
US-Kryptogesetz: Senat forciert Regulierung digitaler Vermögenswerte
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Die US-Gesetzgeber bereiten sich darauf vor, erneut einen Anlauf zur Verabschiedung eines umfassenden Marktstrukturgesetzes für Kryptowährungen zu nehmen. Dieses Gesetz soll die Zukunft der Kryptoindustrie in den USA maßgeblich bestimmen und legislative Leitplanken für digitale Vermögenswerte etablieren. Anhörungen in den Senatsausschüssen für Landwirtschaft und Banken am 15. Januar 2026 sollen den Grundstein für diese potenziell wegweisende Gesetzgebung legen.
US-Gesetzgeber forcieren Krypto-Regulierung
Nachdem die legislativen Bemühungen im vergangenen Jahr stagnierten, planen die Gesetzgeber, die Diskussionen um ein Marktstrukturgesetz wieder aufzunehmen. Die simultanen Markup-Sitzungen in den beiden Senatsausschüssen signalisieren einen entscheidenden Wendepunkt in Washingtons Ansatz zur Krypto-Aufsicht. Ziel ist es, die Aufsicht von SEC und CFTC in Einklang zu bringen und einen einheitlichen Gesetzentwurf zur Abstimmung zu bringen.
Senatsausschussvorsitzender Tim Scott treibt die Gesetzgebung aktiv voran und hat eine aggressive Strategie zur Lösung der bisherigen Verhandlungshindernisse angekündigt. Laut Sen. John Kennedy (R-La.) wird der Vorsitzende "komme was wolle" eine Abstimmung anstreben.
Der "Clarity Act": Ziele und Ambitionen
Das sogenannte "Clarity Act" zielt darauf ab, legislative Leitplanken für den Billionen-Dollar-Kryptomarkt und große Digital-Asset-Firmen zu schaffen. Dies könnte die Akzeptanz von Blockchain-Technologie und Krypto in den USA beschleunigen. Der Gesetzentwurf soll die Rollen der Securities and Exchange Commission (SEC) und der Commodities Futures Trading Commission (CFTC) bei der Regulierung von Kryptowährungen klären und besser definierte Token-Klassifikationen schaffen.
Darüber hinaus sollen Registrierungs- und Compliance-Standards für eine breite Palette von Krypto-Brokerhäusern, Börsen und anderen Entitäten festgelegt werden, um ihnen den Betrieb in den USA zu erleichtern. Laut Summer Mersinger, CEO der Krypto-Handelsgruppe Blockchain Association, könnten diese Leitplanken dazu beitragen, mehr Digital-Asset-Unternehmen in die USA zu locken, die Wirtschaft anzukurbeln und den Kryptomarkt zu stärken. Ohne ein Marktstrukturgesetz könnte dies jedoch bei einer "unfreundlichen Regierung" wieder verloren gehen, so Mersinger.
Kernfragen im Fokus der Verhandlungen
Die Gesetzgeber werden diese Woche versuchen, drei Schlüsselthemen zu klären: Stablecoin-bezogene Belohnungen, die Behandlung von dezentralen Finanzplattformen (DeFi) und deren Entwicklern sowie die Frage, ob gewählte Amtsträger wie Präsident Donald Trump von Krypto-Projekten profitieren dürfen. Trump-nahe Entitäten haben in der Vergangenheit sowohl Memecoins als auch Non-Fungible Tokens (NFTs) auf den Markt gebracht.
Stablecoins und Renditen
Das Thema der Stablecoin-Belohnungen ist laut Cody Carbone, CEO der Krypto-Handelsvereinigung Digital Chamber, das "größte offene Problem" bei den Verhandlungen. Sowohl Republikaner als auch Demokraten sind zu dem Schluss gekommen, dass Stablecoin-Belohnungen, Zinsen oder Renditen im Gesetz behandelt werden müssen. Anfang Januar forderte der Community Bankers Council der American Bankers Association den Senat auf, Stablecoin-Emittenten-Affiliates daran zu hindern, Kunden Belohnungen anzubieten. Sie argumentieren, dass diese Produkte ein Schlupfloch im im vergangenen Jahr verabschiedeten "Genius Act" ausnutzen, der renditetragende Dollar-Stablecoins verbietet. Der "GENIUS Act" wurde im Juli 2025 von Präsident Trump unterzeichnet und soll einen Regulierungsrahmen für Zahlungs-Stablecoins schaffen.
