US-China Beziehungen: Wendepunkt nach einer Dekade der Konkurrenz

US-China Beziehungen: Wendepunkt nach einer Dekade der Konkurrenz

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Nach einer Dekade intensiver Konkurrenz und Versuchen der Entkopplung stehen die Beziehungen zwischen den USA und China im Jahr 2026 an einem entscheidenden Punkt. Mit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus und einem erwarteten Besuch in China im April suchen Unternehmen und politische Akteure nach Wegen, um die Stabilität und Vorhersehbarkeit in dieser komplexen Beziehung zu verbessern.

Eine Dekade der "Experimente" und die Hoffnung auf Dialog

James Zimmerman, der zum fünften Mal als Vorsitzender der Amerikanischen Handelskammer in China (AmCham China) fungiert, blickt trotz jahrzehntelanger Höhen und Tiefen in den US-chinesischen Spannungen optimistisch auf das Jahr 2026. Er bezeichnet die vergangenen zehn Jahre als "Experimentieren mit Wettbewerb", Entkopplungs- und De-Risking-Aufrufe, die seiner Meinung nach "nicht wirklich funktioniert" haben. Zimmerman, dessen Kammer Mitglieder wie Boeing und Cargill vertritt, sieht 2026 als wichtiges Jahr, nicht nur wegen des 250. Jahrestages der USA, sondern auch als Chance, durch fortlaufenden Dialog und Engagement wieder auf Kurs zu kommen.

Für Zimmerman ist es von entscheidender Bedeutung, dass hochrangige Treffen stattfinden, die Klarheit, Sicherheit und Kontinuität in die Beziehungen bringen. Positive Signale auf präsidialer Ebene sind sehr wichtig, da regelmäßiges Engagement dazu beiträgt, potenzielle Missverständnisse zu reduzieren und das Risiko unerwarteter politischer Schocks, wie etwa bei Zöllen, zu senken.

Handelspolitik unter Trump 2.0: Eskalation und unvorhersehbare Ansätze

Mit der Vereidigung Donald Trumps als 47. Präsident der Vereinigten Staaten am 20. Januar 2025 hat sich die US-Handelspolitik gegenüber China erneut verschärft. Trumps zweite Amtszeit ist von einem transaktionaleren und unvorhersehbareren Ansatz geprägt, der auf einer aggressiven Haltung seiner ersten Amtszeit aufbaut. Es wird erwartet, dass er die Handelskonfrontationen intensivieren, Zölle eskalieren und chinesische Unternehmen sanktionieren wird, um eine größere wirtschaftliche Eigenständigkeit Amerikas zu erreichen.

Ein konkretes Beispiel hierfür ist die Ankündigung des US-Handelsbeauftragten (USTR) vom 23. Dezember 2025, Zölle auf chinesische Halbleiter zu erheben. Diese Zölle, die ab 2027 in Kraft treten, beginnen mit einem Satz von 0 Prozent und steigen am 23. Juni 2027 auf 18 Prozent, bevor eine weitere Erhöhung angekündigt wird. Die USTR begründet dies mit Chinas "außerordentlicher Kontrolle" über die Halbleiterindustrie, die den Marktmechanismen nicht entspreche und ausländischen Wettbewerbern schade.

Entkopplung oder Anpassung? Die Realität für US-Unternehmen

Trotz der politischen Rhetorik und der Forderungen nach Entkopplung sehen US-Unternehmen in China keine umfassende Abkopplung. James Zimmerman spricht von einer "Evolution", bei der sich Unternehmen anpassen. Für viele Sektoren bleibe China ein kritischer Markt und ein wesentlicher Bestandteil der globalen Lieferkette. Eine Diversifizierung der Lieferketten wird zwar als gesunde Strategie betrachtet, aber eine vollständige Entkopplung findet nicht statt.

