US-Erdgaspreise auf Zweijahreshoch durch Wintersturm Fern und Produktionsausfälle

US-Erdgaspreise auf Zweijahreshoch durch Wintersturm Fern und Produktionsausfälle

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Ein massiver Wintersturm hat die USA erfasst und die Erdgaspreise auf ein Zweijahreshoch getrieben. Die Kombination aus extremen Temperaturen, weitreichenden Stromausfällen und Produktionsausfällen führte zu einem sprunghaften Anstieg der Nachfrage und erheblichen Engpässen in der Energieversorgung.

Historischer Preisanstieg bei US-Erdgas

Die US-Erdgaspreise sind am Montag, den 26. Januar 2026, erstmals seit Ende 2022 wieder über die Marke von 6 US-Dollar pro Million British Thermal Units (MMBtu) gestiegen. Die Futures für die Februar-Lieferung notierten um 8:15 Uhr Londoner Zeit (3:15 Uhr ET) bei 6,2 US-Dollar pro MMBtu, ein Anstieg von 18 % oder 95 Cent, und erreichten damit ein neues 52-Wochen-Hoch. Im Jahresverlauf sind die Kontrakte bereits um rund 68 % gestiegen.

Dieser Anstieg setzt die dramatischen Gewinne der Vorwoche fort, in der die US-Erdgaspreise um etwa 70 % zulegten – der größte wöchentliche Anstieg seit über drei Jahrzehnten. Am 26. Januar 2026 erreichte Erdgas 6,27 USD/MMBtu, ein Plus von 18,93 % gegenüber dem Vortag. Im letzten Monat stieg der Preis um 57,39 % und liegt 92,86 % über dem Wert des Vorjahres. Das Allzeithoch für Erdgas wurde im Dezember 2005 mit 15,78 USD/MMBtu erreicht.

Wintersturm Fern legt Teile der USA lahm

Der als Wintersturm Fern bekannte Kälteeinbruch erreichte am Sonntagmorgen, den 25. Januar 2026, die US-Ostküste, nachdem er weite Teile des Landes mit Eis und Schnee überzogen hatte. Der Sturm sollte laut National Weather Service (NWS) von den südlichen Rocky Mountains bis nach Neuengland verbreitet starken Schneefall und "katastrophale Eisansammlungen" mit sich bringen und mindestens 180 Millionen Menschen in 37 Bundesstaaten betreffen.

Die extremen Bedingungen führten zu weitreichenden Störungen: Mehr als 822.000 Kunden waren am späten Sonntagnachmittag ohne Strom, wie PowerOutage.us berichtete. Die NWS prognostizierte Windchill-Temperaturen von bis zu -50 Grad Fahrenheit (-45,56 Grad Celsius) für die östlichen zwei Drittel der USA in dieser Woche, wobei die Temperaturen bis Anfang Februar weit unter dem Normalwert bleiben sollen. NBC News berichtete unter Berufung auf lokale Behörden, dass dem extremen Kälteeinbruch landesweit sieben Menschen zum Opfer fielen.

Auch der Flugverkehr war massiv betroffen: FlightAware meldete über 12.500 Flugausfälle am Sonntag und weitere 3.965 am Montag. Delta Air Lines kündigte einen reduzierten Flugplan an, da eisige Bedingungen den Betrieb beeinträchtigten.

Angebotsengpässe und steigende Nachfrage

Der historische Wintersturm hat die Erdgasversorgung in den USA erheblich gestört und gleichzeitig den Heizbedarf drastisch erhöht. Die extremen Wetterbedingungen führten dazu, dass fast 10 % der US-Erdgasproduktion ausfielen. Bloomberg New Energy Finance (BNEF) schätzt, dass die US-Erdgasproduktion in den letzten fünf Tagen um mehr als 11 Milliarden Kubikfuß pro Tag (bcf/d) zurückging.

Die Produktionsausfälle sind hauptsächlich auf sogenannte "Freeze-offs" zurückzuführen. Dabei gefrieren Wasser oder Hydrate, die zusammen mit Erdgas gefördert werden, und bilden Blockaden. Diese stören den Fluss von den Bohrlöchern zu den Verarbeitungsanlagen, wo Verunreinigungen entfernt werden, sowie in den Pipelines, die Gaskraftwerke und industrielle Verbraucher versorgen. Phil Flynn, Analyst der Price Futures Group, schrieb, dass die tägliche Produktion "einen Schlag erleidet", mit Verlusten von bis zu 10 Milliarden Kubikfuß pro Tag zu Spitzenzeiten.

