US vs. China: Einblicke in die Startup-Welten und den KI-Wettlauf

US vs. China: Einblicke in die Startup-Welten und den KI-Wettlauf

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Die globale Technologielandschaft ist ein komplexes Geflecht aus Innovation, Wettbewerb und geopolitischen Spannungen. Charles Yang, Gründer und CEO des US-amerikanischen KI-Workspace-Startups Vibe, bietet aus seiner 20-jährigen Erfahrung in China und den USA einzigartige Einblicke in die unterschiedlichen Startup-Ökosysteme und die Herausforderungen, denen sich Gründer heute stellen müssen. Seine Reise von einem Gaming-Startup in China zu einem globalen KI-Player in den USA beleuchtet die Kernunterschiede und die aktuelle Dynamik zwischen den beiden Tech-Giganten.

Charles Yangs Weg: Von China in die USA

Charles Yang gründete sein erstes Unternehmen im Januar 2006 mit einem Startkapital von rund 5.000 US-Dollar, nachdem er sein drittes Jahr an der Zhejiang University abgeschlossen hatte. Als Informatikstudent gab es konventionelle Wege zu Großunternehmen wie Microsoft, Baidu oder Alibaba, doch Yang entschied sich, das Studium abzubrechen und sein Gaming-Startup aufzubauen. Er beschreibt diese Zeit als risikofrei, da er noch sehr jung war.

Nach etwa zehn Jahren war sein Gaming-Unternehmen sehr erfolgreich, und Yang begann über seine nächsten Karriere- und Lebensziele nachzudenken. Er wollte nicht nur ein weiteres chinesisches Spiel entwickeln, sondern ein globaler Akteur werden. 2016 zog er nach Seattle, traf Freunde bei Apple und Google und tauchte in das Silicon Valley ein. Er verließ sein chinesisches Gaming-Unternehmen und gründete in den USA ein neues Startup, das sich auf immersive Kollaborationsplattformen konzentrierte und 2016 eine Seed-Finanzierung von 1 Million US-Dollar erhielt. Yang sah Vorteile darin, Chinas Lieferkette mit dem US-Ökosystem zu verbinden. Im Jahr 2024 schwenkte sein Startup auf den KI-Workspace um und wird nun von Sequoia Capital China, bekannt als HongShan, unterstützt.

Startup-Kulturen im Vergleich: Playbook vs. Unstrukturiert

Yang beschreibt das US-amerikanische Startup-Umfeld als ein gut dokumentiertes Software Development Kit (SDK), das einem klaren "Playbook" folgt. Selbst unvorhergesehene Situationen seien systematisch dokumentiert. Im Gegensatz dazu empfindet er das chinesische Startup-Umfeld als ein schlecht dokumentiertes System mit vielen Fehlern und Lücken.

In China folge die Gesellschaft verschwommenen, vagen und versteckten Regeln. Beziehungen würden oft bei Abendessen und Wein aufgebaut, und viele Gelegenheiten entstünden daraus. Während in China die Gemeinschaft an erster Stelle stehe, sei das US-Umfeld individualistischer. Die Zeit vor der Pandemie sei eine goldene Ära für viele chinesische Tech-Startups gewesen, doch heute würden Ressourcen in China stärker staatseigenen Organisationen und Startups zugewiesen, die einer regierungsgeführten Richtung folgen. In den USA sei die Entwicklung hingegen organischer.

Der KI-Wettlauf: Vorwürfe der Modell-Extraktion und Gegenmaßnahmen

Die Spannungen im globalen KI-Sektor nehmen zu. Die Trump-Administration hat angekündigt, gegen ausländische Technologieunternehmen vorzugehen, die US-amerikanische KI-Modelle "ausnutzen". Michael Kratsios, der wissenschaftliche und technologische Berater des Präsidenten, beschuldigte ausländische Entitäten, "hauptsächlich in China ansässig", industrieweite Kampagnen zu betreiben, um Fähigkeiten aus führenden US-KI-Systemen zu "destillieren" oder zu extrahieren. Dies geschehe durch den Einsatz von Zehntausenden von Ersatzkonten und komplexen Tools, um proprietäre Informationen zu enthüllen.

