US-Nuklear-Renaissance: KI-Boom treibt Milliarden-Investitionen in SMRs

US-Nuklear-Renaissance: KI-Boom treibt Milliarden-Investitionen in SMRs

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Der US-amerikanische Nuklearsektor steht möglicherweise vor einer Renaissance, angetrieben durch den explodierenden Energiebedarf von KI-Rechenzentren und die Entwicklung kleiner modularer Reaktoren (SMRs). Technologieriesen wie Meta investieren massiv in diese neue Generation der Kernenergie, um ihren Bedarf an sauberem und zuverlässigem Strom zu decken und die Führung im globalen KI-Wettlauf zu sichern.

Die Rückkehr der Kernenergie: Ein Wendepunkt für die USA

Die Kernenergiebranche in den USA erlebte jahrzehntelang eine Stagnation. Nach dem Bau des Vogtle-Projekts in Georgia, das 15 Jahre dauerte und über 35 Milliarden US-Dollar kostete – mehr als das Doppelte des geplanten Budgets und Zeitrahmens – schien der Appetit auf neue Atomkraftwerke gering. Chris Levesque, CEO von TerraPower, einem Startup von Bill Gates, beschreibt eine Kultur, in der Innovationen bestraft und das Festhalten an alten Methoden belohnt wurde.

Doch nun zeichnet sich ein Wendepunkt ab. Eine neue Generation von SMRs, der steigende Energiebedarf von KI-Rechenzentren und ein beschleunigter Regulierungsprozess unter der Trump-Administration schaffen die Voraussetzungen für eine "nächste amerikanische Nuklear-Renaissance", wie Energieminister Chris Wright es nennt.

KI-Boom treibt Nachfrage nach sauberer Energie

Der rasante Aufstieg der Künstlichen Intelligenz (KI) führt zu einem beispiellosen Anstieg des Strombedarfs. In den USA befinden sich derzeit mehr Rechenzentren im Bau als aktive existieren. Experten wie Dan Ives, Leiter der Tech-Forschung bei Wedbush Securities, prognostizieren, dass bis 2030 eine kritische Schwelle erreicht wird, die eine neue nukleare Ära einläuten könnte.

Die Stromnachfrage in den USA wird zwischen 2023 und 2050 voraussichtlich um 50 % bis 80 % steigen. Während Erdgas lange Zeit den Energiesektor dominierte und Wind- und Solarenergie attraktive Optionen darstellten, suchen Hyperscaler – die Betreiber der großen Rechenzentren – angesichts steigender Gaspreise und auslaufender Subventionen für erneuerbare Energien nach langfristigen, sauberen und zuverlässigen Alternativen.

Meta als Vorreiter: Milliarden-Deals für die Zukunft

Meta Platforms hat im Januar eine wegweisende Partnerschaft mit TerraPower und dem von Sam Altman unterstützten Unternehmen Oklo bekannt gegeben. Ziel ist die Entwicklung von SMR-Projekten mit einer kombinierten Leistung von rund 4 Gigawatt. Diese sollen den geplanten "Prometheus" KI-Mega-Campus von Meta in Ohio und darüber hinaus mit sauberer, zuverlässiger Energie versorgen.

Joel Kaplan, Chief Global Affairs Officer von Meta, betont, dass diese Investitionen dazu beitragen werden, die Führung der USA im KI-Wettlauf gegen China zu sichern. Meta hat zudem 20-Jahres-Verträge zum Bezug von Strom aus drei bestehenden Vistra-Kernkraftwerken – Perry und Davis-Besse in Ohio sowie Beaver Valley in Pennsylvania – unterzeichnet. Insgesamt könnten diese Projekte bis 2035 bis zu 6,6 Gigawatt an neuer und bestehender sauberer Energie liefern und Tausende von Arbeitsplätzen schaffen.

Kleine modulare Reaktoren (SMRs): Die neue Generation

SMRs sind ein zentraler Pfeiler dieser nuklearen Renaissance. Im Gegensatz zu traditionellen Großreaktoren, deren Bau ein Jahrzehnt oder länger dauern kann, lassen sich SMRs in nur etwa drei Jahren errichten. Ihre modulare Bauweise ermöglicht eine schrittweise Erweiterung, um dem wachsenden Energiebedarf der Hyperscaler gerecht zu werden.

