US-Justiz ermittelt gegen Fed-Chef Powell: Politische Krise und Marktturbulenzen

US-Justiz ermittelt gegen Fed-Chef Powell: Politische Krise und Marktturbulenzen

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Die US-Justiz hat eine strafrechtliche Untersuchung gegen den Vorsitzenden der Federal Reserve, Jerome Powell, eingeleitet. Dies geschieht wegen angeblicher Falschaussage vor dem Kongress bezüglich eines Renovierungsprojekts und löst erheblichen politischen Widerstand aus, insbesondere von Senator Thom Tillis, der Trumps Fed-Nominierungen blockieren will. Die Nachricht hat bereits zu Turbulenzen an den Finanzmärkten geführt, wobei Gold und Silber Rekordhöhen erreichten.

Ermittlungen gegen Fed-Chef Powell

Das US-Justizministerium (DOJ) hat eine strafrechtliche Untersuchung gegen Federal Reserve Chair Jerome Powell wegen potenzieller Meineidsvorwürfe eingeleitet. Die Fed erhielt am Freitag, den 9. Januar 2026, Vorladungen der Grand Jury, die eine strafrechtliche Anklage im Zusammenhang mit Powells Aussage vor dem Bankenausschuss des Senats im Juni des Vorjahres betreffen. Es geht um ein Renovierungsprojekt für Fed-Gebäude im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar, dessen Budget erheblich überschritten wurde.

Die Untersuchung, die im November von der US-Staatsanwältin Jeanine Pirro, einer Vertrauten Trumps und ehemaligen Fox News-Moderatorin, genehmigt wurde, konzentriert sich darauf, ob Powell den Kongress über den Umfang der Renovierungen belogen hat. Powell selbst bestätigte die Untersuchung am Sonntag, den 11. Januar 2026, in einer Erklärung und bezeichnete sie als "beispiellose Maßnahme". Er äußerte die Vermutung, dass es sich um einen Vorwand handele, um Präsident Trump mehr Macht über die Fed zu verschaffen.

Powell betonte: "Niemand, sicherlich nicht der Vorsitzende der Federal Reserve, steht über dem Gesetz, aber diese beispiellose Maßnahme sollte im breiteren Kontext der Drohungen und des anhaltenden Drucks der Regierung gesehen werden." Er fügte hinzu, dass die Bedrohung durch strafrechtliche Anklagen eine Konsequenz der Zinsfestsetzung durch die Federal Reserve sei, die auf der besten Einschätzung des öffentlichen Interesses basiere und nicht den Präferenzen des Präsidenten folge. Powell erklärte zudem, nicht zurücktreten zu wollen, da "öffentlicher Dienst manchmal erfordert, angesichts von Drohungen standhaft zu bleiben."

Politischer Widerstand und die Zukunft der Fed-Führung

Die Ermittlungen haben umgehend politische Konsequenzen nach sich gezogen. Senator Thom Tillis (R-N.C.), ein Mitglied des Bankenausschusses des Senats, kündigte am Sonntag an, alle von Trump ernannten Kandidaten für die Zentralbank, einschließlich des neuen Vorsitzenden, zu blockieren. Tillis begründete seine Haltung damit, dass die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des Justizministeriums in Frage stünden.

Tillis erklärte: "Sollten noch Zweifel bestanden haben, ob Berater innerhalb der Trump-Administration aktiv darauf drängen, die Unabhängigkeit der Federal Reserve zu beenden, so sollten diese nun ausgeräumt sein." Er fügte hinzu: "Ich werde der Bestätigung jedes Nominierten für die Fed – einschließlich der bevorstehenden Vakanz des Fed-Vorsitzenden – widersprechen, bis diese rechtliche Angelegenheit vollständig geklärt ist." Diese Position erschwert die Nachfolge von Powell, dessen Amtszeit als Vorsitzender im Mai endet, erheblich. Der Bankenausschuss besteht aus 13 Republikanern und 11 Demokraten, sodass bereits eine Abweichung zu einem Patt führen kann.

