
US-Regierung kündigt Booz Allen Verträge nach Steuerdaten-Leak
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Das US-Finanzministerium hat alle Verträge mit dem Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton gekündigt. Hintergrund ist ein massiver Datenleck-Skandal, bei dem ein ehemaliger Mitarbeiter vertrauliche Steuerunterlagen von prominenten Persönlichkeiten und Hunderttausenden weiteren Steuerzahlern an Medien weitergab. Die Entscheidung führte zu einem deutlichen Kursrückgang der Booz Allen Hamilton Aktie.
Treasury kündigt Booz Allen Verträge
Finanzminister Scott Bessent gab am Montag bekannt, sämtliche Verträge des Finanzministeriums mit Booz Allen Hamilton zu beenden. Das Unternehmen, dessen Hauptsitz sich in Mclean, Virginia, befindet, hatte durch einen Mitarbeiter die Steuerdaten von Präsident Donald Trump sowie der Milliardäre Jeff Bezos und Elon Musk an Medien weitergegeben. Das Finanzministerium unterhält derzeit 31 separate Verträge mit Booz Allen Hamilton, die jährliche Ausgaben von 4,8 Millionen US-Dollar und Gesamtverpflichtungen von 21 Millionen US-Dollar umfassen.
Bessent erklärte in einer Stellungnahme, dass Präsident Trump sein Kabinett beauftragt habe, Verschwendung, Betrug und Missbrauch zu bekämpfen. Die Kündigung dieser Verträge sei ein wesentlicher Schritt, um das Vertrauen der Amerikaner in die Regierung zu stärken. Er fügte hinzu, dass Booz Allen es versäumt habe, angemessene Schutzmaßnahmen für sensible Daten zu implementieren, einschließlich der vertraulichen Steuerzahlerinformationen, zu denen das Unternehmen über seine Verträge mit dem Internal Revenue Service (IRS) Zugang hatte.
Der Datenleck-Skandal um Charles Littlejohn
Zwischen 2018 und 2020 stahl und leakte der damals 40-jährige Booz Allen-Mitarbeiter Charles Edward Littlejohn vertrauliche Steuererklärungen und Informationen von Hunderttausenden Steuerzahlern. Laut IRS waren etwa 406.000 Steuerzahler von der Datenpanne betroffen. Spätere Analysen des Treasury Inspector General for Tax Administration (TIGTA) und des IRS zeigten, dass insgesamt 405.427 Steuerzahler betroffen waren, von denen etwa 89 % Geschäftseinheiten waren. Alle betroffenen Steuerzahler wurden per Post benachrichtigt.
Littlejohn bekannte sich im Oktober 2023 schuldig wegen der Offenlegung von Steuererklärungsinformationen. Er gab zu, Trumps Steuerunterlagen an die New York Times und Aufzeichnungen über wohlhabende Personen an ProPublica weitergegeben zu haben. Im Januar 2024 wurde er zu der Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis verurteilt, zusätzlich zu 36 Monaten überwachter Freilassung und einer Geldstrafe von 5.000 US-Dollar. Bundesstaatsanwälte gaben an, Littlejohn habe seine Position als IRS-Berater bewusst angestrebt. Das Justizministerium (DOJ) erklärte, Littlejohn habe Trump als Bedrohung für die Demokratie angesehen. Richterin Ana Reyes verurteilte Littlejohns Handlungen bei der Urteilsverkündung als "unerträglichen Angriff auf unsere verfassungsrechtliche Demokratie" und betonte: "Die Presse sagt uns, die Demokratie stirbt in der Dunkelheit. Sie stirbt auch in der Gesetzlosigkeit."
Auswirkungen auf Booz Allen Hamilton
Die Aktie von Booz Allen Hamilton fiel nach der Ankündigung des Finanzministeriums um 8 %. Das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Mclean, Virginia, hat, wurde von CNBC um eine Stellungnahme gebeten.
Neben den direkten Auswirkungen durch die Vertragskündigungen des Finanzministeriums sieht sich Booz Allen Hamilton auch mit Klagen konfrontiert. Kelcy Warren, Mitbegründer und Executive Chairman von Energy Transfer, reichte eine Klage gegen Booz Allen Hamilton Inc. ein. Er argumentiert, dass Booz Allen als Arbeitgeber von Littlejohn für die "rechtswidrigen Prüfungen und Offenlegungen" seiner vertraulichen Steuerdaten verantwortlich sei. Die Klage wirft dem Unternehmen vor, keine "angemessenen administrativen, technischen und/oder physischen Schutzmaßnahmen" implementiert und Littlejohns Aktivitäten nicht überwacht zu haben, obwohl er mit unmaskierten Steuerdaten arbeitete.
