
US-Studentenkredite: Millionen Konten wechseln vom Bildungs- zum Finanzministerium
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Die Trump-Administration hat einen ersten Schritt zur Verlagerung des Studentenkreditportfolios aus dem Bildungsministerium (ED) unternommen. Eine neue behördenübergreifende Vereinbarung zwischen dem Bildungs- und dem Finanzministerium (Treasury) sieht vor, die Aufsicht über das 1,7 Billionen US-Dollar schwere Studentenkreditportfolio zu übertragen. Zunächst werden die Portfolios von Kreditnehmern, die mit ihren Zahlungen in Verzug sind, an das Finanzministerium übergeben.
Historischer Schritt: Studentenkredite unter neuer Aufsicht
Das Bildungsministerium gab am Donnerstag eine Partnerschaft mit dem Finanzministerium bekannt. Diese Vereinbarung, ein sogenanntes Interagency Agreement, überträgt die Zuständigkeit für in Verzug geratene Studentenkreditnehmer an das Finanzministerium. Die Behörde soll künftig die Eintreibung der ausgefallenen Schulden übernehmen und Kreditnehmer in Verzug unterstützen. Fast 9 Millionen Kreditnehmer befinden sich im Verzug, was typischerweise nach 270 Tagen nicht geleisteter Bundesstudentenkredit-Zahlungen eintritt.
Vor dieser Vereinbarung oblagen diese Aufgaben der Default Resolution Group des Bildungsministeriums. Ein Fact Sheet besagt, dass die Vereinbarung phasenweise umgesetzt wird. Das Finanzministerium wird seine Arbeit mit den in Verzug geratenen Portfolios beginnen und später "operative Unterstützung für nicht in Verzug geratene Bundesstudentenkredite leisten, soweit praktikabel und gesetzlich zulässig."
Warum der Wechsel? Begründung der Regierung
Bildungsministerin Linda McMahon erklärte in einer Stellungnahme, dass das Bildungsministerium "versagt hat, diese kritischen Programme effektiv zu verwalten und bereitzustellen." Sie wies darauf hin, dass das Bundesstudentenhilfe-Portfolio auf fast 1,7 Billionen US-Dollar angewachsen ist und fast ein Viertel der Studentenkreditnehmer in Verzug ist. McMahon äußerte sich zuversichtlich, dass durch die Nutzung der "weltbekannten Expertise in Finanz- und Wirtschaftspolitik" des Finanzministeriums "amerikanische Studenten, Kreditnehmer und Steuerzahler nach Jahrzehnten der Misswirtschaft endlich funktionierende Programme erhalten werden."
Die Rolle des Finanzministeriums
Das Bildungsministerium begründete die Wahl des Finanzministeriums als die am besten geeignete Behörde damit, dass es Gelder für Bundesstudentenhilfsprogramme auszahlt und über Steuerdaten von Kreditnehmern verfügt. Finanzminister Scott Bessent betonte in einer Erklärung, dass seine Behörde "die einzigartige Erfahrung, die operative Leistungsfähigkeit und die finanzielle Expertise besitzt, um dem Programm die längst überfällige finanzielle Disziplin zu verleihen und die Steuergelder besser zu verwalten."
Politische Hintergründe und Ziele
Präsident Donald Trump hatte zuvor angedeutet, das Studentenkreditportfolio in eine neue Bundesbehörde zu verlagern, als Teil seines umfassenderen Ziels, das Bildungsministerium aufzulösen. Im März 2025 erwog er die Small Business Administration (SBA) für diese Aufgabe, während McMahon später das Finanzministerium als Option ins Spiel brachte.
Diese Ankündigung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für Studentenkreditnehmer. Die Trump-Administration bereitet die Umsetzung ihrer umfassenden Rückzahlungsänderungen aus Trumps "big beautiful" Ausgabengesetzgebung vor, die neue Rückzahlungspläne und Kreditaufnahmegrenzen umfassen. Das Fact Sheet zur Vereinbarung spricht von einer "vielversprechenden Gelegenheit, Kreditnehmer wieder zur Rückzahlung zu bewegen." Es ist wichtig zu beachten, dass der Higher Education Act von 1965 dem Office of Federal Student Aid die klare Verantwortung für Studentenkredite zuweist. Eine vollständige Übertragung des gesamten Portfolios würde daher die Zustimmung des Kongresses erfordern. Die aktuelle Vereinbarung betrifft jedoch zunächst nur die in Verzug geratenen Kredite.
Kritik und offene Fragen
Befürworter kritisierten die Ankündigung. Kyra Taylor, Anwältin beim National Consumer Law Center, erklärte in einer Stellungnahme, dass die Verlagerung des Studentenkreditmanagements zum Finanzministerium "eine neue Reihe von Hindernissen und Unsicherheiten aufwirft, ohne dass ein Plan zu deren Lösung vorliegt." Sie äußerte Bedenken, wie das Bildungsministerium das Personal des Finanzministeriums über die Rechte der Kreditnehmer gemäß dem Higher Education Act aufklären wird. Zudem sei unklar, wie eine klare Kommunikation mit den Kreditnehmern während dieses verwirrenden Übergangs sichergestellt werden soll.
Auswirkungen auf Kreditnehmer
Der Transfer betrifft zunächst fast 9 Millionen Kreditnehmer, die mit ihren Bundesstudentenkrediten in Verzug sind. Für diese Gruppe soll das Finanzministerium die Eintreibung und Unterstützung übernehmen. Die Regierung sieht darin eine Chance, diese Kreditnehmer wieder in die Rückzahlung zu führen. Für alle anderen Kreditnehmer ist die zukünftige Rolle des Finanzministeriums noch nicht vollständig definiert, jedoch ist eine operative Unterstützung angedacht. Die parallel dazu geplanten Änderungen in der Rückzahlungsgesetzgebung der Trump-Administration werden ebenfalls eine wesentliche Rolle für alle Studentenkreditnehmer spielen.