TerraPower und Oklo setzen auf Natrium-gekühlte Reaktoren anstelle der herkömmlichen Leichtwasserreaktoren. Natrium überträgt Wärme effizienter, und die Niederdrucksysteme erfordern deutlich weniger massive Sicherheitsbehälter. Chris Levesque von TerraPower erklärt, dass dies zu leichteren Komponenten, weniger Rohrleitungen und einem erheblich geringeren Bedarf an Stahl und Beton führt, was die Kosten pro Megawatt senkt. TerraPower integriert zudem eine Salzschmelze-Energiespeicherung, die als "thermische Batterie" überschüssigen Strom speichert und bei Bedarfsspitzen abgibt, wodurch Spitzenlastkraftwerke überflüssig werden könnten.

TerraPower und Oklo: Innovationen im Detail

TerraPower baut derzeit sein erstes 345-Megawatt-SMR-Kraftwerk, die Kemmerer Power Station, in Wyoming, das 2030 fertiggestellt und 2031 ans Netz gehen soll. Das Projekt wurde 2020 für eine beschleunigte Entwicklung im Rahmen des Advanced Reactor Demonstration Program des DOE ausgewählt und erhielt 2025 HALEU-Brennstoffzuteilungen. Die Vereinbarung mit Meta sieht zwei Reaktoren vor, die bereits 2032 in Betrieb gehen könnten, mit der Option auf sechs weitere modulare Reaktoren, die insgesamt 2,8 Gigawatt liefern könnten.

Oklo, 2013 von Jacob und Caroline DeWitte gegründet, plant den Baubeginn seiner ersten Reaktoren in Pike County, Ohio, noch in diesem Jahr. Diese Anlage soll bis 2034 schrittweise auf 1,2 Gigawatt erweitert werden. Oklo arbeitet auch am Bau seines ersten Testreaktors, des Aurora Powerhouse, in Zusammenarbeit mit dem Idaho National Laboratory des Energieministeriums, der 2027 oder 2028 in Betrieb gehen soll. Oklo wurde für drei Projekte im Reactor Pilot Program ausgewählt, mehr als jedes andere Unternehmen. Das Unternehmen konzentriert sich zudem auf das Recycling von Kernbrennstoff und plant eine 1,7 Milliarden US-Dollar teure Brennstoffrecyclinganlage in Oak Ridge, Tennessee, die 2030 in Betrieb gehen soll. Sam Altman, Mitbegründer von OpenAI, war von 2015 bis April 2025 Vorsitzender von Oklo und hält weiterhin einen Anteil von fast 4 %. Oklo hat derzeit eine Marktkapitalisierung von über 11 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von fast 50 % in 12 Monaten.

Regulatorische Landschaft und Bedenken

Die Beschleunigung der nuklearen Entwicklung wird durch eine Neufassung der Sicherheitsvorschriften durch die Trump-Administration unterstützt, die mehr Befugnisse an das Energieministerium (DOE) statt an die Nuclear Regulatory Commission (NRC) überträgt. Das DOE argumentiert, unnötige bürokratische Hürden abzubauen, ohne die Sicherheit zu gefährden.

Allerdings äußern Organisationen wie die Union of Concerned Scientists (UCS) Bedenken. Edwin Lyman, Direktor für nukleare Sicherheit bei UCS, kritisiert, dass grundlegende Prinzipien der Regulierung im Schatten geändert würden, ohne die Öffentlichkeit ausreichend zu informieren. Er verweist auf die Lehren aus Katastrophen wie Tschernobyl und Fukushima. Trotz dieser Ängste treiben Unternehmen wie Oklo, Antares Nuclear und Natura Resources ihre Projekte voran und betonen, dass ihre kleineren Reaktoren sicherer seien als frühere Anlagen.

Weitere Akteure und die breitere Vision

Neben TerraPower und Oklo engagieren sich weitere Unternehmen in der nuklearen Renaissance. Kairos Power baut einen DOE-Demonstrationsreaktor in Oak Ridge, Tennessee, und hat einen Deal über 500 Megawatt SMR-Leistung mit Google bis 2035. Amazon unterstützt x-Energy beim Bau von 5 Gigawatt SMR-Leistung bis 2039. Auch der traditionelle Nuklearentwickler Westinghouse baut mit Unterstützung der Trump-Administration zehn vorlizensierte AP1000-Reaktoren.

Jacob DeWitte von Oklo sieht keinen Widerspruch zwischen großen und kleinen Reaktoren: "Große spielen in bestimmten Bereichen eine wichtige Rolle. Kleinere Reaktoren benötigen weniger Kapital, sind schneller zu bauen und ermöglichen schnellere Lernzyklen." Das ehrgeizige Ziel der US-Regierung ist es, die nukleare Kapazität von heute etwa 100 Gigawatt auf 400 Gigawatt bis 2050 zu erhöhen, um den enormen Energiebedarf des Landes zu decken.

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