Weitere Kürzungen im Verteidigungsministerium
Auch das US-Verteidigungsministerium (DOD) hat im Rahmen seiner "Department of Government Efficiency" (DOGE)-Überprüfungen umfassende Kürzungen bei Beratungs- und nicht-essenziellen Verträgen vorgenommen. Verteidigungsminister Pete Hegseth gab am Donnerstagabend bekannt, dass Einsparungen von 4 Milliarden US-Dollar durch die Streichung von Verträgen im Gesamtwert von 5,1 Milliarden US-Dollar erzielt wurden.
Betroffen sind unter anderem Accenture's US-Bundes-Tochtergesellschaft, Booz Allen Hamilton und Deloitte. Von den 5,1 Milliarden US-Dollar an Kürzungen entfielen 1,8 Milliarden US-Dollar auf die Defense Health Agency (DHA), wo Verträge von Accenture, Booz Allen und Deloitte betroffen waren. GovTribe-Daten zeigen, dass Booz Allen in den letzten drei Jahren 345 Millionen US-Dollar an Vertragsverpflichtungen bei der DHA erhalten hatte. Eine weitere große Kürzung von 1,4 Milliarden US-Dollar betrifft einen Air Force-Vertrag von Accenture Federal für den Weiterverkauf von Cloud-IT-Diensten.
Hegseth erklärte, dass die unter den gekündigten Verträgen geleistete Arbeit auf DOD-Personal verlagert werde. Das DOD pausiert zudem Zuschüsse in Höhe von 500 Millionen US-Dollar an die Universitäten Northwestern und Cornell, zusätzlich zu bereits eingefrorenen 70 Millionen US-Dollar an Zuschüssen für Columbia, Penn, Brown und Princeton. Hegseth kommentierte dazu: "Als ob irgendeine dieser Institutionen überhaupt mehr Regierungsgeld bräuchte." Insgesamt hat DOGE in den ersten sechs Wochen der Überprüfung bereits 6 Milliarden US-Dollar an Vertragskürzungen beim DOD identifiziert.
Klagen und Entschuldigungen
Der Datenleck-Skandal hat auch zu rechtlichen Auseinandersetzungen geführt. Hedgefonds-Manager Ken Griffin, dessen Steuerinformationen ebenfalls von Littlejohn offengelegt wurden, hatte im Dezember 2022 Klage gegen den IRS und das Finanzministerium eingereicht. Diese Klage wurde im April teilweise abgewiesen, da ein Richter der Regierung zustimmte, dass Griffin keinen gültigen Anspruch auf Schadensersatz gemäß dem Privacy Act geltend machen konnte.
Der IRS entschuldigte sich am 25. Juni 2024 öffentlich bei Ken Griffin und den Tausenden anderen Amerikanern, die von Littlejohns Handlungen betroffen waren. Griffin zog daraufhin seine Klage zurück. In einer Erklärung des IRS hieß es: "Der IRS nimmt seine Verantwortung ernst und erkennt an, dass er es versäumt hat, das kriminelle Verhalten und die rechtswidrige Offenlegung vertraulicher Daten von Herrn Littlejohn zu verhindern."
Maßnahmen zur Datensicherheit
Der IRS betonte in seiner Entschuldigung, dass er "erhebliche Investitionen in seine Datensicherheit getätigt hat, um den Schutz der Steuerzahlerinformationen zu stärken." Die Behörde versicherte, mit Aufsichtsbehörden wie dem Treasury Inspector General for Tax Administration (TIGTA) und dem Government Accountability Office (GAO) sowie unabhängigen Dritten zusammenzuarbeiten, um die Datensicherheitsmaßnahmen zu verbessern.
Das DOD und DOGE werden zudem innerhalb der nächsten 30 Tage einen Plan zur Internalisierung von IT-Beratungs- und Managementdiensten in die zivile Belegschaft erstellen. Ziel ist es, bessere Preise für Software- und Cloud-Dienste auszuhandeln, um sicherzustellen, dass das "DOD nicht mehr für IT-Dienste zahlt als jedes andere Unternehmen in Amerika." Bis zum 18. April sollen das DOD und DOGE eine Prüfung abschließen.