
US-Privatsektor verliert unerwartet 32.000 Jobs im November 2025
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Der US-Privatsektor hat im November 2025 unerwartet 32.000 Arbeitsplätze abgebaut. Dies geht aus dem aktuellen ADP National Employment Report hervor, der in Zusammenarbeit mit dem Stanford Digital Economy Lab erstellt wird. Die Zahl liegt deutlich unter den Schätzungen von Ökonomen, die einen Zuwachs von 10.000 Stellen erwartet hatten. Der Vormonat Oktober wurde nachträglich auf einen Zuwachs von 47.000 Stellen nach oben korrigiert.
Unerwarteter Stellenabbau im Überblick
Der Rückgang der Beschäftigung im November ist der größte monatliche Verlust seit März 2023 und deutet auf eine breite Verlangsamung des Arbeitsmarktes hin. Dr. Nela Richardson, Chefökonomin bei ADP, kommentierte: "Die Einstellung war in letzter Zeit unbeständig, da Arbeitgeber vorsichtige Verbraucher und ein unsicheres makroökonomisches Umfeld bewältigen müssen." Sie fügte hinzu, dass die Verlangsamung im November zwar breit angelegt war, aber hauptsächlich auf einen Rückzug kleiner Unternehmen zurückzuführen sei.
Der ADP-Bericht basiert auf anonymisierten wöchentlichen Gehaltsdaten von über 26 Millionen Mitarbeitern des Privatsektors in den Vereinigten Staaten und gilt als wichtiger Indikator für die Entwicklung des Arbeitsmarktes, insbesondere angesichts der Verzögerungen bei der Veröffentlichung offizieller Regierungsdaten.
Kleine Unternehmen als "Kanarienvögel im Kohlebergwerk"
Besonders betroffen vom Stellenabbau waren kleine Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern, die insgesamt 120.000 Arbeitsplätze verloren. Davon entfielen 46.000 auf Betriebe mit 1-19 Mitarbeitern und 74.000 auf solche mit 20-49 Mitarbeitern.
Im Gegensatz dazu verzeichneten mittlere Unternehmen (50-499 Mitarbeiter) einen Zuwachs von 51.000 Stellen, und große Unternehmen (500 oder mehr Mitarbeiter) fügten 39.000 Arbeitsplätze hinzu. Nela Richardson bezeichnete kleine Unternehmen als "Kanarienvögel im Kohlebergwerk", da sie oft die ersten sind, die auf wirtschaftliche Unsicherheiten reagieren.
Branchenspezifische Entwicklungen
Der Stellenabbau im November war branchenübergreifend, mit einigen Sektoren, die deutliche Verluste verzeichneten, während andere moderate Zuwächse sahen:
- Verlierer:
- Professionelle und geschäftliche Dienstleistungen: -26.000
- Information: -20.000
- Verarbeitendes Gewerbe: -18.000
- Baugewerbe: -9.000
- Finanzaktivitäten: -9.000
- Sonstige Dienstleistungen: -4.000
- Güterproduzierendes Gewerbe insgesamt: -19.000
- Dienstleistungssektor insgesamt: -13.000
- Gewinner:
- Bildungs- und Gesundheitsdienste: +33.000
- Freizeit und Gastgewerbe: +13.000
- Natürliche Ressourcen und Bergbau: +8.000
- Handel, Transport und Versorgungsunternehmen: +1.000
Verlangsamtes Lohnwachstum
Parallel zum Stellenabbau verlangsamte sich auch das Lohnwachstum im November. Die jährlichen Gehaltszuwächse für Arbeitnehmer, die in ihren Positionen blieben, sanken von 4,5 % im Oktober auf 4,4 %. Für Arbeitnehmer, die den Job wechselten, verlangsamte sich das Lohnwachstum von 6,7 % im Vormonat auf 6,3 %.
Dieses Nachlassen des Lohnwachstums deutet auf eine allgemeine Entspannung am Arbeitsmarkt hin, die sich im Laufe des Jahres 2025 abgezeichnet hat.
Makroökonomischer Kontext und Ausblick
Die aktuellen Daten spiegeln die Herausforderungen wider, denen sich Unternehmen gegenübersehen, darunter vorsichtige Verbraucher und ein unsicheres makroökonomisches Umfeld. Heather Long, Chefökonomin bei Navy Federal Credit Union, beschreibt die aktuelle Situation als einen "Start-to-Fire-Arbeitsmarkt" und prognostiziert, dass dieser Zustand bis zur ersten Hälfte des Jahres 2026 anhalten könnte, bis mehr Klarheit bei Zöllen und mehr Vertrauen bei den Unternehmen herrscht, um wieder einzustellen.
Der ADP-Bericht wird kurz vor der geldpolitischen Sitzung der Federal Reserve erwartet. Terminmärkte deuten auf eine fast 90-prozentige Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinssenkung um einen Viertelpunkt hin, obwohl die Entscheidungsträger der Fed gespalten sind. Einige argumentieren, dass weitere Lockerungen notwendig sind, um eine tiefere Schwäche des Arbeitsmarktes zu verhindern, während andere vor dem Risiko warnen, die Inflation über dem 2%-Ziel der Fed zu halten.
Der offizielle Beschäftigungsbericht des Bureau of Labor Statistics (BLS) für November, der ursprünglich für den 5. Dezember geplant war, wurde aufgrund der kürzlich beendeten Regierungsschließung auf den 16. Dezember verschoben. Er wird auch Teildaten für Oktober enthalten.