
US-Banken vor Milliardenkosten: Trump-Regierung plant Bürgerschaftsdaten-Pflicht
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Die US-Banken könnten vor einer massiven neuen Regulierung stehen: Eine geplante Executive Order der Trump-Administration würde sie verpflichten, Bürgerschaftsdaten von Neu- und Bestandskunden zu erfassen. Dieses Vorhaben, das von Finanzminister Scott Bessent vorangetrieben wird, könnte die Branche Milliarden kosten und Millionen von Arbeitsstunden binden.
Geplante Executive Order zur Erfassung von Bürgerschaftsdaten
Finanzminister Scott Bessent hat eine bevorstehende Executive Order angekündigt, die Banken dazu verpflichten soll, Bürgerschaftsdaten von neuen und bestehenden Kontoinhabern zu erheben. Auf die Frage nach möglichem Widerstand betonte Bessent am Mittwoch, dass Banken zur Einhaltung bereit sein sollten. "Wenn das Finanzministerium und die Bankenaufsichtsbehörden sagen, es sei ihre Aufgabe, dann ist es ihre Aufgabe", so Bessent.
Er fügte hinzu, dass undokumentierte Einwanderer "kein Recht haben, im Bankensystem zu sein" und fragte: "Warum können unbekannte Ausländer kommen und ein Bankkonto eröffnen?" Die geplante Anordnung ist laut Berichten "in Arbeit" und Teil eines umfassenderen Ansatzes, Einwanderungspolitik mit Datenerfassung in Bereichen wie Wahlen und dem Zensus zu verknüpfen.
Aktuelle Identifikationspflichten und die neue Anforderung
Derzeit müssen Banken in den USA die Identität ihrer Kunden gemäß dem federal Customer Identification Program (CIP) überprüfen. Dazu gehören die Erfassung von Namen, Geburtsdaten, Adressen und Steueridentifikationsnummern wie einer Social Security Number (SSN) oder einer Individual Taxpayer Identification Number (ITIN). Bürgerschaftsdokumente sind jedoch nicht zwingend Teil dieses Prozesses.
Bessent argumentiert, dass die aktuellen Maßnahmen unzureichend seien, um Kunden vollständig zu kennen, ohne deren rechtlichen Status oder Bürgerschaft zu überprüfen. Er wies auch darauf hin, dass viele andere Länder bereits Bürgerschaftsinformationen für den Bankzugang verlangen. Republikaner wie Tom Cotton unterstützen strengere Regeln und haben einen Gesetzesentwurf eingebracht, der Banken zur Bestätigung des Bürgerschaftsstatus neuer Kontoinhaber verpflichten würde.
Erhebliche Kosten und bürokratischer Aufwand erwartet
Sollte die geplante Executive Order Realität werden, könnten Banken mit erheblichen Kosten und einem zeitaufwändigen logistischen Aufwand konfrontiert werden. Das American Action Forum, ein konservativer Think Tank, schätzt, dass die neue Anforderung zwischen 30 Millionen und 70 Millionen zusätzliche Arbeitsstunden für den Papierkram verursachen und Kosten von 2,6 Milliarden bis 5,6 Milliarden US-Dollar nach sich ziehen könnte. Diese Schätzung basiert auf Daten bestehender Verifizierungsprogramme.
George Braunegg, Professor an der University of Southern California's Marshall School of Business, sagte, es gebe "keine Frage", dass die Regel die Kosten der Banken erhöhen würde. Er betonte, dass "neue Onboarding-Verfahren, System-Upgrades, Audits und rechtliche Überwachung" nicht einmalig, sondern fortlaufend wären.
Bedenken aus der Bankenbranche und von Experten
Chasse Rehwinkel, Präsident der Devon Bank, einer Gemeinschaftsbank im Raum Chicago, äußerte gegenüber Business Insider, dass die Verpflichtung zur Bürgerschaftsverifizierung keinem klaren regulatorischen Zweck diene und eine Belastung für Banken darstelle. Er sieht darin eine zusätzliche Regulierung ohne klaren Nutzen, die dem Deregulierungsziel der Trump-Administration widerspreche. "Wie ist das kein zusätzlicher bürokratischer Aufwand?", fragte er.
Professor Braunegg befürchtet zudem Kundenverluste, da einige Banken die Compliance-Kosten über Kontogebühren an die Verbraucher weitergeben könnten. Anil Kashyap, Professor für Wirtschaft und Finanzen an der University of Chicago's Booth School of Business, äußerte Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. "Die Leute wollen einfach nicht noch mehr Informationen mit den Banken teilen", sagte er.
Potenzieller Ausschluss vom Finanzsystem und wirtschaftliche Folgen
Ein vorhersehbares Ergebnis der neuen Regelung könnte sein, dass Menschen vom Bankwesen abgeschreckt werden. Dies betrifft Personen ohne die notwendigen Dokumente wie Reisepass oder Geburtsurkunde, solche mit unklarem Bürgerschaftsstatus, Doppelbürger, die grenzüberschreitende Meldepflichten scheuen, sowie internationale oder vermögende Kunden, die ihre Bankgeschäfte leicht verlagern können.
Chasse Rehwinkel warnt, dass Menschen ohne Zugang zum Bankwesen auch keinen Zugang zum Wirtschaftssystem haben und sich stattdessen auf Kredithaie verlassen müssten. Befürworter von Bankkonten für Nicht-Bürger argumentieren, dass diese es ihnen ermöglichen, Steuern zu zahlen und die "unbanked" Wirtschaft zu vermeiden, was ihre Fähigkeit, zur Wirtschaft beizutragen, fördert. Laut einer FDIC-Umfrage von 2023 waren rund 96 % der US-Haushalte – etwa 128,0 Millionen – bankgebunden.
Mögliche Vorteile und breiterer politischer Kontext
Trotz der Bedenken sieht Professor Braunegg auch potenzielle Vorteile der neuen Regelung. Dazu gehören Einblicke in grenzüberschreitende Geldströme, die Durchsetzung von Sanktionen und Steuerkonformität sowie eine einfachere Identifizierung von Scheinkonten, die bestimmten Gerichtsbarkeiten zugeordnet sind. Er merkt jedoch an, dass Geldwäsche-Risiken typischerweise stärker mit Transaktionsmustern als mit der Bürgerschaft verbunden sind.
Die geplante Executive Order fügt sich in die aggressive Einwanderungspolitik der Trump-Administration ein, die auch Bemühungen zur Aufnahme von Bürgerschaftsfragen in Wählerregistrierungen und den US-Zensus umfasst. Andere jüngste politische Änderungen der Trump-Administration, die Banken betreffen, umfassen die Erhöhung der Gebühren für H-1B-Visa auf 100.000 US-Dollar im September, was zu einem Rückgang der Anträge bei großen Finanzunternehmen führte. Zudem wurde eine Obergrenze von 10 % für Kreditkartenzinsen für ein Jahr vorgeschlagen, was laut JPMorgan CEO Jamie Dimon eine "wirtschaftliche Katastrophe" wäre. Das Finanzministerium und das Weiße Haus haben auf Anfragen von Business Insider nicht reagiert.