
USA: Milliarden-Investitionen in Seltene Erden und kritische Mineralien gegen Chinas Dominanz
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Die Vereinigten Staaten intensivieren ihre Bemühungen, die Abhängigkeit von China bei der Versorgung mit kritischen Mineralien und Seltenen Erden zu verringern. Eine parteiübergreifende Gruppe von Gesetzgebern hat die Schaffung einer neuen Agentur mit 2,5 Milliarden US-Dollar vorgeschlagen, während die Trump-Administration bereits aggressive Maßnahmen ergriffen hat, um Chinas Einfluss auf diesen strategisch wichtigen Markt zu brechen. Diese Materialien sind entscheidend für Hochtechnologieprodukte wie Mobiltelefone, Elektrofahrzeuge, Kampfjets und Raketen.
Neue Agentur und Milliardeninvestition vorgeschlagen
Eine parteiübergreifende Gruppe von Gesetzgebern, darunter Sen. Jeanne Shaheen (D-N.H.) und Sen. Todd Young (R-Ind.), hat die Gründung einer neuen Agentur mit einem Budget von 2,5 Milliarden US-Dollar vorgeschlagen. Diese soll die Produktion von Seltenen Erden und anderen kritischen Mineralien ankurbeln. Die vorgeschlagene Gesetzgebung zielt darauf ab, einen strategischen Vorrat an kritischen Mineralien und verwandten Produkten aufzubauen, Preise zu stabilisieren und die heimische sowie verbündete Produktion zu fördern.
Sen. Shaheen bezeichnete die Gesetzgebung als "historische Investition", um die US-Wirtschaft widerstandsfähiger gegen Chinas Dominanz zu machen, die die USA anfällig für wirtschaftlichen Zwang gemacht habe. Sen. Young ergänzte, die Schaffung dieser neuen Reserve sei ein "dringend notwendiger, aggressiver Schritt zum Schutz unserer nationalen und wirtschaftlichen Sicherheit". Der Ansatz der vorgeschlagenen Agentur ist dabei eher marktbasiert.
Aggressive Strategie der Trump-Administration
Die Trump-Administration hat bereits "aggressive Maßnahmen" ergriffen, um Chinas "Würgegriff" auf den Markt für kritische Mineralien zu lösen. Das Pentagon hat im vergangenen Jahr fast 5 Milliarden US-Dollar ausgegeben, um den Zugang zu diesen Materialien zu sichern, nachdem der Handelskonflikt die starke Abhängigkeit der USA von China offengelegt hatte. China verarbeitet über 90 % der weltweiten kritischen Mineralien.
Verteidigungsminister Pete Hegseth gab bekannt, dass das Pentagon allein in den letzten fünf Monaten über 4,5 Milliarden US-Dollar an Kapitalzusagen für sechs Deals im Bereich kritischer Mineralien bereitgestellt hat. Diese sollen die Vereinigten Staaten von "Marktmanipulation" befreien. Die US-Regierung erwirbt dabei Beteiligungen an kritischen Mineralienunternehmen und garantiert in einigen Fällen Rohstoffpreise – ein Ansatz, der von Analysten als eine Form des Staatskapitalismus interpretiert wird, um mit Peking zu konkurrieren.
Konkrete Investitionen in die Lieferkette
Die US-Regierung hat mehrere konkrete Investitionen getätigt, um die heimische Lieferkette für kritische Mineralien zu stärken:
- Das Pentagon investierte 150 Millionen US-Dollar in Vorzugsaktien von Atlantic Alumina Co., um die letzte Aluminiumoxid-Raffinerie des Landes zu retten und die erste großtechnische Gallium-Produktionsanlage in Louisiana zu bauen.
- Eine weitere Investition von 400 Millionen US-Dollar in Vorzugsaktien erfolgte bei MP Materials, dem Eigentümer der einzigen operativen Seltene-Erden-Mine des Landes in Mountain Pass, Kalifornien.
- Eine 1,4 Milliarden US-Dollar schwere Partnerschaft wurde mit ReElement Technologies Corp. eingegangen, um eine heimische Lieferkette für Seltene-Erden-Magnete aufzubauen.