DeFi-Haftung und Selbstverwahrung
An der DeFi-Front kämpfen Krypto-Befürworter dafür, dass Entwickler nicht strafrechtlich verfolgt werden, wenn ihre Technologie für illegale Aktivitäten wie Geldwäsche genutzt wird. Amanda Tuminelli, Chief Legal Officer des DeFi Education Fund, betonte gegenüber CNBC, dass sichergestellt werden müsse, dass keine Verpflichtungen auf Code statt auf Personen gelegt werden oder die Technologie unbeabsichtigt so belastet wird, dass sie nicht konform sein kann. DeFi-Befürworter fordern zudem, dass das Marktstrukturgesetz die Selbstverwahrung von Krypto durch Einzelpersonen ermöglicht. Sie wünschen sich auch Bestimmungen aus dem "Blockchain Regulatory Certainty Act", die Softwareentwickler und Blockchain-Dienstleister, die keine Kundengelder kontrollieren oder verwahren, von der Registrierung als Geldübermittlungsunternehmen befreien.
Profit von Amtsträgern
Einige Gesetzgeber, wie Sen. Elizabeth Warren (D-Mass.), wollen verhindern, dass öffentliche Amtsträger während ihrer Amtszeit von digitalen Vermögenswert-Projekten profitieren. Summer Mersinger bezeichnete dies als "wirklich schwieriges Thema", das im Repräsentantenhaus "aufgeschoben" wurde. Viele Senatsdemokraten haben jedoch erklärt, dass sie dieses Thema nicht aufschieben werden.
Zuständigkeiten und die Rolle der Aufsichtsbehörden
Das Marktstrukturgesetz versucht, eine grundlegende Frage zu beantworten: Wie sollen digitale Vermögenswerte in den Vereinigten Staaten reguliert werden? Das aktuelle Gesetz teilt die Aufsicht zwischen der SEC (für Wertpapiere) und der CFTC (für Rohstoffe) auf. Das schnelle Wachstum von tokenisierten Märkten, dezentralen Finanzen (DeFi) und Stablecoins hat diese Kategorien jedoch auf eine Weise verwischt, die von den Regulierungsbehörden nicht vorhergesehen wurde.
Der Gesetzentwurf soll klären, welche digitalen Vermögenswerte als Wertpapiere und welche als Rohstoffe gelten und welche Regulierungsbehörde die Autorität über jede Kategorie hat. Die Entwürfe deuten darauf hin, dass der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) mehr Autorität zur Regulierung digitaler Vermögenswerte gewährt werden könnte, während die SEC eine prominentere Rolle bei der Aufsicht über Kryptowährungen eingenommen hat, mit einigen bemerkenswerten Ausnahmen. Laut Grayscale wird das Gesetz "eine tiefere Integration zwischen öffentlichen Blockchains und traditionellen Finanzen erleichtern, den regulierten Handel mit digitalen Vermögenswert-Wertpapieren ermöglichen und potenziell die On-Chain-Emission durch Startups und etablierte Firmen erlauben."
Politische Dynamik und Ausblick
Die Bemühungen um eine klare Krypto-Regulierung haben sich in Washington über Jahre hingezogen. Der Senatsausschussvorsitzende Tim Scott (R-S.C.) hat die digitale Vermögenswertregulierung in ihre bisher entscheidendste Phase gebracht. Mit einem angesetzten Markup testet der Kongress nun, ob Amerika klare Krypto-Regeln festlegen oder riskieren kann, die Branche an Überseemärkte zu verlieren.
Der ursprüngliche Gesetzentwurf, bekannt als "Digital Asset Market Clarity Act (CLARITY)", wurde im Juli vom Repräsentantenhaus verabschiedet. Die Gesetzgeber im Senat haben jedoch angekündigt, dass ihre Versionen der Gesetzgebung auf dem bestehenden Entwurf "aufbauen" werden, anstatt ihn unverändert zu übernehmen. Senatsrepublikaner veröffentlichten Mitte 2025 ihre ersten Marktstrukturprinzipien, gefolgt von zwei Diskussionsentwürfen.
Laut Ruslan Lienkha, Chief of Markets bei YouHodler, ist 2026 mit einer Zunahme klarer und transparenter Regulierungsrahmen zu rechnen, was eine breitere Beteiligung von Banken und anderen Finanzinstitutionen am Markt erleichtern sollte. Tim Scott argumentiert, dass die derzeitige Unsicherheit Investitionen entmutigt und Innovationen abwandern lässt. Klare Regeln würden hingegen institutionelles Engagement freisetzen, Arbeitsplätze schaffen und die rechtlichen Risiken minimieren, die die US-Krypto-Adoption zum Stillstand gebracht haben.