätzen die Wahrscheinlichkeit einer wirtschaftlichen Kontraktion bereits auf 40%.

Aktuelle Lage am US-Arbeitsmarkt

Laut dem Bureau of Labor Statistics (BLS) stieg die Arbeitslosenquote im November auf 4,6 %. Dies setzt den Aufwärtstrend fort, den Analysten das ganze Jahr über aufmerksam verfolgt haben. Im Vergleich zum Vorjahr, als die Quote bei 4,2 % lag, ist dies ein deutlicher Anstieg.

Die Schaffung neuer Arbeitsplätze verlangsamte sich ebenfalls erheblich. Das BLS verzeichnete im November lediglich 64.000 neue Stellen, was kaum eine Nettoveränderung gegenüber April dieses Jahres darstellt. Die Nonfarm Payrolls für Oktober wurden sogar auf -105.000 revidiert, was den ersten negativen monatlichen Wert seit den COVID-Lockdowns markiert.

Die Sahm Rule als Rezessionsindikator

Ein zentraler Punkt der Besorgnis ist die Annäherung an die sogenannte Sahm Rule. Diese von der ehemaligen Fed-Ökonomin Claudia Sahm entwickelte Regel signalisiert eine Rezession, wenn der gleitende Dreimonatsdurchschnitt der nationalen Arbeitslosenquote um 0,5 Prozentpunkte oder mehr gegenüber dem Minimum der Dreimonatsdurchschnitte der letzten zwölf Monate ansteigt.

Im November lag dieser Wert bei 0,43. Dante DeAntonio, Senior Director of Economic Research bei Moody's, bemerkte dazu: „Wir haben es diesen Monat nicht ganz ausgelöst, aber wir stehen kurz davor.“ Er fügte hinzu, dass die Sahm Rule erneut ausgelöst würde, wenn die Quote im nächsten Monat bei 4,6 % bliebe, genau wie Mitte 2024. Die Sahm Rule wurde laut einer zusätzlichen Quelle bereits im Juli aktiviert und blieb seitdem aktiv.

Expertenmeinungen und Rezessionswahrscheinlichkeit

Cris deRitis, stellvertretender Chefökonom bei Moody's Analytics, beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Rezession im nächsten Jahr auf 40 %. Er begründet dies mit der Aussage: „Die Trends sind hier nicht unsere Freunde.“ Diese Einschätzung liegt über dem Konsens der Wall Street, der die Wahrscheinlichkeit bei 30 bis 35 % sieht.

Mark Zandi, Chefökonom von Moody's, teilt diese Besorgnis. Er weist darauf hin, dass ein Grund für das schwächere Jobwachstum in einem geringeren Arbeitskräfteangebot aufgrund der Einwanderungspolitik liegt. Dies führe zu einer monatlichen „Breakeven“-Jobzahl von 50.000 bis 75.000, die benötigt wird, um die Arbeitslosenquote stabil zu halten.

Gründe für die Schwäche: Nachfrage, KI und Einwanderung

Die sinkende Nachfrage nach Arbeitskräften ist ein weiterer Faktor. Zandi führt dies auf verschiedene Ursachen zurück, darunter Zölle, Deglobalisierungsbemühungen und die Einwanderungspolitik, da Einwanderer auch Konsumenten sind. Ein zunehmend wichtiger Faktor ist jedoch die Künstliche Intelligenz (KI).

Bisher sei der Einfluss von KI auf den Arbeitsmarkt nur „modest“ gewesen und habe möglicherweise eher jüngere Markteinsteiger betroffen. Zandi warnt jedoch: „Wenn sie [die Aktieninvestoren, die in KI-Aktien investieren] halb oder sogar nur ein Viertel Recht haben, dann befinden wir uns in einer Welt des regelrechten Jobrückgangs, alles andere gleichbleibend.“

Der "eingefrorene" Arbeitsmarkt

Die aktuelle Verschlechterung des Arbeitsmarktes wird als eine Art „langsames Ersticken“ beschrieben, nicht als plötzlicher Kollaps. Die Einstellungsrate ist auf Niveaus gefallen, die historisch Rezessionen vorausgingen. Unternehmen entlassen zwar noch nicht massenhaft, stellen aber kaum neue Mitarbeiter ein.

Die Zahl der angekündigten Entlassungen beschleunigt sich. Im Jahr 2025 wurden bereits 1,17 Millionen Entlassungen angekündigt, was sich den Werten der Pandemiezeit nähert. Viele dieser Entlassungen sind für das erste Quartal 2026 geplant. Zudem ist die „Quits Rate“ (die Rate der freiwilligen Kündigungen) kollabiert, was darauf hindeutet, dass Arbeitnehmer aus Angst vor der unsicheren Lage ihre Jobs nicht mehr freiwillig wechseln.

Diskrepanz zwischen Arbeitsmarkt und Aktienmarkt

Trotz dieser alarmierenden Signale am Arbeitsmarkt befindet sich der S&P 500 innerhalb von 1,2 % seines Allzeithochs. Diese Diskrepanz wird als „Trugbild“ beschrieben, das durch die Performance von sieben großen Technologieunternehmen maskiert wird. Historisch gesehen erreicht der Aktienmarkt seinen Höhepunkt normalerweise, bevor der Arbeitsmarkt einbricht, nicht danach.

Die Revision der Nonfarm Payrolls für Oktober von ursprünglich +12.000 auf -105.000, eine Abwärtskorrektur von 117.000, zeigt, dass die Jobschaffung bereits negativ war, während viele noch von einem „resilienten“ Arbeitsmarkt sprachen. Bitcoin, der 32 % unter seinem Oktober-Hoch liegt, könnte ein Signal sein, dass diese Illusion bald zerbrechen könnte.

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