
US-Inflation im Februar: Über Fed-Ziel, Iran-Konflikt droht Preisdruck zu erhöhen
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Die Inflation in den USA blieb im Februar 2026 erhöht und lag weiterhin über dem Zielwert der Federal Reserve. Während die monatliche Preissteigerung leicht zunahm, verharrte die Jahresrate auf dem Vormonatsniveau, was die anhaltenden Herausforderungen für die Kaufkraft der US-Haushalte unterstreicht.
Aktuelle Inflationsdaten im Überblick
Das Bureau of Labor Statistics (BLS) berichtete am Mittwoch, dass der Verbraucherpreisindex (CPI) im Februar 2026 monatlich um 0,3% stieg und auf Jahresbasis bei 2,4% verharrte. Die Jahresrate blieb damit unverändert gegenüber Januar, während der monatliche Anstieg leicht über dem Wert von 0,2% im Vormonat lag. Beide Zahlen entsprachen den Erwartungen der von LSEG befragten Ökonomen.
Die sogenannten Kernpreise, die volatile Komponenten wie Benzin und Lebensmittel ausschließen, um Preistrends besser zu bewerten, stiegen im Februar monatlich um 0,2% und auf Jahresbasis um 2,5%. Auch diese Werte lagen im Rahmen der Erwartungen der Ökonomen. Der monatliche Kern-CPI war dabei etwas niedriger als die 0,3% im Januar, während die Jahresrate unverändert blieb.
Inflation über dem Fed-Ziel
Trotz der moderaten monatlichen Zuwächse verbleibt die Inflation mit 2,4% (Gesamt-CPI) und 2,5% (Kern-CPI) weiterhin über dem 2%-Ziel der Federal Reserve. Dies stellt die politischen Entscheidungsträger vor die Herausforderung, die Erschwinglichkeit für US-Haushalte zu gewährleisten. Die Federal Open Market Committee (FOMC) wird in der kommenden Woche über die Zinssätze beraten, wobei Experten und Händler eine Beibehaltung der aktuellen Zinsen erwarten. Laut CME FedWatch liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinspause bei nahezu 100%.
Der Einfluss des Iran-Konflikts
Es ist entscheidend zu beachten, dass die aktuellen CPI-Daten für Februar 2026 vor dem Ausbruch des Iran-Konflikts erhoben wurden. Ökonomen gehen davon aus, dass die Auswirkungen dieses Konflikts, der zu einem Anstieg des Rohölpreises um rund 30% sowie zu höheren Preisen für Erdgas, Aluminium, Düngemittel, Frachtraten und Schiffsversicherungen führte, erst im nächsten Bericht sichtbar werden.
Alexandra Wilson-Elizondo, Global Co-Chief Investment Officer für Multi-Asset-Lösungen bei Goldman Sachs Asset Management, kommentierte: "Die Straße von Hormus bleibt der Joker, und wenn die Störung anhält, könnte sich die in den heutigen Zahlen enthaltene Inflationsverbesserung schnell umkehren." Skyler Weinand, Chief Investment Officer bei Regan Capital, ergänzte: "Obwohl der CPI für Februar den jüngsten Anstieg der Ölpreise nicht berücksichtigt, entsprachen die Zahlen den Erwartungen, was darauf hindeutet, dass die Inflation vor dem Iran-Konflikt stabil war."
Auswirkungen des Regierungs-Shutdowns
Die Inflationsdaten von Dezember 2025 bis April 2026 werden durch Unterbrechungen bei der Datenerhebung infolge des 43-tägigen Regierungs-Shutdowns im letzten Herbst beeinflusst. Da das BLS während des Shutdowns keine Daten sammeln konnte, wurde eine Carry-Forward-Methodik angewendet, um fehlende Berichte auszugleichen. Ökonomen weisen darauf hin, dass dies bis zum Frühjahr, wenn frische Daten die Diskrepanz aufheben, wahrscheinlich zu einer Abwärtsverzerrung der Inflationsdaten führen wird.
Die Kosten des täglichen Lebens
Die hohe Inflation der letzten Jahre hat für die meisten US-Haushalte erhebliche finanzielle Belastungen mit sich gebracht, da sie für alltägliche Notwendigkeiten wie Lebensmittel und Miete mehr bezahlen müssen. Besonders betroffen sind Amerikaner mit geringerem Einkommen, da sie einen größeren Teil ihres bereits knappen Einkommens für Grundbedürfnisse ausgeben und weniger Spielraum zum Sparen haben.
