US-Wirtschaft: Realität in Allentown kollidiert mit politischer Rhetorik

US-Wirtschaft: Realität in Allentown kollidiert mit politischer Rhetorik

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In der US-Stadt Allentown, Pennsylvania, einem wichtigen Schauplatz der amerikanischen Politik, ringen Bürger und lokale Wirtschaftsführer mit steigenden Lebenshaltungskosten. Während politische Akteure die Wirtschaftslage unterschiedlich bewerten, zeigt sich vor Ort eine wachsende Frustration über hohe Preise und eine Konjunktur, die viele als alles andere als "robust" empfinden. Diese Stimmung könnte entscheidende Auswirkungen auf die kommenden Midterm-Wahlen haben.

Steigende Lebenshaltungskosten belasten Bürger in Allentown

Idalia Bisbal, eine 67-jährige Rentnerin, zog vor etwa drei Jahren von New York City nach Allentown in der Hoffnung auf ein günstigeres Leben. Heute ist sie zutiefst enttäuscht. Sie beschreibt die Situation als "schlimmer denn je", da Preise für Lebensmittel, Mieten, Nebenkosten und Benzin unerschwinglich geworden seien. Bisbal, die auf Sozialleistungen angewiesen ist, bewertet die aktuelle Wirtschaftslage persönlich mit "F, F, F, F, F, F".

Diese Einschätzung spiegelt eine breitere Besorgnis wider. In Allentown, dem Zentrum des Lehigh Valley mit rund 125.000 Einwohnern, herrscht unter lokalen Beamten, Wirtschaftsführern und Bewohnern parteiübergreifend Einigkeit: Die Preise sind zu hoch. Ob Benzin, Lebensmittel, Gesundheitsversorgung oder Wohnen – die Kosten schockieren viele.

Politische Rhetorik trifft auf lokale Realität

Die wirtschaftliche Lage in Allentown ist auch ein Brennpunkt der nationalen Politik. Donald Trump bewertete die Wirtschaft unter seiner Regierung mit "A+++++" und bezeichnete Bedenken hinsichtlich der Erschwinglichkeit als "Hoax". Vizepräsident JD Vance, der kürzlich in Pennsylvania war, räumte zwar die Erschwinglichkeitskrise ein, machte jedoch die Biden-Regierung dafür verantwortlich und versprach bessere Zeiten.

Diese optimistische Sichtweise wird jedoch von vielen nicht geteilt. Eine Umfrage des Associated Press-NORC Center for Public Affairs Research zeigt, dass nur 31 % der US-Erwachsenen Trumps Wirtschaftspolitik billigen, ein Rückgang von 40 % im März. Tony Iannelli, Präsident und CEO der Greater Lehigh Valley Chamber of Commerce, nannte Trumps Bewertung eine "Übertreibung". Er sagte, die Region habe eine "starke Wirtschaft, aber ich denke, sie hat noch nicht die nächste Stufe dessen erreicht, was ich robust nennen würde."

Tom Groves, Gründer einer Beratungsfirma für Gesundheit und Leistungen, bewertete die Wirtschaft mit "B+" und führte höhere Gesundheitskosten auf den Affordable Care Act ("Obamacare") zurück. Er verwies zudem auf die Volatilität an den Aktien- und Arbeitsmärkten. Joe Vichot, Vorsitzender des Lehigh County Republican Committee, bezeichnete Trumps Bewertung als "umgangssprachlich".

Allentown als politisches Schlachtfeld

Allentown ist ein entscheidender Schauplatz im politischen Kampf um die Kontrolle des US-Repräsentantenhauses bei den Midterm-Wahlen im nächsten Jahr. Pennsylvania gilt als "Must-Win"-Staat in der Präsidentschaftspolitik, was zu zahlreichen Besuchen von Kandidaten und Medien führt. Bürgermeister Matt Tuerk, der erste Latino-Bürgermeister der Stadt, beschreibt Allentown als einen Ort des "raschen Wandels".

Der republikanische US-Abgeordnete Ryan Mackenzie, der einen dreimaligen demokratischen Amtsinhaber besiegte, gilt als einer der gefährdetsten Republikaner im Kongress. Er versucht, eine Balance zu finden, indem er die "Fehler der Bidenomics" kritisiert, aber auch für die Verlängerung von Gesundheitszuschüssen stimmt, die Ende des Jahres auslaufen würden. Dies wird als Signal an die Wähler interpretiert, dass er "mitfühlend für die Menschen ist, die diese Dienste benötigen".

Lehigh County, zu dem Allentown gehört, tendierte im letzten Jahr zu Trump, doch der Sieg von Kamala Harris mit einem Vorsprung von knapp 2,7 Prozentpunkten war der knappste für einen demokratischen Präsidentschaftskandidaten seit 2004. Die Demokraten sind nach einem starken Abschneiden bei den diesjährigen Wahlen, bei denen sie die Wahl zum County Executive gewannen, zuversichtlich, den Kongresssitz zurückzuerobern.

Wirtschaftlicher Wandel und breitere Herausforderungen

Das Bild von Allentown als reiner Industriestadt ist überholt. Während das Mack Trucks Werk in diesem Jahr rund 200 Mitarbeiter entlassen musste – eine Entscheidung, die teilweise auf von Trump verhängte Zölle zurückgeführt wird – hat sich das Stadtzentrum gewandelt. Es gibt heute trendige Hotels, eine moderne Arena und eine wachsende lateinamerikanische Bevölkerung, die mittlerweile die Mehrheit der Stadtbevölkerung stellt.

Auch über Pennsylvania hinaus zeigen sich wirtschaftliche Warnsignale. Loren Furman, CEO der Colorado Chamber of Commerce, sieht trotz der Stärken Colorados "frühe Warnzeichen für zukünftige Herausforderungen". Colorado ist von Platz 5 im Jahr 2018 auf Platz 11 der Top-Staaten für Unternehmen gefallen und liegt auf Platz 39 bei den Geschäftskosten. Zwei Drittel der Wirtschaftsführer dort glauben, dass sich die Wirtschaft des Staates in die falsche Richtung entwickelt.

Ein wesentlicher Faktor in Colorado ist die Regulierung: Der Staat ist der sechstregulierteste in den USA mit fast 200.000 staatlichen Vorschriften, von denen schätzungsweise 45 % als doppelt oder überflüssig gelten. Die Kammer schätzt, dass jede 10-prozentige Zunahme der Vorschriften zu einem Verlust von etwa 36.000 Arbeitsplätzen führt. Diese Entwicklungen zeigen, dass wirtschaftliche Herausforderungen und die Wahrnehmung der Konjunktur in verschiedenen Regionen der USA komplex sind und über parteipolitische Rhetorik hinausgehen.

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