AmCham China engagiert sich weiterhin mit der chinesischen Regierung, um positive Veränderungen zu bewirken, beispielsweise beim Schutz des geistigen Eigentums, der sowohl für ausländische als auch für chinesische Unternehmen ein wichtiges Thema ist. Es wird betont, dass beide Seiten die nationalen Sicherheitsbedenken herunterspielen und nicht jede Kleinigkeit als nationale Sicherheitsfrage betrachten sollten, um ein Umfeld zu vermeiden, in dem Ausländer als potenzielle Bedrohung angesehen werden.

Kritische Rohstoffe und Chinas Dominanz: Eine Sicherheitsfrage

Die Kontrolle über kritische Rohstoffe ist ein weiterer zentraler Aspekt der US-China-Beziehungen unter Trump 2.0. Präsident Trump hat seit Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2025 sein Interesse an Grönland erneuert und dessen "Besitz und Kontrolle" als Notwendigkeit für die nationale Sicherheit bezeichnet, auch mit Blick auf chinesische Schiffe. Im Dezember 2025 ernannte er Jeff Landry zum Sondergesandten für Grönland.

Kritische Rohstoffe sind für die Wirtschaft eines Landes von großer Bedeutung und mit Versorgungsrisiken verbunden. Sie sind entscheidend für die grüne Transformation, Verteidigung und Elektronikindustrie. Beispiele sind Seltene Erden, Lithium und Graphit. China dominiert die Lieferketten für viele dieser Rohstoffe, von der Gewinnung bis zu den Endprodukten, und verfügt laut Internationaler Energieagentur (IEA) über bis zu 90 Prozent der globalen Verarbeitungskapazität. Diese "Versicherheitlichung" der Lieferketten stellt eine Herausforderung für die grüne Transformation und die Verteidigungsindustrie westlicher Länder dar.

Der Wettlauf in der Automobilindustrie: China als Vorreiter

Die globale Automobilindustrie erlebt einen tiefgreifenden Wandel hin zu autonomen, vernetzten und elektrischen (ACE) Fahrzeugen. China nimmt hier eine führende Rolle ein, mit höheren Adoptionsraten bei Verbrauchern und exportstarken Herstellern, die sich durch niedrige Kosten und hohe Qualität auszeichnen. Diese Vorteile Chinas stellen erhebliche wirtschaftliche und nationale Sicherheitsrisiken für die USA dar, da die US-Autoindustrie Millionen von Arbeitsplätzen sichert und die Software und Daten von ACE-Fahrzeugen für Angriffe genutzt werden könnten.

Die primäre Reaktion der USA, den amerikanischen Markt durch Zölle und Vorschriften von chinesischen Fahrzeugen zu isolieren, birgt das Risiko einer Abweichung von internationalen Märkten. Eine "Wettbewerbs- statt Rückzugsstrategie" wird als klüger erachtet. Diese würde bedingte finanzielle Unterstützung für heimische Hersteller, Zusammenarbeit mit Verbündeten und eine Regulierung von Importen und Investitionen umfassen, ergänzt durch Datensouveränität und Diversifizierung der Lieferketten zur Adressierung von Sicherheitsrisiken.

Ausblick auf Trumps China-Besuch im April 2026

Ein zentraler Punkt auf der Agenda von AmCham China für 2026 ist der geplante Besuch von Präsident Trump in China im April. Die Kammer hofft, dabei eine Rolle spielen zu können und erwartet, dass aus dem Besuch einige Vereinbarungen, Verständnisse oder vielleicht ein Memorandum of Understanding hervorgehen werden. Ein "großer Deal" wird angesichts der kurzen Zeit seit dem Beginn des Dialogprozesses im Oktober, als Präsident Xi und Präsident Trump in Südkorea zusammentrafen, nicht erwartet.

Dennoch ist man optimistisch, dass positive Signale ausgesendet werden, die dem Vertrauen der Geschäftswelt zugutekommen. Es besteht die Hoffnung, dass Präsident Trump, ähnlich wie seine Vorgänger, eine visionäre Rolle einnehmen wird, um die Beziehungen auf eine Weise voranzubringen, die sowohl den Vereinigten Staaten als auch China, ihren Unternehmen, Verbrauchern, Arbeitnehmern und Landwirten gegenseitig zugutekommt.

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