
US-Soldat wegen Insiderhandels auf Polymarket angeklagt
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Ein US-Soldat der Army wurde angeklagt, weil er mutmaßlich klassifizierte Militärinformationen genutzt hat, um auf der Prognoseplattform Polymarket Wetten zu platzieren und dabei rund 400.000 US-Dollar zu gewinnen. Dieser Fall markiert den ersten größeren Vorwurf des Insiderhandels auf Krypto-Prognosemärkten unter Verwendung von US-Regierungsgeheimnissen. Die Bundesstaatsanwaltschaft in Manhattan hat Anklage erhoben, was die Anwendung traditioneller Insiderhandelsgesetze auf dezentrale Märkte unterstreicht.
Die Vorwürfe gegen Gannon Ken Van Dyke
Der angeklagte Soldat, Gannon Ken Van Dyke, 37 oder 38 Jahre alt, war in Fort Bragg, North Carolina, stationiert. Ihm werden mehrere Straftaten vorgeworfen, darunter Betrug, Diebstahl und Verstöße gegen Beschränkungen im Futures-Handel. Die Anklageschrift umfasst fünf Bundesverbrechen, darunter Rohstoffbetrug, die unrechtmäßige Nutzung klassifizierter Informationen, Überweisungsbetrug, Diebstahl nicht-öffentlicher Regierungsinformationen und eine unrechtmäßige Geldtransaktion.
Van Dyke soll an der Planung und Ausführung der "Operation Absolute Resolve" beteiligt gewesen sein. Diese Militäroperation zielte auf die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro ab. Durch seine Rolle hatte Van Dyke Zugang zu sensiblen, nicht-öffentlichen und klassifizierten Informationen über diese Operation.
Wetten auf den Ausgang einer Militäroperation
Zwischen dem 26. oder 27. Dezember 2025 und dem 2. Januar 2026 soll Van Dyke 13 Wetten auf Polymarket platziert haben. Dabei setzte er insgesamt über 33.000 US-Dollar ein, um eine positive Position auf die Frage einzunehmen, ob die USA in Venezuela oder gegen Maduro vorgehen würden. Die Wetten konzentrierten sich auf Maduros Schicksal und die Möglichkeit eines US-Einsatzes in Venezuela.
Die letzte Wette wurde am 2. Januar um 21:58 Uhr Eastern Time platziert, kurz bevor die US-Operation zur Absetzung des venezolanischen Präsidenten begann. Am 3. Januar nahmen US-Spezialkräfte Maduro und seine Frau in Caracas fest. Stunden später verkündete der Präsident den Erfolg der Operation. Van Dykes Wetten generierten Gewinne von 409.881 US-Dollar.
Versuche der Verschleierung und rechtliche Konsequenzen
Nachdem die Gewinne im Januar Schlagzeilen machten und der übermäßige Erfolg Verdacht auf Insiderhandel aufkommen ließ, soll Van Dyke versucht haben, seine Spuren zu verwischen. Er wird beschuldigt, seine Gewinne zunächst an ein ausländisches Kryptowährungs-Depot und dann an ein Online-Brokerage-Konto gesendet zu haben. Drei Tage nach der Ankündigung der Operation kontaktierte er Polymarket und forderte die Löschung seines Kontos, wobei er fälschlicherweise angab, den Zugang zur zugehörigen E-Mail-Adresse verloren zu haben.
Die Staatsanwaltschaft betont, dass traditionelle Insiderhandelsgesetze auch für dezentrale Prognosemärkte gelten. US-Staatsanwalt Jay Clayton erklärte: „Prognosemärkte sind kein Zufluchtsort für die Nutzung missbräuchlich angeeigneter vertraulicher oder klassifizierter Informationen zum persönlichen Vorteil.“ Er fügte hinzu, dass Van Dyke das Vertrauen der US-Regierung missbraucht habe. Der amtierende Generalstaatsanwalt Todd Blanche merkte an, dass die Durchsetzung von Gesetzen an neue Krypto-Plattformen angepasst werde, aber Bundesgesetze zum Schutz der nationalen Sicherheitsinformationen uneingeschränkt gelten.
Auswirkungen auf Prognosemärkte
Dieser Fall gilt als die erste strafrechtliche Verfolgung des Justizministeriums wegen Insiderhandels auf der Grundlage von Prognosemarktwetten. Insiderhandel ist ein großes Problem für Prognosemärkte, die diese Praxis nach eigenen Angaben verbieten.
Der Polymarket-Konkurrent Kalshi hatte bereits drei Kandidaten für politische Ämter suspendiert und mit einer Geldstrafe belegt, weil sie Wetten im Zusammenhang mit ihren eigenen Wahlen platziert hatten. Im Februar sperrte und bestrafte Kalshi zudem einen MrBeast-Redakteur, der auf Märkten im Zusammenhang mit YouTube-Streaming gehandelt hatte. Gannon Ken Van Dyke droht bei einer Verurteilung eine weitaus härtere Strafe: Die schwerwiegendste Anklage, der Überweisungsbetrug, kann mit bis zu 20 Jahren Gefängnis geahndet werden. Zum Zeitpunkt der Anklage war kein Anwalt für Van Dyke im Gerichtsregister aufgeführt. Polymarket reagierte nicht sofort auf eine Anfrage zur Stellungnahme.