
US-Sanktionen: Flugzeugträger Ford beschlagnahmt Öltanker Olina in Karibik
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US-Streitkräfte haben im Rahmen ihrer verschärften Sanktionsdurchsetzung gegen Venezuela einen weiteren Öltanker, die "Olina", in der Karibik beschlagnahmt. Dies ist die fünfte Festsetzung eines Venezuela-bezogenen Schiffes und markiert das erste Mal, dass der hochmoderne Flugzeugträger USS Gerald R. Ford direkt an einer solchen Operation beteiligt war. Die Aktion reiht sich ein in eine Serie von Beschlagnahmungen, die die US-Strategie zur Bekämpfung der sogenannten "Schattenflotte" unterstreicht.
Neueste Beschlagnahmung: Die "Olina" im Fokus
Am Freitag führten US-Militärkräfte eine Operation in der Karibik durch, bei der der Öltanker "Olina" in den frühen Morgenstunden "ohne Zwischenfälle" festgesetzt wurde. Dies gab das US Southern Command bekannt und markiert die fünfte Beschlagnahmung eines Venezuela-bezogenen Schiffes, das mutmaßlich gegen US-Sanktionen verstieß. Die "Olina" wurde von Heimatschutzministerin Kristi Noem als "Geisterflotten"-Tanker bezeichnet, der verdächtigt wurde, mit einem Embargo belegtes Öl zu transportieren und US-Kräften auszuweichen.
Der Tanker, Baujahr 2005 und 114.809 dwt, fuhr zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung unter der Flagge von Timor-Leste. Zuvor war er unter der Flagge Panamas als "Minerva M" bekannt und wurde letztes Jahr vom US-Finanzministerium sanktioniert. Schiffsverfolgungsdaten von MarineTraffic zeigten, dass die "Olina" noch vor wenigen Wochen vor der Küste Venezuelas operierte. Eigentümer des Schiffes ist laut Equasis-Daten die in Hongkong ansässige Firma Tantye Peur.
Die Rolle der USS Gerald R. Ford
Die Operation zur Festsetzung der "Olina" wurde von Marines und Seeleuten durchgeführt, die vom Flugzeugträger USS Gerald R. Ford aus starteten. Dies ist die erste direkte Bestätigung der Beteiligung der Ford an den seit Anfang Dezember laufenden fünf Boarding- und Beschlagnahmungsoperationen. Die US-Regierung hatte zuvor angedeutet, dass der Träger bei mindestens einer der anderen Missionen eingesetzt wurde.
Die USS Gerald R. Ford ist der größte, neueste und fortschrittlichste Flugzeugträger der US Navy. Sie beherbergt Dutzende von Kampfflugzeugen, Frühwarnflugzeugen und Hubschraubern. Der Flugzeugträger wurde im Herbst im Rahmen eines massiven Militäraufbaus in der Region in die Karibik entsandt. Ihr Carrier Strike Group, bestehend aus dem Flugzeugträger, dem Carrier Air Wing Eight und mindestens drei Zerstörern der Arleigh-Burke-Klasse, operiert seit November 2025 unter dem Kommando des US Southern Command zur Durchsetzung der Sanktionen.
Weitere Tanker-Beschlagnahmungen: "Marinera" und "M Sophia"
Die Beschlagnahmung der "Olina" folgt auf zwei weitere Festsetzungen von Venezuela-bezogenen Schiffen, die am Mittwoch stattfanden. US-Kräfte nahmen an diesem Tag zwei Schiffe in Gewahrsam: die "Marinera" im Nordatlantik nach einer wochenlangen Verfolgungsjagd und die "M Sophia" in der Nähe der Karibik. Bereits im letzten Monat wurden die Schiffe "Skipper" und "Centuries" von amerikanischen Militärs geentert.
Heimatschutzministerin Noem betonte, dass die "Geisterflotten der Gerechtigkeit nicht entkommen werden" und die USA weiterhin sanktionierte Tanker beschlagnahmen werden. Diese "Back-to-back"-Operationen seien "akribisch koordiniert" gewesen und zeigten einen "Whole-of-Government"-Ansatz zum Schutz der Heimat.
Die "Marinera": Eine Verfolgungsjagd über den Atlantik
Der Öltanker "Marinera", ehemals bekannt als "Bella 1", wurde nach einer über 14-tägigen Verfolgungsjagd über den Atlantik von US-Kräften beschlagnahmt. Die Verfolgung begann im Dezember 2025, als die US-Küstenwache versuchte, den Tanker in internationalen Gewässern nahe Venezuela abzufangen. Das Schiff, das historisch venezolanisches Rohöl transportierte und vom Finanzministerium sanktioniert wurde, entzog sich dem Boarding und floh in den Atlantik.
