
US-Notenbank: Ölschock und Inflation bremsen Zinssenkungen aus
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Angesichts anhaltend hoher Inflation und eines drohenden Ölschocks sieht sich die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in einer schwierigen Lage. Der bekannte Investor Ruchir Sharma warnt, dass die Fed diesmal nicht zur Rettung der US-Wirtschaft eilen wird, selbst wenn diese in Schwierigkeiten gerät. Die Märkte spiegeln diese Skepsis wider und preisen sogar eine mögliche Zinsanhebung ein.
Fed vor schwieriger Entscheidung
Ruchir Sharma, ein bekannter Investor und Vorsitzender von Rockefeller Capital, äußert sich besorgt über die Handlungsfähigkeit der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Er glaubt, dass die Fed kaum Spielraum für Zinssenkungen hat, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Dies liegt daran, dass die Inflation seit 60 Monaten in Folge über dem 2%-Ziel der Fed liegt.
Inflation als Bremse für Zinssenkungen
Die jährliche Inflationsrate erreichte im März 3,3%, ein Anstieg gegenüber 2,4% im Februar. Laut dem Bureau of Labor Statistics ist dieser Anstieg maßgeblich auf die Energiekosten zurückzuführen, die im Jahresvergleich um 10,9% gestiegen sind. Die Inflation hat seit Anfang 2021 keine Rate von 2% oder darunter mehr erreicht.
Das Ende des "Fed Put"
Die aktuelle geldpolitische Haltung der Fed unterscheidet sich stark von der vor einigen Jahren, als die Zentralbank aggressiv die Zinsen senkte, um das Wirtschaftswachstum während der Pandemie zu stützen. Diese Reaktion, am Markt auch als "Fed Put" bekannt, ist laut Sharma wahrscheinlich verschwunden. Er erklärte gegenüber CNN: "Ich denke, die Fed ist raus", bezogen auf Zinssenkungen, und fügte hinzu: "Wenn es einen Schock für die Wirtschaft gab, eilten die Zentralbanken bei der geringsten Andeutung von Schwierigkeiten zur Hilfe der Wirtschaft. Das sehe ich diesmal nicht passieren."
Obwohl Investoren nach der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran wieder auf Zinssenkungen hofften, erwarten die Märkte eine eher restriktive Haltung der Zentralbank. Laut dem CME FedWatch Tool liegt die Wahrscheinlichkeit für weitere Zinssenkungen in diesem Jahr nur noch bei 29%, verglichen mit 84% vor einem Monat.
Fiskalische Unterstützung unwahrscheinlich
Auch fiskalische Unterstützung ist unwahrscheinlich, je länger der Ölschock anhält, so Sharma. Er verweist auf den "Trump Put", die Vorstellung, dass die Regierung auf einen Wirtschaftsschock mit Konjunkturprogrammen reagieren würde. Der jüngste Anstieg der Anleiherenditen deutet darauf hin, dass die Märkte zunehmend besorgt über das wachsende Haushaltsdefizit sind.
Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe stieg am Freitag auf 4,30%, ein Plus von 34 Basispunkten gegenüber dem Stand vor Beginn des Iran-Krieges. Sharma kommentiert: "Die Anleihemärkte tolerieren das diesmal nicht." Er fügt hinzu, dass die Sorge um Schulden und Defizite, die lange ignoriert wurde, sich nun in den Märkten widerspiegelt.
Historische Lehren aus Ölschocks
Während einige "Persistent Purveyors of Doom" vor einem bevorstehenden Marktzusammenbruch warnen, mahnen andere Experten zur Vorsicht. Die Geschichte zeigt, dass Ölschocks zwar schmerzhaft sein können, aber nicht zwangsläufig zu einem zivilisatorischen Kollaps führen. Die globale Wirtschaft, Zentralbanken und Regierungen reagieren in der Regel auf solche Schocks.
Beispiele hierfür sind das OPEC-Embargo von 1973, das etwa 6% der weltweiten Ölversorgung entzog, oder die Invasion Kuwaits durch den Irak 1990, die die Ölpreise innerhalb von drei Monaten um fast 80% ansteigen ließ. In beiden Fällen passten sich die Märkte an, alternative Lieferanten traten auf den Plan und die Politik reagierte. Selbst 2008, als Öl 147 Dollar pro Barrel erreichte, war der Ölschock eher ein Katalysator für ein bereits fragiles Finanzsystem.
Aktuell sind etwa 20% des weltweiten Öl- und LNG-Verkehrs durch eine Militärblockade in der Straße von Hormus betroffen. Dies hat reale Sekundäreffekte auf Düngerpreise, Lebensmittelinflation und petrochemische Lieferketten, doch die Annahme einer passiven Reaktion der globalen Akteure wird durch die Geschichte nicht gestützt.
Märkte preisen Zinsanhebung ein
Die Sorge vor einem Ölschock und wieder aufkeimenden Stagflationsängsten hat dazu geführt, dass Investoren ein Szenario in Betracht ziehen, das sie bereits abgehakt hatten: eine mögliche Zinserhöhung durch die US-Notenbank. Laut CNBC und dem CME Group FedWatch Tool haben Händler an den Terminmärkten die implizite Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung bis Ende 2026 auf 52% angehoben. Dies ist das erste Mal, dass dieser Schwellenwert von 50% überschritten wurde, während eine Zinssenkung nun als unwahrscheinlich gilt, obwohl die eigenen Prognosen der Fed-Beamten noch eine Kürzung in diesem Jahr vorsehen.