
US-Zusagen für Ölfluss im Persischen Golf: Märkte bleiben skeptisch
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Die globalen Energiemärkte reagierten am Mittwoch mit einer Stabilisierung der Ölpreise und leicht steigenden US-Aktien, nachdem Donald Trump zugesagt hatte, den Ölfluss durch die strategisch wichtige Straße von Hormus zu gewährleisten. Trotz dieser Zusagen äußern Marktexperten jedoch weiterhin Bedenken, ob diese Maßnahmen ausreichen, um größere Störungen der Energieversorgung zu verhindern.
Trumps Plan zur Sicherung der Ölversorgung
Der Krieg im Iran hatte die Ölpreise in dieser Woche auf den höchsten Stand seit über einem Jahr getrieben, da Investoren das Risiko erheblicher Versorgungsunterbrechungen abwägten. Als Reaktion darauf erklärte Trump am 3. März in einem Truth Social-Beitrag, die USA seien entschlossen, den freien Fluss von Öl in der Region während des Konflikts sicherzustellen. Er wies die United States Development Finance Corporation (DFC) an, eine politische Risikoversicherung zur finanziellen Absicherung des maritimen Handels im Persischen Golf "zu einem sehr vernünftigen Preis" und "sofort wirksam" anzubieten.
Zudem kündigte Trump an, dass die US Navy Öltanker "so schnell wie möglich" durch die Straße von Hormus eskortieren werde. "Egal was passiert, die Vereinigten Staaten werden den FREIEN FLUSS von ENERGIE zur WELT sicherstellen", schrieb Trump. US-Finanzminister Scott Bessent bestätigte gegenüber CNBC, dass Trumps Post eine "Reihe von Ankündigungen" der Regierung zum Schutz der Ölströme im Persischen Golf einleiten werde. Die DFC, die 2019 gegründet wurde, soll dabei helfen, dass Handel, Kapital und Energie während des Konflikts voll funktionsfähig bleiben.
Erste Marktreaktionen und Ölpreisentwicklung
Nach den US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran am 28. Februar stiegen die Ölpreise zunächst stark an. Trumps Zusagen vom 3. März führten zu einer vorübergehenden Beruhigung. Am Mittwoch fielen die Ölpreise erstmals seit Kriegsbeginn leicht, wobei Brent auf 81,30 US-Dollar und US-Rohöl auf 74,50 US-Dollar sank. Am Dienstag waren die US-Ölpreise noch um mehr als fünf Prozent auf 75,22 US-Dollar pro Barrel gestiegen.
Trotz dieser leichten Entspannung blieben die Gewinne an den Ölmärkten bestehen, wenn auch moderater als zuvor. Der Brent-Rohölpreis lag am Mittwoch wieder über 83 US-Dollar pro Barrel, ein Anstieg von 3% an diesem Tag. Die europäischen Erdgaspreise stiegen am Mittwoch um weitere 20% und verzeichneten in den letzten fünf Tagen einen Anstieg von 93%.
Skepsis und Forderungen nach weiteren Maßnahmen
Wall Street-Strategen sehen Trumps Zusicherungen als einen guten Anfang, betonen jedoch die Notwendigkeit weiterer konkreter Schritte. Chris Grisanti, Chefmarktstratege von MAI Capital Management, äußerte gegenüber Business Insider: "Ich vermute, dass weitere Zusicherungen nötig sein werden – und auch gegeben werden – und alle Augen werden sicherlich auf die ersten Schiffe gerichtet sein, die die Meerenge durchqueren."
Mark Malek, Chief Investment Officer von Siebert Financial, kommentierte, dass die Ankündigung des Präsidenten "einen psychologischen Schub" biete, der bestenfalls "einen Teil des Lärms herausfilterte". Er fügte hinzu, dass der Rohölpreis nach Berücksichtigung der Zusicherung immer noch höher sei als vor Beginn des Konflikts. Simon Lack, Portfoliomanager des Catalyst Energy Infrastructure Fund, teilte eine ähnliche Ansicht und betonte, dass "ein Waffenstillstand wirklich nötig ist, um die Energieversorgung wiederherzustellen."