Während der Flucht änderte das Schiff seinen Namen in "Marinera" und wurde unter russischer Flagge registriert, wobei die russische Trikolore auf den Rumpf gemalt wurde. Russland setzte Berichten zufolge ein U-Boot und andere Marineeinheiten ein, um den Tanker zu eskortieren. Das russische Außenministerium verurteilte die Beschlagnahmung scharf und warnte vor einer Eskalation der militärischen und politischen Spannungen. Die US European Command bestätigte die Beschlagnahmung der "Marinera" aufgrund eines Haftbefehls eines US-Bundesgerichts, nachdem sie vom USCGC Munro verfolgt worden war. Navy SEALs, unterstützt vom 160th Special Operations Aviation Regiment, waren an der Operation beteiligt.
Die "M Sophia": Ein Fall der "Schattenflotte"
Ebenfalls am Mittwoch, dem 7. Januar 2026, wurde der staatenlose Rohöltanker "M Sophia" in internationalen Gewässern der Karibik im Rahmen der Operation Southern Spear des US Southern Command festgesetzt. Das Schiff wurde als "sanktionierter Dunkelflotten-Motortanker" identifiziert, der illegale Aktivitäten durchführte. Es wurde ohne Zwischenfälle geentert und wird nun von der US-Küstenwache zur endgültigen Verfügung in die Vereinigten Staaten eskortiert.
Die "M Sophia", Baujahr 2004 und 320.000 dwt, operierte ohne klar anerkannte Flagge und mit ausgeschaltetem Transponder über längere Zeiträume, was typisch für die sogenannte "Schattenflotte" ist. US-Beamte gaben an, dass die "Sophia" unter kamerunischer Flagge fuhr und Venezuela mit Öl an Bord verlassen hatte, was einen Verstoß gegen das US-Embargo darstellte. Die Beschlagnahmung unterstreicht die erweiterte US-Strategie, Seeblockaden weit über die eigenen Hoheitsgewässer hinaus durchzusetzen.
Kontext der US-Druckkampagne gegen Venezuela
Die jüngsten Beschlagnahmungen sind Teil einer umfassenden Druckkampagne der US-Regierung gegen Venezuela und dessen damaligen Präsidenten Nicolás Maduro. Diese Kampagne umfasste die Verhängung einer Seeblockade gegen sanktionierte Öltanker, die Ein- oder Ausreiseversuche unternahmen, sowie die Entsendung von Kriegsschiffen, Militärflugzeugen und Tausenden von Truppen in die Karibik.
Seit Anfang September haben US-Kräfte Dutzende von Luftangriffen auf mutmaßliche Drogenboote durchgeführt. Die Spannungen zwischen den USA und Maduro gipfelten am vergangenen Wochenende in einer überraschenden Operation zur Festnahme des ehemaligen venezolanischen Präsidenten. Präsident Donald Trump hat seitdem weitere Maßnahmen gegen Nachbarländer wie Mexiko, Kuba und Kolumbien angedroht. Ein US-Beamter bestätigte, dass die zwölf im Vorfeld der Maduro-Razzia in die Karibik entsandten Kriegsschiffe weiterhin in der Region verbleiben.
Geopolitische Implikationen und Reaktionen
Die verstärkte Durchsetzung der US-Sanktionen auf See, insbesondere die Beschlagnahmung der "Marinera" trotz russischer Marinepräsenz, birgt geopolitische Spannungen. Während die USA betonen, dass die Operationen zur Bekämpfung illegaler Aktivitäten und zur Durchsetzung von Sanktionen dienen, kritisierte Russland die Aktionen als unverhältnismäßig und als Bedrohung der friedlichen Schifffahrt.
Die britische Regierung unterstützte die Beschlagnahmung der "Marinera" unter anderem durch Luftüberwachung, während die NATO erklärte, nicht aktiv an den Operationen beteiligt zu sein, aber die Aktivitäten der Schattenflotten genau zu verfolgen. Die USA setzen auf einen "Whole-of-Government"-Ansatz, der Marine, Küstenwache, Spezialkräfte und ein breites Überwachungsnetzwerk kombiniert, um maritime Sanktionen weit entfernt von den US-Küsten durchzusetzen.