
US-Wirtschaftswachstum im Q4 2025 deutlich nach unten korrigiert
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Die US-Wirtschaft hat im vierten Quartal 2025 ein deutlich langsameres Wachstum verzeichnet als ursprünglich angenommen. Das Handelsministerium korrigierte seine Schätzung für das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach unten, was die Erwartungen von Ökonomen und die erste Prognose unterschreitet.
US-Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2025 revidiert
Das Bureau of Economic Analysis (BEA) veröffentlichte seine zweite Schätzung für das BIP im vierten Quartal 2025, die ein Wachstum von 0,7 Prozent auswies. Diese Rate liegt unter der Schätzung von 1,4 Prozent, die von LSEG befragten Ökonomen prognostiziert wurde, und auch unter der ursprünglichen Schätzung des Handelsministeriums von 1,4 Prozent. Die erste Schätzung, die sogenannte "Advance Estimate", hatte ebenfalls ein Wachstum von 1,4 Prozent für das vierte Quartal 2025 (Oktober, November und Dezember) ausgewiesen.
Das gesamte US-Wirtschaftswachstum für das Jahr 2025 belief sich auf etwa 2,08 Prozent, wobei diese Zahl noch einer finalen Revision unterliegt. Im Vergleich dazu stieg das reale BIP im Jahr 2025 um 2,2 Prozent (vom Jahresniveau 2024 zum Jahresniveau 2025), gegenüber einem Anstieg von 2,8 Prozent im Jahr 2024.
Details der Revision und ursprüngliche Schätzungen
Die Abwärtskorrektur des BIP im vierten Quartal um 0,7 Prozentpunkte gegenüber der Voraus-Schätzung ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Dazu gehören Abwärtsrevisionen bei Exporten, Konsumausgaben, Staatsausgaben und Investitionen. Auch die Importe gingen weniger stark zurück als zuvor geschätzt.
Die Entwicklung des BIP im Jahr 2025 zeigte eine gemischte Dynamik:
- Im ersten Quartal 2025 schrumpfte die Wirtschaft um 0,6 Prozent.
- Im zweiten Quartal gab es einen Anstieg von 3,8 Prozent.
- Im dritten Quartal wuchs die Wirtschaft um 4,4 Prozent.
Die realen Endverkäufe an private inländische Käufer, die die Summe aus Konsumausgaben und Bruttoanlageinvestitionen darstellen, stiegen im vierten Quartal um 1,9 Prozent. Dieser Wert wurde gegenüber der vorherigen Schätzung um 0,5 Prozentpunkte nach unten korrigiert. Die Voraus-Schätzung hatte hier noch einen Anstieg von 2,4 Prozent ausgewiesen, verglichen mit 2,9 Prozent im dritten Quartal.
Einfluss des Regierungsstillstands auf die Wirtschaftsleistung
Ein wesentlicher Faktor für die Verlangsamung des Wachstums war der teilweise Regierungsstillstand, der von Oktober bis Mitte November dauerte und insgesamt 43 Tage umfasste. Dieser Stillstand verzögerte nicht nur die Veröffentlichung des Berichts, sondern beeinflusste auch die BIP-Daten direkt.
- Das BEA schätzte, dass die Reduzierung der Dienstleistungen der Bundesregierung das reale BIP-Wachstum im vierten Quartal um etwa 1 Prozentpunkt minderte.
- Das überparteiliche Congressional Budget Office (CBO) schätzte, dass der Regierungsstillstand dem BIP des vierten Quartals 1,5 Prozentpunkte entzog. Das CBO prognostizierte, dass der größte Teil des verlorenen Outputs wieder aufgeholt würde, jedoch zwischen 7 und 14 Milliarden US-Dollar dauerhaft verloren gingen.
- Donald Trump kommentierte in den sozialen Medien, der Stillstand habe die USA "mindestens zwei Punkte im BIP gekostet".
Komponenten des BIP-Wachstums und Konsumausgaben
Der Anstieg des realen BIP im vierten Quartal wurde durch höhere Konsumausgaben und Investitionen gestützt. Diese Zuwächse wurden jedoch teilweise durch Rückgänge bei Exporten und Staatsausgaben ausgeglichen. Auch die Importe gingen in diesem Quartal zurück.
Das Wachstum der Konsumausgaben verlangsamte sich von einem kräftigen Tempo von 3,5 Prozent im dritten Quartal. Ökonomen zufolge wurden die Ausgaben größtenteils von Haushalten mit höherem Einkommen getragen, oft auf Kosten der Ersparnisse, da die Inflation die Kaufkraft beeinträchtigte. Es wird erwartet, dass größere Steuerrückerstattungen aufgrund von Steuersenkungen den Konsumausgaben in diesem Jahr Auftrieb geben könnten.
Inflation und die "K-förmige" Wirtschaft
Die Inflationsmessgrößen blieben hartnäckig hoch:
- Der vom FED bevorzugte Inflationsindikator blieb im Januar hartnäckig hoch.
- Der Preisindex für Bruttoinlandskäufe stieg im vierten Quartal um 3,7 Prozent, verglichen mit 3,4 Prozent im dritten Quartal.
- Der PCE-Preisindex stieg um 2,9 Prozent, gegenüber 2,8 Prozent im Vorquartal.
- Ohne Nahrungsmittel- und Energiepreise stieg der PCE-Preisindex um 2,7 Prozent, verglichen mit 2,9 Prozent im dritten Quartal.
Die Wirtschaft wurde als "arbeitslose Wirtschaftsexpansion" und "K-förmige" Wirtschaft beschrieben. Dies bedeutet, dass Haushalte mit höherem Einkommen gut abschneiden, während Verbraucher mit niedrigerem Einkommen aufgrund hoher Inflation durch Importzölle und stagnierendes Lohnwachstum zu kämpfen haben. Diese Bedingungen haben eine "Erschwinglichkeitskrise" geschaffen. Im Jahr 2025 wurden nur 181.000 Arbeitsplätze geschaffen, die geringste Zahl außerhalb der Pandemie seit der Großen Rezession 2009 und ein Rückgang von 1,459 Millionen im Jahr 2024.
Ausblick und weitere Faktoren
Trotz der Verlangsamung im vierten Quartal wird erwartet, dass Steuersenkungen und Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) die Wirtschaftstätigkeit im laufenden Jahr unterstützen werden. Ökonomen schätzten, dass KI, einschließlich Rechenzentren, Halbleitern, Software sowie Forschung und Entwicklung, ein Drittel des BIP-Wachstums in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 ausmachte.
Der vorliegende, bereits "veraltete" Bericht wird voraussichtlich keine Auswirkungen auf die Geldpolitik haben. Die BEA wird eine finale Revision der BIP-Zahlen für das vierte Quartal veröffentlichen, sobald weitere Daten verfügbar sind.