US-Tankerbeschlagnahmung vor Venezuela: Eskalation der Spannungen mit China

US-Tankerbeschlagnahmung vor Venezuela: Eskalation der Spannungen mit China

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Die jüngste Beschlagnahmung des unter panamaischer Flagge fahrenden Öltankers "Centuries" durch die US-Küstenwache vor der Küste Venezuelas hat die geopolitischen Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China deutlich verschärft. Der Vorfall, der sich am 20. Dezember 2025 ereignete, ist Teil einer umfassenderen US-Kampagne gegen sanktionierte Öllieferungen aus Venezuela und könnte weitreichende Folgen für die globalen Energiemärkte und die internationalen Beziehungen haben.

US-Beschlagnahmung der "Centuries" und die rechtliche Grundlage

Am 20. Dezember 2025 wurde der Öltanker "Centuries" östlich von Barbados in der Karibik von einem US-Militärhubschrauber überflogen und anschließend von der US-Küstenwache abgefangen. Dies geschah Tage, nachdem US-Präsident Donald Trump eine "Blockade" aller sanktionierten Öltanker angekündigt hatte, die Venezuela anlaufen oder verlassen. Der Tanker war mit sanktioniertem venezolanischem Öl beladen und auf dem Weg nach China.

Dimitris Ampatzidis, Senior Risk and Compliance Analyst bei Kpler, weist darauf hin, dass die Beschlagnahmung der "Centuries" möglicherweise auf dem Salas-Becker-Abkommen von 2002 beruhte. Dieses Abkommen erlaubt es US-Behörden, panamaisch geflaggte Schiffe mit nur zwei Stunden Vorankündigung zu entern. Laut Ampatzidis könnte die Nutzung dieses Abkommens zu weiteren Beschlagnahmungen führen.

Chinas scharfe Verurteilung und strategische Bedeutung

China hat die Beschlagnahmung der "Centuries" scharf verurteilt und als "eklatanten Diebstahl", "internationale Piraterie" und "schwerwiegende Verletzung des Völkerrechts" bezeichnet. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, betonte am Montag, dass Venezuela das Recht habe, Beziehungen zu anderen Ländern zu entwickeln, und dass China alle "einseitigen und illegalen" Sanktionen ablehne.

China ist der größte Abnehmer von venezolanischem Rohöl und kauft etwa 76 % der venezolanischen Produktion. Für China ist venezolanisches Öl strategisch wichtig, da es sich um eine Art Schweröl handelt, die China gut raffinieren kann und die oft zu einem vergünstigten Preis erhältlich ist. Aaron Roth, ein pensionierter Kapitän der Küstenwache und Principal bei der Chertoff Group, kommentierte, dass die Drosselung des venezolanischen Öls nicht nur Druck auf das Maduro-Regime ausübe, sondern auch China strategisch beeinflusse. Ohne venezolanisches Öl müsste China teurere Alternativen aus Russland und dem Nahen Osten beziehen, was Verhandlungsspielraum in der US-chinesischen Diplomatie schaffen könnte.

Die "Schattenflotte" und weitere Risikofälle

Die "Centuries" war Teil der sogenannten "Schattenflotte" Venezuelas, die dazu dient, US-Sanktionen zu umgehen. Die USA zeigen sich zunehmend bereit, Schiffe dieser Flotte ins Visier zu nehmen, insbesondere wenn sie staatenlos oder unter panamaischer Flagge fahren. Kpler-Analysen identifizieren derzeit 23 Schatten-Tanker in Venezuelas exklusiver Wirtschaftszone.

Drei dieser Schiffe – die "Ragnar", die "Balsa" und die "Larko" – fahren unter panamaischer Flagge und sind mit sanktioniertem venezolanischem Rohöl beladen. Die "Ragnar" wurde am 16. Dezember beladen, die "Balsa" und die "Larko" am 17. Dezember. Laut Ampatzidis erhöht dies ihr Risiko, ebenfalls beschlagnahmt zu werden, sollten sie versuchen, Venezuela zu verlassen.

Venezuelas Ölproduktion und globale Abnehmer

Venezuela produzierte im Jahr 2025 rund 900.000 Barrel Rohöl und Kondensat, was etwa 1 % des gesamten globalen Angebots ausmacht. Kpler-Daten zeigen, dass China etwa 76 % dieser Produktion abnimmt. Die USA importierten im selben Zeitraum etwa 17 % der venezolanischen Produktion, was etwa der Hälfte des Anteils von 2024 entspricht. Weitere wichtige Abnehmer sind Kuba, Spanien und Italien.

Historie der "Centuries" und Täuschungsmanöver

Kpler-Daten belegen, dass die "Centuries" zuvor aktiv an mehreren Operationen zum Transport von venezolanischem Rohöl und Heizöl beteiligt war, sowohl als Langstreckentanker, der am Jose Oil Terminal (JOT) in Venezuela beladen wurde, als auch als Umladeschiff vor der Küste Venezuelas und Malaysias. Die US-Beschlagnahmung erfolgte, nachdem der Tanker Rohöl am JOT geladen hatte.

Interessanterweise wurden vor der Beladung gefälschte AIS-Positionen (Automatic Identification System) der "Centuries" registriert, die den tatsächlichen Standort des Tankers verschleierten. Während die falschen Signale das Schiff Anfang Dezember auf dem Weg in die Karibik zeigten und es am 12. Dezember vor der Nordküste Curaçaos als stationär auswiesen, ergab eine Bildanalyse von Kpler, dass sich das Schiff tatsächlich seit mindestens dem 4. Dezember vor der Küste Venezuelas befand. Satellitenbilder bestätigten am 9. Dezember die Beladung des Tankers am Westpier des venezolanischen Hafens JOT.

Geopolitische Implikationen und Chinas Reaktion

Die chinesische Regierung betrachtet die US-Kampagne gegen Venezuela und die Beschlagnahmung von Öltankern als Teil eines umfassenderen, indirekten Machtkampfes mit Peking. China befürchtet, dass US-Interventionen seine Investitionen in Venezuela und Lateinamerika untergraben könnten. Peking hat jegliche US-Militärbewegungen in der Nähe der venezolanischen Küste scharf verurteilt und fordert die Achtung der venezolanischen Souveränität und der UN-Charta sowie Dialog statt Konfrontation.

China hat zugesagt, die venezolanische Regierung in dieser sensiblen Zeit mit allen Formen der wirtschaftlichen Unterstützung zu versorgen, einschließlich Öl-für-Waren- und Technologiekrediten. Obwohl China eine Politik der "strategischen Vorsicht" verfolgt, um eine direkte Konfrontation mit Washington zu vermeiden, hat Peking bisher keine direkte militärische Unterstützung für seinen venezolanischen Verbündeten geleistet. Die USA haben Anfragen zur Stellungnahme an das Weiße Haus verwiesen, das bis Redaktionsschluss nicht geantwortet hat.

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