Laut einem Bericht des Stanford University's Institute for Human-Centered AI hat sich die Lücke zwischen den USA und China bei der Leistung von Top-KI-Modellen "effektiv geschlossen". Das Weiße Haus plant, mit US-KI-Unternehmen zusammenzuarbeiten, um solche Aktivitäten zu identifizieren, Abwehrmaßnahmen zu entwickeln und Täter zu bestrafen. Rep. Bill Huizenga, R-Mich., sprach von "Modell-Extraktionsangriffen" als "der neuesten Grenze der chinesischen wirtschaftlichen Nötigung und des Diebstahls von US-geistigem Eigentum".

Destillation und Sicherheitsbedenken

Im Zentrum der Anschuldigungen steht der Prozess der "Destillation", eine Technik, die verwendet wird, um Wissen von einem großen KI-Modell auf ein kleineres, kostengünstigeres Modell zu übertragen. Unternehmen wie Anthropic und OpenAI haben DeepSeek, ein chinesisches KI-Startup, das im vergangenen Jahr die US-Märkte aufgerüttelt hat, sowie zwei weitere KI-Labore beschuldigt, "industrieweite Kampagnen" zur "unerlaubten Extraktion" ihrer Modellfähigkeiten durchgeführt zu haben.

Destillierte KI-Modelle können auch Sicherheitsbedenken aufwerfen, da ihnen die Schutzmechanismen der Modelle fehlen, auf denen sie trainiert wurden. Kratsios warnte, dass diese Destillationskampagnen es den Akteuren ermöglichen, Sicherheitsprotokolle bewusst zu entfernen und Mechanismen aufzuheben, die die ideologische Neutralität und Wahrheitsfindung der KI-Modelle gewährleisten. Die chinesische Botschaft in Washington wies die Vorwürfe als "ungerechtfertigte Unterdrückung" zurück und betonte die Bedeutung des Schutzes geistigen Eigentums.

Chinas Antwort: Beschränkungen für US-Investitionen

Als Reaktion auf die zunehmenden Spannungen und die Sorge um die nationale Sicherheit plant China, US-Investitionen in seine Technologieunternehmen zu beschränken. Chinesische Regulierungsbehörden, darunter die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), haben mehreren privaten Firmen mitgeteilt, dass sie US-Kapital in Finanzierungsrunden ohne ausdrückliche Genehmigung der Regierung ablehnen sollten. Diese Maßnahme ist eine Reaktion auf die umstrittene Übernahme des Startups Manus durch Meta Platforms für 2 Milliarden US-Dollar Anfang des Jahres, die in Peking eine Untersuchung wegen illegaler Auslandsinvestitionen und Technologieexporte auslöste.

Unternehmen wie Moonshot AI, StepFun und ByteDance (Eigentümer von TikTok) sollen entsprechende Anweisungen erhalten haben. Die Absicht dieser Beschränkungen ist es, US-Investoren daran zu hindern, Anteile an sensiblen Sektoren zu erwerben, in denen die nationale Sicherheit Priorität hat. Diese neuen Regeln könnten Chinas sich erholenden Technologiesektor weiter von der Risikokapitalfinanzierung isolieren, die ihn zwei Jahrzehnte lang gestützt hat.

Ratschläge für Startup-Gründer

Angesichts dieser komplexen und sich schnell entwickelnden globalen Landschaft gibt Charles Yang angehenden Gründern Ratschläge. Für unabhängige oder ambitionierte Personen empfiehlt er, zunächst zwei bis drei Jahre in einem erfolgreichen Unternehmen zu arbeiten, um Erfahrungen zu sammeln. Er selbst habe dies zu Beginn seiner Karriere vermisst.

Wenn man jedoch ein starkes Interesse an etwas hat, sollte man es einfach tun. Jung zu sein und keine Erfahrung zu haben, sei kein Hindernis für den Erfolg. Letztendlich gehe es wirklich um die eigene Leidenschaft – und ein bisschen Glück.

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