Auch Senatorin Elizabeth Warren (D-Mass.), die Powell einst als "gefährlichen Mann" bezeichnete, kritisierte Trump scharf. Sie warf ihm vor, einen "Marionetten-Vorsitzenden" für die Fed zu wollen, der seine Befehle ausführt und die Zinsen senkt. Warren sagte: "Trump missbraucht die Befugnisse des Justizministeriums wie ein Möchtegern-Diktator, damit die Fed seinen Interessen und denen seiner Milliardärsfreunde dient."

Trumps anhaltender Druck auf die Zentralbank

Präsident Donald Trump hat die Ermittlungen gegen Powell in einem Interview mit NBC News am Sonntag abgestritten. Er sagte: "Ich weiß nichts darüber, aber er ist sicherlich nicht sehr gut bei der Fed und er ist nicht sehr gut im Bauen von Gebäuden." Trump hat Powell wiederholt dafür kritisiert, die Zinsen nicht aggressiver gesenkt zu haben, und ihn als "sturen Esel" bezeichnet. Die Fed hatte die Zinsen in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 dreimal gesenkt.

Die Trump-Administration hat bereits einen engen Verbündeten in den Gouverneursrat der Fed berufen und zuvor versucht, Fed-Gouverneurin Lisa Cook wegen angeblicher Hypothekenbetrugsvorwürfe zu entlassen, die sie bestreitet. Der Oberste Gerichtshof wird am 21. Januar Argumente in diesem Fall anhören. Diese jüngste Entwicklung wird von Analysten als weitere Eskalation in Trumps langjährigem Bestreben nach größerer Kontrolle über die Federal Reserve gesehen, deren Unabhängigkeit als Eckpfeiler der US-Wirtschaftspolitik gilt.

Markt reagiert auf die Unsicherheit

Die Nachricht von den Ermittlungen und Powells scharfer Reaktion führte am Montag, den 12. Januar 2026, zu erheblichen Turbulenzen an den Finanzmärkten.

  • Gold erreichte ein Rekordhoch von über 4.600 US-Dollar pro Feinunze.
  • Silber erreichte ebenfalls ein Rekordhoch von 84,58 US-Dollar pro Unze.
  • Der US-Dollar fiel gegenüber den wichtigsten Währungen.
  • Futures, die den S&P 500 abbilden, verzeichneten Rückgänge.
  • Die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe stieg um 0,03 Prozentpunkte auf 4,2 %.
  • Die Märkte preisten eine leicht höhere Wahrscheinlichkeit für kurzfristige Zinssenkungen ein.

Karl Schamotta, Chefmarktstratege bei Corpay in Toronto, kommentierte: "Die heutigen Enthüllungen markieren eine dramatische Eskalation der Bemühungen der Regierung, der Fed den Boden unter den Füßen wegzuziehen, und könnten eine Reihe unbeabsichtigter Folgen auslösen, die direkt gegen die erklärten Ziele von Präsident Trump gehen."

Die Unabhängigkeit der Federal Reserve im Fokus

Im Kern der aktuellen Auseinandersetzung steht die Unabhängigkeit der Federal Reserve, die als weltweit wichtigste Zentralbank die US-Geldpolitik ohne unangemessenen Einfluss gewählter Amtsträger festlegen soll. Powell, der 2018 von Trump zum Fed-Vorsitzenden ernannt wurde, hat deutlich gemacht, dass er sich dem politischen Druck nicht beugen wird.

Obwohl Powells Amtszeit als Vorsitzender im Mai endet, kann er bis 2028 als Gouverneur im Fed-Rat bleiben. Er hat noch nicht bekannt gegeben, ob er dies tun wird. Das Weiße Haus hat eine umfassende Suche nach einem neuen Vorsitzenden durchgeführt, wobei das Kandidatenfeld auf fünf Personen eingegrenzt wurde. Trump hat angekündigt, noch in diesem Monat einen Kandidaten vorzuschlagen. Die aktuelle Situation erhöht jedoch die Unsicherheit über die zukünftige Führung und Ausrichtung der US-Geldpolitik erheblich.

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