Gleichzeitig wird erwartet, dass die Stromnachfrage aufgrund der eisigen Bedingungen Rekordwerte für den Winter erreichen wird. Die Betreiber der US-Stromnetze forderten die Stromerzeuger auf, für die gesamte Woche ausreichende Erdgasvorräte zu sichern. Infolgedessen sind die Gaslieferungen an US-Anlagen für verflüssigtes Erdgas (LNG) auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr gefallen. Auch die industrielle Nachfrage könnte unter Druck geraten, da einige Industriebetriebe aufgrund der Wetterbedingungen ihren Betrieb reduzieren oder vorübergehend einstellen.

Auswirkungen auf LNG-Exporte und europäische Märkte

Die signifikant gesunkenen Erdgaslieferungen an US-LNG-Anlagen am Wochenende haben Bedenken hinsichtlich der Versorgung in anderen regionalen Märkten aufkommen lassen. Dies erklärt teilweise die Stärke des europäischen Gasmarktes, wo der TTF-Preis über 40 Euro pro Megawattstunde (MWh) gestiegen ist. Auch Europa erlebt derzeit kälteres Wetter als üblich.

Zudem gibt es wachsende Bedenken hinsichtlich der EU-Gasspeicher, die nun unter 46 % gefüllt sind und damit deutlich unter dem Fünfjahresdurchschnitt von 61 % liegen. Die Prämie des TTF gegenüber dem JKM (Japan Korea Marker) hat sich in den letzten Tagen erheblich ausgeweitet, was sicherstellen sollte, dass LNG-Ladungen nach Europa umgeleitet werden, um die Versorgungsengpässe zu mildern.

Gaslagerbestände und kurzfristige Aussichten

Trotz der aktuellen Angebots- und Nachfragesorgen waren die US-Gaslagerbestände vor diesem Wintersturm komfortabel. Die neuesten Lagerdaten der EIA vom 16. Januar zeigten, dass die US-Gaslagerbestände im Jahresvergleich um 4,8 % höher lagen und 6,1 % über dem Fünfjahresdurchschnitt von 2.888 Milliarden Kubikfuß für diese Jahreszeit lagen, mit insgesamt 3.065 Milliarden Kubikfuß.

Analysten erwarten in den kommenden Wochen große Entnahmen von Erdgas aus den Speichern. Expertenmeinungen deuten darauf hin, dass die Stärke des Marktes relativ kurzlebig sein könnte, vorausgesetzt, es gibt nach dem Abklingen des Sturms keine längeren Unterbrechungen.

Verbraucherpreise und Lehren aus der Vergangenheit

Der aktuelle Preisanstieg wird voraussichtlich zu höheren Rechnungen für private Verbraucher in einigen Bundesstaaten führen. Zeitpunkt und Ausmaß der Auswirkungen variieren jedoch je nach Versorgungsunternehmen. Beispielsweise werden Entergy-Kunden in Louisiana wahrscheinlich in zwei Monaten Brennstoffanpassungsgebühren auf ihren Rechnungen sehen, die die höheren Großhandelspreise für Gas während des Wintersturms widerspiegeln.

Die Gefahr von "Freeze-offs" und deren weitreichende Folgen sind nicht neu. Ein Wintersturm im Jahr 2021 in Texas führte dazu, dass Millionen von Menschen tagelang ohne Strom waren. Eine Studie der Federal Reserve Bank of Dallas und der Federal Energy Regulatory Commission ergab, dass "Freeze-offs" einen Rückgang der texanischen Erdgasproduktion um 45 % über einen Zeitraum von fünf Tagen verursachten. 87 % der ungeplanten Ausfälle in texanischen Stromerzeugungsanlagen waren auf unzureichende Erdgaslieferungen zurückzuführen, hauptsächlich verursacht durch "Freeze-offs" an den Bohrlöchern und nahegelegenen Verarbeitungsanlagen. Dieser Sturm verursachte finanzielle Verluste zwischen 80 und 130 Milliarden US-Dollar für die texanische Wirtschaft und forderte mindestens 210 Menschenleben. Als Reaktion darauf erließ die texanische Legislative neue Wetterfestigkeitsstandards für die Erdgasindustrie.