Ein detaillierter Blick auf die Preisentwicklung im Februar 2026:
- Lebensmittelpreise: Stiegen im Februar um 0,4% und lagen im Jahresvergleich um 3,1% höher.
- Lebensmittel zu Hause: +0,4% monatlich, +2,4% jährlich.
- Lebensmittel außer Haus: +0,3% monatlich, +3,9% jährlich.
- Fleisch, Geflügel und Fisch: +0,2% monatlich, +6,8% jährlich.
- Rind- und Kalbfleisch: +1,5% monatlich, +14,4% jährlich.
- Eier: -3,8% monatlich, -42,1% jährlich (nach Vogelgrippe-Ausbruch).
- Obst und Gemüse: +1,4% monatlich, +2,7% jährlich. Salat: +12,2% monatlich. Tomaten: +6,4% monatlich.
- Kaffee: +18% jährlich (teilweise durch Zölle beeinflusst).
- Energiepreise: Stiegen im Februar um 0,6% und lagen im Jahresvergleich um 0,5% höher.
- Benzinpreise: +0,8% monatlich, -5,6% jährlich.
- Gasversorgungsdienste: +3,1% monatlich, +10,9% jährlich.
- Strompreise: -0,7% monatlich, +4,8% jährlich.
- Wohnkosten: Stiegen im Februar um 0,2% und lagen im Jahresvergleich um 3% höher. Der Index für Unterkunft war der größte Faktor für den gesamten monatlichen CPI-Anstieg.
- Mieter- und Hausratversicherungen: +0,1% monatlich, +6,2% jährlich.
- Transportdienstleistungen: Stiegen im Februar um 0,2% und lagen im Jahresvergleich um 2,2% höher.
- Wartung und Reparatur von Kraftfahrzeugen: +0,9% monatlich, +5,6% jährlich.
- Kfz-Versicherungen: -0,3% monatlich, +0,2% jährlich.
- Flugpreise: +1,4% monatlich, +7,1% jährlich.
- Medizinische Dienstleistungen: Stiegen im Februar um 0,6% und lagen im Jahresvergleich um 4,1% höher.
- Körperpflegedienste: +0,3% monatlich, +4,9% jährlich.
- Haushaltsausstattung: Stieg im Februar um 0,2% und lag im Jahresvergleich um 3,9% höher.
- Möbel und Bettwaren: unverändert monatlich, +4,2% jährlich.
- Haushaltsgeräte: +3,1% monatlich, +2,9% jährlich.
- Bekleidungspreise: Beschleunigten sich auf 2,5% im Jahresvergleich (gegenüber 1,7% im Januar).
- Herrenanzüge und Damenkleider: +4% monatlich.
- Fotografieausrüstung: +10,7% jährlich (durch Zölle beeinflusst).
Arbeitsmarkt unter Druck
Ein unerwartet schwacher Arbeitsmarktbericht für Februar zeigte, dass die USA 92.000 Arbeitsplätze verloren haben, mit Nettoverlusten von über 20.000 im Gesundheitswesen sowie im Freizeit- und Gastgewerbe. Der Rückgang im Gesundheitswesen, der zuvor den Arbeitsmarkt gestützt hatte, war auf einen Streik bei Kaiser Permanente zurückzuführen. Cory Stahle, Ökonom beim Indeed Hiring Lab, bemerkte: "Es ist sicherlich eine schwierige Zeit für Arbeitssuchende, weil wir sehen, dass Arbeitgeber viel weniger einstellen als noch vor ein paar Jahren."
Politische Kommentare und weitere Faktoren
Alex Jacquez, Chief of Policy and Advocacy bei Groundwork Collaborative, äußerte sich kritisch: "Leider wissen wir bereits, dass das Schlimmste noch bevorsteht. Der heutige Bericht, der bereits deutlich über dem 2%-Ziel der Fed liegt, erfasst nicht den Preisschock, dem Familien bereits ausgesetzt sind, nachdem Trump seinen Krieg mit dem Iran begonnen hat. Weit davon entfernt, die Preise am ersten Tag zu senken, gießen Trumps rücksichtslose Zölle und illegaler Krieg mit dem Iran Benzin ins Inflationsfeuer und treiben die Alltagskosten für arbeitende Familien noch höher."
Zölle spielen ebenfalls eine Rolle bei der Preisentwicklung. Importierte Güter, die von Zöllen betroffen sind, verzeichneten Preisanstiege deutlich über der allgemeinen Inflation. Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs, das Trumps illegale Notstandszölle aufhob, verhängte die Regierung rasch 10%-Zölle auf globale Importe unter anderen Befugnissen, die demnächst auf 15% erhöht werden sollen.