
US-Kongress: Kontroverse um "Stop Insider Trading Act" und Abgeordneten-Aktienhandel
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In den kommenden Wochen steht im US-Repräsentantenhaus eine Abstimmung über einen Gesetzesentwurf an, der den Aktienhandel von Kongressabgeordneten erheblich einschränken soll. Der sogenannte "Stop Insider Trading Act" wird von der republikanischen Führung unterstützt, stößt jedoch auf scharfen Widerstand der Demokraten, die ihn als unzureichend und voller Schlupflöcher bezeichnen. Diese Entwicklung deutet auf eine zunehmende parteipolitische Spaltung in einer Debatte hin, die jahrelang parteiübergreifend geführt wurde.
Kontroverser Gesetzesentwurf im US-Kongress
Der "Stop Insider Trading Act" wurde am Mittwoch vom Ausschuss für Hausverwaltung verabschiedet. Er zielt darauf ab, amtierenden Mitgliedern des Kongresses, ihren Ehepartnern und unterhaltsberechtigten Kindern den Kauf neuer Aktien in börsennotierten Unternehmen zu verbieten. Dies wäre die bedeutendste Änderung der Regeln für den Aktienhandel seit über einem Jahrzehnt.
Republikanische Abgeordnete betonen, dass der Fokus des Gesetzesentwurfs darauf liegt, Abgeordnete daran zu hindern, von Insiderinformationen zu profitieren. Rep. Bryan Steil aus Wisconsin, Vorsitzender des Ausschusses, erklärte, das Ziel sei nicht, gewählte Amtsträger zu verarmen, sondern den Missbrauch von Insiderwissen zu verhindern.
Kernpunkte des "Stop Insider Trading Act"
Der Gesetzesentwurf enthält mehrere zentrale Bestimmungen, die sowohl Unterstützung als auch Kritik hervorrufen:
- Verbot neuer Aktienkäufe: Mitglieder des Kongresses, ihre Ehepartner und unterhaltsberechtigten Kinder dürfen keine neuen Aktien in börsennotierten Unternehmen erwerben.
- Bestehende Bestände: Abgeordnete dürfen ihre bereits gehaltenen Aktien behalten. Republikaner bestehen auf dieser Klausel, um finanziell erfolgreiche Personen nicht vom Dienst abzuschrecken.
- Verkauf bestehender Aktien: Der Verkauf bestehender Aktien ist erlaubt, sofern die Veräußerung mindestens sieben Tage im Voraus offengelegt wird.
- Handel durch Familienmitglieder: Eine umstrittene Bestimmung erlaubt es Familienmitgliedern von Abgeordneten, Aktien im Namen einer anderen Person zu handeln. Rep. Steil erklärte, dies solle Familienmitgliedern, deren Beruf den Aktienhandel umfasst, ermöglichen, ihre Tätigkeit fortzusetzen.
Scharfe Kritik von Demokraten
Demokratische Abgeordnete haben den Gesetzesentwurf vehement kritisiert und ihn als unzureichend bezeichnet. Rep. Alexandria Ocasio-Cortez aus New York äußerte gegenüber Business Insider: "Dieser Gesetzesentwurf ist ein Betrug. Er ist kein Verbot des Aktienhandels im Kongress." Sie fügte hinzu, der Entwurf sei "präzise für die wohlhabendsten Mitglieder des Kongresses geschrieben".
Besonders die Bestimmung zum Handel durch Familienmitglieder stößt auf Ablehnung. Rep. Joe Morelle aus New York nannte sie das "Oma-Schlupfloch", da Familienmitglieder "frei Aktien im Namen ihrer Eltern oder Großeltern handeln können, wobei ein Kongressmitglied das Erbe antreten könnte." Morelle kommentierte: "Das ist ein Schlupfloch, so groß, da könnte man einen katarischen Jet durchfliegen."
Demokraten schlugen im Ausschuss eine Reihe von Änderungen vor, darunter eine Ausweitung des Geltungsbereichs, eine Veräußerungspflicht und die Streichung der Bestimmung zur Reinvestition von Aktiendividenden. Alle diese Änderungsanträge wurden jedoch abgelehnt, und der Gesetzesentwurf passierte den Ausschuss ohne demokratische Unterstützung. Rep. Julie Johnson aus Texas, die selbst ihre erheblichen Aktienbestände veräußert hat, kritisierte: "Es ist kein Brei in der Schüssel. Es hat keine echten Zähne. Hier gibt es keine Mahlzeit."
Republikanische Verteidigung und parteiübergreifende Spaltung
Rep. Steil verteidigte den Gesetzesentwurf gegen die Kritik der Demokraten, die er als "Goldlöckchen-Argument" bezeichnete. Er argumentierte, dass "Perfektion der Feind des Guten" sein könnte und der Entwurf die beste Chance darstelle, neue Beschränkungen in diesem Kongress zu verabschieden.
Trotz jahrelanger parteiübergreifender Bemühungen, ein Verbot des Aktienhandels auf den Weg zu bringen, scheint das Thema nun entlang der Parteilinien zu zerbrechen. Rep. Chip Roy aus Texas, ein Republikaner, der Teil der parteiübergreifenden Gruppe war, zeigte sich zufrieden mit Steils Gesetzesentwurf und nannte ihn "wirklich gut".
Alternative Vorschläge und Ausblick
Rep. Morelle kündigte an, eine "discharge petition" einzureichen, ein parlamentarisches Manöver, um eine Abstimmung über einen separaten Gesetzesentwurf zu erzwingen. Dieser würde strengere Beschränkungen für den Aktienhandel beinhalten und auch den Präsidenten und Vizepräsidenten betreffen. Eine separate parteiübergreifende "discharge petition" für einen Gesetzesentwurf, der die Exekutive nicht einschließt, stagniert derweil aufgrund des Widerstands der demokratischen Führung.
Trotz der parteiübergreifenden Spaltung gibt es auch Ausnahmen. Rep. Josh Riley aus New York, ein Demokrat, plant, den von der GOP unterstützten Vorschlag zu unterstützen. Er erklärte gegenüber Business Insider, er würde sich zwar ein Gesetz wünschen, das "den Sumpf vollständig trockenlegt", aber er sei auch hierhergekommen, "um Dinge zu erledigen", und dieser Gesetzesentwurf stelle "wirklich bedeutsamen Fortschritt" dar.