
US-Kerninflation sinkt stärker als erwartet: Was das für Fed & Märkte bedeutet
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Die US-Kerninflation ist im Dezember 2025 schwächer als erwartet ausgefallen, was die Hoffnungen auf eine sich abschwächende Preisdynamik verstärkt. Dieser Bericht des Bureau of Labor Statistics, veröffentlicht am 13. Januar 2026, liefert der Federal Reserve weitere Anhaltspunkte für ihre zukünftige Zinspolitik. Während die Gesamtinflation den Prognosen entsprach, zeigten die Kernpreise eine deutliche Entspannung.
Kerninflation unter Erwartungen
Die Kernverbraucherpreise in den USA, welche die volatilen Posten Nahrungsmittel und Energie ausschließen, stiegen im Dezember 2025 saisonbereinigt um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Auf Jahresbasis betrug der Anstieg 2,6 Prozent. Beide Werte lagen um 0,1 Prozentpunkte unter den Erwartungen der Analysten.
Dieser Wert von 2,6 Prozent ist der niedrigste Stand seit März 2021 und entspricht dem Vormonat November 2025. Die Federal Reserve betrachtet die Kerninflation als einen besseren langfristigen Indikator für die zukünftige Preisentwicklung. Der Zielwert der Fed liegt bei einer jährlichen Inflation von 2 Prozent.
Gesamtinflation im Rahmen der Prognosen
Die Gesamtinflation, die alle Posten des Verbraucherpreisindex (CPI) umfasst, verzeichnete im Dezember 2025 einen monatlichen Anstieg von 0,3 Prozent. Die jährliche Rate lag bei 2,7 Prozent. Beide Zahlen entsprachen exakt den Konsensschätzungen von Dow Jones.
Treiber und Dämpfer der Preisentwicklung
Ein wesentlicher Faktor für den monatlichen Anstieg war der Bereich "Shelter" (Wohnen), der um 0,4 Prozent zulegte. Diese Kategorie macht mehr als ein Drittel der Gewichtung im CPI aus und stieg auf Jahresbasis um 3,2 Prozent. Auch die Nahrungsmittelpreise erhöhten sich im Dezember um 0,7 Prozent.
Weitere Preisanstiege waren in den Bereichen Freizeit (1,2 Prozent monatlich, der größte monatliche Zuwachs seit 1993), Flugpreise und medizinische Versorgung zu verzeichnen. Einige zollsensitive Kategorien wie Bekleidung zeigten ebenfalls Zuwächse. Im Gegensatz dazu sanken die Preise für Haushaltsmöbel, nachdem Präsident Donald Trump angedrohte Zollerhöhungen für Importe in diesem Sektor zurückgenommen hatte.
Auf Jahresbasis verlangsamten sich die Preise insbesondere für:
- Gebrauchtwagen und Lastwagen: +1,6 Prozent (gegenüber 3,6 Prozent im November)
- Haushaltsmöbel und -geräte: +4 Prozent (gegenüber 4,6 Prozent im November)
Andere Indizes mit bemerkenswerten jährlichen Anstiegen waren:
- Medizinische Versorgung: +3,2 Prozent (gegenüber 2,9 Prozent)
- Freizeit: +3 Prozent (gegenüber 1,8 Prozent)
- Körperpflege: +3,7 Prozent (gegenüber 3,3 Prozent)
Implikationen für die Geldpolitik und Märkte
Der Inflationsbericht liefert der Federal Reserve weitere Belege dafür, dass sich das Tempo der Preissteigerungen dem 2-Prozent-Ziel nähert, auch wenn es noch leicht erhöht bleibt. Die Fed hatte bereits im Dezember 2025 ihre dritte Zinssenkung des Jahres vorgenommen, als direkte Reaktion auf den disinflationären Trend.
Nach der Veröffentlichung des Berichts stiegen die Futures an den Aktienmärkten, während die Renditen von Staatsanleihen sanken. Die 10-jährige US-Staatsanleihe konsolidierte sich nahe 4,10 Prozent.
Historische Perspektive und Sektoranalyse
Die Kerninflationsrate in den USA lag im Durchschnitt von 1957 bis 2025 bei 3,62 Prozent. Sie erreichte im Juni 1980 einen Höchststand von 13,60 Prozent und im Mai 1957 einen Tiefststand von 0 Prozent. Der aktuelle Wert von 2,6 Prozent markiert somit eine deutliche Entspannung im historischen Kontext.
Für Investoren führte die unerwartet niedrige Kerninflation zu asymmetrischen Marktreaktionen. Der Finanzdienstleistungssektor profitierte überproportional von den gesunkenen Kreditkosten, da Banken wie JPMorgan (JPM) und Bank of America (BAC) stabile Nettozinsmargen und eine steigende Kreditnachfrage verzeichneten. Historisch gesehen übertreffen Finanzdienstleister in Perioden unter den Erwartungen liegender CPI-Daten.
Im Gegensatz dazu zeigte der Automobilsektor, ein Indikator für die zyklische Nachfrage, gemischte Signale und eine Underperformance im späten Jahr 2025. Obwohl niedrigere Zinsen theoretisch den Autoverkauf ankurbeln sollten, spiegelte die Entwicklung eine breitere wirtschaftliche Vorsicht wider. Die Preise für Gebrauchtwagen moderierten sich, was jedoch die Gewinnmargen der Autohersteller komprimierte. Unternehmen wie Tesla (TSLA) und Ford (F) sahen ihre Bewertungen aufgrund einer sich abschwächenden Arbeitsmarktlage (Arbeitslosigkeit 4,6 Prozent im November 2025) zurückbleiben.