
US-Gerichtsurteil fordert Apples App Store-Gebührenmodell heraus
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Ein jüngstes Urteil eines US-Berufungsgerichts könnte die jahrzehntelange Praxis von Apples App Store-Gebühren radikal umgestalten. Bislang behält Apple bis zu 30 Cent von jedem Dollar, der im App Store ausgegeben wird. Die neue Entscheidung könnte jedoch dazu führen, dass Apple künftig nur noch einen Bruchteil dieser Einnahmen aus externen Transaktionen erzielt.
Der langjährige Rechtsstreit zwischen Epic Games und Apple
Seit Jahren beklagen Entwickler und Regulierungsbehörden die hohen Gebühren im Apple App Store. Obwohl Apple einige Schlachten verloren hat, konnte das Unternehmen sein Geschäftsmodell weitgehend intakt halten. Dies ist ein wesentlicher Grund, warum Apples Dienstleistungsgeschäft, ein Kernstück der finanziellen Maschinerie des Unternehmens, auch bei schwächelnden iPhone-Verkäufen weiterwachsen konnte.
Tim Sweeney, CEO von Epic Games und Apples hartnäckigster Gegner in dieser Angelegenheit, ist überzeugt, dass sich die Situation nun grundlegend ändert. Sein Unternehmen, bekannt für das beliebte Spiel Fortnite, verstieß 2020 absichtlich gegen die App Store-Regeln von Apple, was zum Entfernen von Fortnite von iPhones und einem bis heute andauernden Rechtsstreit führte.
Die jüngste Gerichtsentscheidung und ihre Implikationen
Das US-Berufungsgericht des 9. Bezirks in San Francisco hat in einem 54-seitigen Urteil am Donnerstag entschieden, dass Apple eine frühere gerichtliche Anordnung verletzt hat, indem es eine 27%-Gebühr auf Transaktionen erhob, die außerhalb des App Stores getätigt wurden. Das Gericht bestätigte damit die Entscheidung von US-Bezirksrichterin Yvonne Gonzalez Rogers, Apple wegen Missachtung des Gerichts zu verurteilen.
Die Richter bezeichneten die 27%-Gebühr als "prohibitive Provision" und forderten deren Abschaffung. Zuvor war Apple lediglich dazu verpflichtet, Entwicklern zu erlauben, Nutzer auf externe Kaufoptionen hinzuweisen. Die hohe Gebühr machte dies jedoch unattraktiv, da sie fast so hoch war wie die Standardprovision von Apple.
Apples Recht auf Entschädigung und Sweeneys Vision
Obwohl das Gericht die 27%-Gebühr als unzulässig einstufte, stellte es klar, dass Apple Anspruch auf eine gewisse Entschädigung für die Nutzung seines geistigen Eigentums hat, das direkt bei der Abwicklung externer Käufe zum Einsatz kommt. Das Gericht hob damit eine frühere Anordnung auf, die Apple jegliche Provision auf externe Zahlungen untersagt hatte, und bezeichnete diesen Ansatz als eher strafend denn korrigierend.
Der Fall wurde an das Northern District of California zurückverwiesen, um eine "angemessene Gebührenstruktur" festzulegen. Bis eine solche Rate genehmigt ist, darf Apple keine Provisionen auf Käufe über externe Links in iOS-Apps erheben.
Tim Sweeney von Epic Games sieht in dem Urteil eine klare Absage an Apples bisherige Gebührenpolitik. Er betonte, dass Apple nur eine minimale Gebühr erheben sollte, da bei externen Käufen kaum nennenswerte Kosten für Apple anfallen. Sweeney schätzt, dass eine App mit einer Million Dollar Jahresumsatz Apple Kosten von "mehreren tausend Dollar" verursachen könnte, was einer Gebühr von weniger als 1% entspräche. Er lehnt es ab, Umsatzanteile für externe Käufe an Apple abzuführen, würde aber pauschale, einreichungsbasierte Gebühren für die App-Überprüfung akzeptieren.
Finanzielle Auswirkungen und Marktstimmung
Sollten Apples Gebühren für externe Transaktionen tatsächlich auf ein Minimum begrenzt werden und viele Entwickler sowie Nutzer diese Option nutzen, könnte dies erhebliche Auswirkungen auf Apple, Entwickler und Nutzer haben. Es würde Apple einen entscheidenden Umsatzstrom entziehen und Entwicklern entweder mehr Geld oder Nutzern niedrigere Preise (oder eine Kombination aus beidem) ermöglichen.
Bislang zeigt sich die Wall Street jedoch unbeeindruckt: Der Apple-Aktienkurs blieb seit der Veröffentlichung des Urteils am späten Donnerstagnachmittag weitgehend unverändert. Investoren erwarten vermutlich, dass der Kampf durch eine Berufung von Apple weitergeht.
Herausforderungen und Zukunftsaussichten
Es bleibt abzuwarten, ob normale Nutzer, die In-App-Käufe tätigen – hauptsächlich in Spielen – bereit sind, Zeit und Mühe in den Kauf auf anderen Plattformen zu investieren, selbst wenn sie dabei Geld sparen können. Sweeney räumte ein, dass die meisten Entwickler bisher nicht aggressiv auf Off-Plattform-Käufe gedrängt haben, was er auf die "Angst vor Vergeltungsmaßnahmen von Apple" zurückführt.
Es ist jedoch auch möglich, dass ein Großteil der Entwickler und Nutzer den zusätzlichen Aufwand scheut und bereit ist, höhere Kosten für den Komfort in Kauf zu nehmen. Sollte sich dies als Wendepunkt erweisen, würde sich dies in günstigeren In-App-Käufen oder besseren Belohnungen bemerkbar machen. Bis dahin ist es noch ein Weg. Im Kontext des Rechtsstreits kehrte Fortnite im Frühjahr auf iOS und kürzlich auf Android-Geräte zurück.