Expertenstimmen zur Wirksamkeit
Die Meinungen von Wirtschaftsexperten und Brancheninsidern zur Wirksamkeit von Trumps Plan sind geteilt. Goldman Sachs erhöhte am Mittwoch seine Prognose für den durchschnittlichen Ölpreis im zweiten Quartal von 66 auf 76 US-Dollar, ohne Trumps Vorschlag zu erwähnen. Die Analysten gehen davon aus, dass Brent im März im Bereich von 80 US-Dollar gehandelt wird, da der Markt gemischte Signale verarbeitet.
Stamatis Tsantanis, CEO der globalen Reedereien Seanergy Maritime und United Maritime, erklärte, dass die maritime Industrie wahrscheinlich weitere Zusagen benötigen werde. Er sagte, dass die US-Zusage zur Unterstützung der Schifffahrt durch Marineeskorten und Versicherungsrückendeckung ein willkommener Schritt sei, aber viele Brancheninsider vorsichtig blieben. Die Priorität liege nicht nur im Transport von Fracht, sondern auch im Schutz des Lebens der Seeleute, des Wertes der Schiffe und der Vermeidung einer potenziellen Umweltkatastrophe.
Der bekannte Ökonom Mohamed El-Erian äußerte Bedenken, dass die bloße Bereitstellung von Schutz und Versicherung durch die USA nicht bedeute, dass Reedereien den Seeweg tatsächlich nutzen würden. Er schrieb, Trumps Versprechen sei ein "notwendiger Schritt", stellte aber die Frage, ob es "ausreichend" sei, da die "Bereitschaft" der Reeder, die Meerenge zu befahren, weiterhin fraglich sei. Claudia Sahm, Chefökonomin von New Century Advisors, kommentierte Trumps Post mit der Bemerkung, die US-Regierung sei "eine Versicherungsgesellschaft mit einer Armee".
Herausforderungen und Risiken für die Schifffahrt
Die Straße von Hormus, durch die täglich durchschnittlich 20 Millionen Barrel Öl transportiert werden – fast ein Viertel des gesamten Seetransports von Öl –, war am Dienstag den vierten Tag in Folge unpassierbar, nachdem der Iran fünf Schiffe angegriffen hatte. Ein weiteres Schiff wurde am Mittwoch im Persischen Golf angegriffen, wie Berichte der UK Maritime Trade Operations (UKMTO) zeigen.
Händler äußerten Skepsis hinsichtlich der schnellen Umsetzung von Trumps Plan. Ein Händler bemerkte gegenüber Argus, dass das Angebot einer US-gestützten Versicherung "wie das Bemalen eines riesigen Ziels auf dem Schiff" wirken könnte, da der Iran die US-Steuerzahler direkt für die Kriegskosten aufkommen lassen würde. Zudem könnte die USA in eine schwierige Lage geraten, wenn sie Energiesendungen aus der Region nach China und andere asiatische Ziele versichern müsste.
Wirtschaftliche Implikationen und Ausblick
Der anhaltende Konflikt birgt weiterhin erhebliche Risiken für die globalen Energiepreise. Irak hat seine Ölproduktion nach Angriffen auf einige seiner Anlagen reduziert, und der Druck auf Energieversorger in der gesamten Region nimmt zu. Obwohl die USA der weltweit größte Energieproduzent sind, bleibt der Nahe Osten aufgrund der großen Anzahl wichtiger Lieferanten ein entscheidender Bestandteil des globalen Energiemixes.
Die Unsicherheit über die schnelle Umsetzung von Trumps Plan bedeutet, dass die Risiken für den Ölpreis weiterhin nach oben gerichtet sind. Ein Überschreiten der Marke von 85 US-Dollar für Brent-Rohöl könnte die Tür zu 90 US-Dollar öffnen, was für Investoren äußerst unangenehm wäre. Trump selbst hatte zuvor angedeutet, dass Amerikaner für kurze Zeit mit höheren Ölpreisen leben müssten, die jedoch nach Beendigung des Konflikts voraussichtlich wieder fallen würden. Chinesische Investoren planen bereits, ihr Engagement in Nahost-Anleihen zu reduzieren, was die ehrgeizigen Wirtschaftspläne Saudi-Arabiens und der VAE beeinträchtigen könnte.