- Das Handelsministerium und das Pentagon sagten Vulcan Elements eine Finanzierung zu, darunter 50 Millionen US-Dollar aus dem 2022 CHIPS Act für Ausrüstung zur Herstellung von Permanentmagneten. Vulcan Elements sichert sich zudem einen Direktkredit von 620 Millionen US-Dollar vom Pentagon und 550 Millionen US-Dollar private Finanzierung für eine Anlage, die 10.000 Tonnen Magnete produzieren soll.
- ReElement Technologies Corp., ein Partner von Vulcan Elements, erhielt einen Direktkredit von 80 Millionen US-Dollar vom Pentagon, ergänzt durch private Investitionen, zur Verbesserung der Recycling- und Verarbeitungskapazitäten.
- Die US-Regierung kündigte zudem fast 1 Milliarde US-Dollar Investitionen in heimische Projekte für kritische Mineralien an, die Bergbau, Verarbeitung und Fertigung umfassen. Energieminister Chris Wright betonte, dass die USA "zu lange auf ausländische Akteure angewiesen" waren.
- Das Energieministerium stellt weitere 134 Millionen US-Dollar für Projekte zur Verfügung, die die kommerzielle Rückgewinnung und Raffination von Seltenen Erden aus Bergbauabfällen, Elektronikschrott und anderen Abfallmaterialien demonstrieren.
Chinas Dominanz und die geopolitische Dimension
Chinas Dominanz auf dem Markt für kritische Mineralien hat Peking im Handelskonflikt mit Washington als Druckmittel gedient. Als die Trump-Administration Zölle verhängte, reagierte China nicht nur mit Gegenzöllen, sondern auch mit "schweren Beschränkungen" für den Export kritischer Mineralien. Dies zwang Washington zum Einlenken und führte zu einem einjährigen Waffenstillstand im Oktober, bei dem Peking weiterhin kritische Mineralien exportieren und die USA ihre Exportkontrollen für US-Technologie lockern würden.
Die G7-Finanzminister berieten in Washington über die Anfälligkeit ihrer Lieferketten für kritische Mineralien. US-Finanzminister Scott Bessent forderte die Teilnehmer auf, die Widerstandsfähigkeit ihrer Lieferketten zu erhöhen. Die Trump-Administration hat auch versucht, sich diese entscheidenden Elemente durch Verbündete zu sichern, wie ein 8,5 Milliarden US-Dollar schweres Abkommen mit Australien für Bergbauinvestitionen zeigt. Zudem gab es aggressive Bemühungen, Grönland zu übernehmen, in der Hoffnung, dort Seltene Erden zu fördern.
Meinungen und Ausblick
Elly Rostoum, Senior Fellow am Center for European Policy Analysis, kommentierte die drastischen Schritte der US-Regierung, Beteiligungen an Unternehmen zu erwerben: "Trotz der Gefahren politischer Einmischung ist die strategische Logik zwingend." Sie schlug vor, dass das neue Modell "ein umsichtiger Weg für die USA sein könnte, strategische Autonomie und industrielle Souveränität zu gewährleisten." Jim Sims, Chief Communications Officer von NioCorp, äußerte sich ebenfalls positiv und sagte, Präsident Trump spiele "dreidimensionales Schach" bei kritischen Mineralien, und es sei "höchste Zeit", angesichts der "militärischen und strategischen Anfälligkeit", die durch den Import so vieler dieser grundlegenden Bausteine der Technologie und nationalen Verteidigung entstehe.
Die vorgeschlagene Gesetzgebung von Shaheen und Young würde die Produktion sowohl bei heimischen als auch bei verbündeten Herstellern fördern. Frühere Bemühungen, die Abhängigkeit von China zu reduzieren, waren oft begrenzt und wurden eingestellt, sobald China den Zugang zu kritischen Mineralien wieder erleichterte. Die aktuelle Regierung konzentriert sich auf die direkte Steigerung der Produktion kritischer Mineralien, während die Biden-Administration zuvor Anreize für Elektrofahrzeuge und Windkraftanlagen schaffen wollte, um die Nachfrage nach diesen Materialien zu erhöhen.