
US-Immigrationspolitik: Minnesota CEOs fordern Deeskalation, Justizministerium in Turbulenzen
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Die Geschäftswelt Minnesotas, die sich bisher weitgehend zurückhaltend zur verschärften Einwanderungspolitik der Trump-Administration geäußert hat, meldet sich nach einer weiteren tödlichen Schießerei durch Bundesagenten zu Wort. In einem offenen Brief fordern über 60 CEOs, darunter Führungskräfte von Fortune-500-Unternehmen, eine sofortige Deeskalation und gemeinsame Lösungen. Diese Entwicklung steht im Kontrast zu den deutlich kritischeren Tönen aus dem Silicon Valley und fällt mit Turbulenzen im Justizministerium zusammen.
Minnesotas Wirtschaft fordert Deeskalation
In einem am Sonntag veröffentlichten offenen Brief der Minnesota Chamber of Commerce appellierten über 60 CEOs an staatliche, lokale und föderale Beamte, zusammenzuarbeiten, um "echte Lösungen" zu finden. Die Unterzeichner, darunter Führungskräfte von Branchengrößen wie 3M, Best Buy, General Mills, Land O’Lakes, Target, UnitedHealth, U.S. Bancorp, Xcel Energy und Hormel, betonten, dass die Geschäftswelt bereits seit Wochen hinter den Kulissen mit Amtsträgern wie Gouverneur Tim Walz, dem Weißen Haus, Vizepräsident JD Vance und lokalen Bürgermeistern zusammenarbeite.
Der Brief, der nach der jüngsten tragischen Nachricht verfasst wurde, vermeidet jegliche direkte Kritik an der Trump-Administration und fordert nicht, dass Einwanderungsbeamte die Stadt verlassen – eine Forderung, die Gouverneur Walz und der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, bereits erhoben hatten. Stattdessen ruft er zu "Frieden und fokussierter Zusammenarbeit" auf, um eine "schnelle und dauerhafte Lösung" zu erreichen, die es Familien, Unternehmen und Gemeinden ermögliche, eine "helle und prosperierende Zukunft" aufzubauen.
Eskalation der ICE-Einsätze und Schießereien
Die Forderung der CEOs folgt auf eine Reihe beunruhigender Vorfälle in Minnesota. Die jüngste Schießerei am Samstag war die dritte in diesem Monat und die zweite mit tödlichem Ausgang. Zuvor gab es Berichte über Einwanderungsbeamte, die in Minnesota kleine Kinder festnahmen, US-Bürger verhafteten und ohne richterliche Anordnung gewaltsam in Häuser eindrangen.
Im Fall von Alex Pretti, einem Krankenpfleger in einem Veteranenkrankenhaus, widersprachen Videoaufnahmen der Behauptung der Trump-Administration, er habe die Grenzschutzbeamten vor der Schießerei bedroht. Auch der Einzelhandelsriese Target, ein prominentes Unternehmen aus Minnesota, geriet ins Visier, nachdem ICE-Beamte Mitarbeiter in seinen Filialen festgenommen hatten und Aktivisten das Unternehmen aufforderten, gegen die Razzien Stellung zu beziehen.
Turbulenzen im Justizministerium nach tödlicher Schießerei
Die Spannungen in Minnesota haben auch das Justizministerium erreicht. Rund sechs Bundesstaatsanwälte in Minnesota sind im Zuge der Ermittlungen zum Tod von Renee Good zurückgetreten. Good wurde in Minneapolis von einem Beamten der U.S. Immigration and Customs Enforcement (ICE) tödlich in den Kopf geschossen. Auch mehrere Vorgesetzte der Strafrechtsabteilung der Bürgerrechtsabteilung des Justizministeriums haben ihre Absicht bekundet, das Amt zu verlassen.
Quellen zufolge sind die Abgänge auf eine Entscheidung der Trump-Administration zurückzuführen, den Bundesstaat von der Untersuchung auszuschließen. Anwälte der Bürgerrechtsabteilung, die für die Bearbeitung hochkarätiger Polizeischießereien bekannt sind, wurden demnach darüber informiert, dass ihre Beteiligung an der Untersuchung in diesem Stadium eingeschränkt werde. Dies führte bei mehreren Staatsanwälten zu Bedenken hinsichtlich politischer Auswirkungen auf ihre Arbeit.
Zu den ausscheidenden Personen gehört Joe Thompson, der Erste stellvertretende US-Staatsanwalt, der maßgeblich an der Leitung von Betrugsermittlungen im Bundesstaat beteiligt war. Er wird von mindestens vier weiteren Staatsanwälten des US-Anwaltsbüros in Minnesota begleitet. Demokratische Gesetzgeber in Minnesota, darunter Senatorin Amy Klobuchar und Gouverneur Tim Walz, äußerten sich besorgt über die Rücktritte und betonten die potenziellen Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit und die Integrität des Rechtssystems. Das Justizministerium erklärte jedoch, die Staatsanwälte der Bürgerrechtsabteilung hätten bereits "lange vor den Ereignissen in Minnesota" ein Frühverrentungsprogramm beantragt.
Kontrastierende Reaktionen aus dem Silicon Valley
Während die Geschäftswelt Minnesotas einen vorsichtigeren Ton anschlägt, äußern sich Tech-Führungskräfte im Silicon Valley deutlich kritischer zur Trump-Administration. Yann LeCun, Chefwissenschaftler für KI bei Meta, kommentierte Aufnahmen der Schießerei schlicht mit "Mörder".
Kath Korevec, Produktdirektorin bei Google Labs, schrieb: "Dieses Video ist zu schmerzhaft anzusehen, und doch müssen wir es uns einprägen. 'Sie hatten ihn bereits entwaffnet' ist die entscheidende Tatsache hier. Dann haben sie ihn hingerichtet. Es ist beschämend. Egal auf welcher Seite man steht, was heute passiert ist, ist inakzeptabel." In einem Folgebeitrag warnte sie, es sei "nur eine Frage der Zeit, bis sie hier in der Bay Area in voller Stärke auftauchen."