
Venezuelas Ölsektor: José Pereiras Kampf, Karma und die Zukunft nach Maduro
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José Pereira, ein ehemaliger politischer Gefangener der „Citgo 6“, empfand die Verhaftung von Nicolás Maduro als späte Gerechtigkeit und eine Befreiung von angestauter Wut. Seine tiefen Einblicke in Venezuelas Ölsektor und Politik prägen seine Überzeugung, dass eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung des Landes nur durch einen Regimewechsel und freie demokratische Wahlen möglich ist.
Karma und Gerechtigkeit: José Pereiras Sicht auf Maduros Verhaftung
Als José Pereira im Januar die Verhaftung von Nicolás Maduro durch US-Beamte miterlebte, empfand er dies als eine Form der Vergeltung und eine Befreiung von acht Jahren angestauter Wut. „Genau das hat dieser Typ uns angetan“, sagte Pereira über den ehemaligen venezolanischen Machthaber. Für ihn war es wie: „Wow, jetzt leidest du. Das ist Karma.“ Er betonte, es sei keine Rache, sondern Gerechtigkeit.
Der Fall der "Citgo 6": Vom CEO zum politischen Gefangenen
Anfang 2017 war Pereira, damals 55 Jahre alt, frisch zum Interims-CEO von Citgo Petroleum in Houston befördert worden. Das Jahr endete jedoch mit seiner Verhaftung in Caracas, wo er zusammen mit fünf Kollegen – den „Citgo 6“ – in einem „Känguru-Gericht“ wegen Korruption und Verrats verurteilt wurde. Citgo, ein traditionsreicher amerikanischer Ölraffineriebetreiber, wurde 1990 von der venezolanischen Regierung und ihrem staatlichen Ölkonzern PDVSA übernommen und entwickelte sich zu einem politischen Spielball Maduros. Pereira, der in Venezuela geboren und aufgewachsen war, war der einzige der sechs Gefangenen, der kein US-Bürger war, obwohl er eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in den USA besaß.
Venezuelas Ölsektor: Zwischen Potenzial und Verfall
Pereira, der über 25 Jahre für Venezuelas staatliches Ölunternehmen gearbeitet hatte, bevor er 2012 zu Citgo wechselte, verfügt über tiefe Einblicke in die venezolanische Politik und den Ölsektor. Er ist überzeugt, dass sein Heimatland politisch und wirtschaftlich nur nach einer US-Militärintervention und der schnellstmöglichen Einführung fairer demokratischer Wahlen wieder aufblühen kann. Die Ölproduktion des Landes ist von 3,2 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2000 auf heute etwa 1 Million Barrel gesunken, eine Folge von Missmanagement, Unterinvestitionen und US-Sanktionen. Obwohl Venezuela auf dem Papier die größten Ölreserven der Welt besitzt, ist die Industrie „völlig marode“, so Pereira.
Hürden für Investitionen und wirtschaftliche Erholung
Interimspräsidentin Delcy Rodriguez und die aktuelle venezolanische Führung haben zwar ein neues Kohlenwasserstoffgesetz verabschiedet, um den Energiesektor für mehr ausländische Investitionen zu öffnen. Doch CEOs von Chevron, Shell und ConocoPhillips sehen darin zwar Fortschritt, aber noch nicht das Notwendige. Exxon Mobil-Chef Darren Woods bezeichnete den venezolanischen Ölsektor im Januar als „nicht investierbar“. Pereira stimmt zu und fragt: „Wenn ich Exxon wäre, haben sie mich schon zweimal enteignet. Was wäre die Garantie, dass sie es nicht ein drittes Mal tun werden?“ Er betont, dass die derzeitige Führung lediglich Zeit gewinnt und „Meister darin ist, Zeit zu gewinnen“.
Die Forderung nach einem echten Wandel
Pereira ist der Ansicht, dass Venezuela nicht wachsen und Ölunternehmen nicht investieren werden, solange das alte Maduro-Regime an der Macht bleibt. „Diese Leute agieren nicht wie eine normale Regierung; sie agieren wie die Mafia“, sagte er. Ein echter Wandel erfordere freie Wahlen und eine Demokratie, um einen „verlässlichen Geschäftspartner in der Regierung“ zu schaffen. Nur dann könne Venezuela zu einem „Energie-Hub“ werden. Er ist zuversichtlich, dass Wahlen kommen werden, wünscht sich aber eine Beschleunigung des Übergangs, idealerweise bis Ende 2026.
Die Schrecken der Gefangenschaft
Im November 2017, kurz vor seiner geplanten Pensionierung, wurde Pereira zusammen mit fünf seiner Top-Manager nach Venezuela beordert, um Geschäftspräsentationen für Citgo zu halten. Nach den Präsentationen wurden sie am Flughafen verhaftet.
Sie wurden als Spione, Korruption und Landesverrat angeklagt. Pereira wurde zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, seine Kollegen zu fast neun Jahren. Er bezeichnete die „Citgo 6“ als „erstes Experiment Venezuelas, politische Geiseln zu nehmen“ und als „Versuchskaninchen“.
Er wurde zunächst in ein Militärgefängnis, das er als „Verlies“ bezeichnete, und dann in das berüchtigte El Heliocide-Gefängnis in Caracas verlegt, das für Folter und Menschenrechtsverletzungen bekannt ist. Dort verlor er fast 45 Kilogramm durch Hunger und litt an Bronchitis, Lungenentzündung und Krätze. Es gab kein fließendes Wasser, und manchmal sah er monatelang keine Sonne.
Pereira berichtete von einem Raum namens „madness room“ auf der anderen Seite der Wand, aus dem nachts Schreie, Gebrüll und Schläge zu hören waren. Seine Familie musste große Opfer bringen, um ihm Lebensmittelpakete aus Kolumbien zu schicken, da dies aus den USA unmöglich war. Er schmuggelte Briefe an seine Familie, die ihm halfen, die politischen Verhandlungen zu verfolgen und die Grundlage für seine Memoiren bildeten.
Die Rückkehr zur Freiheit und der Heilungsprozess
Am 1. Oktober 2022 wurden Pereira und die verbliebenen „Citgo 6“ im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen. Sie wurden auf die karibische Insel St. Vincent und die Grenadinen geflogen, wo sie gegen zwei Neffen Maduros, die wegen Drogenhandels verhaftet worden waren („Narcosobrinos-Affäre“), ausgetauscht wurden. Die Erleichterung war groß, aber auch die posttraumatische Belastungsstörung. „Nach fast sechs Monaten begann ich das Gefühl zu haben, mein Leben zurückzuhaben“, sagte Pereira. Das Schreiben seiner Memoiren „From Hero to Villain: My True Story of the Citgo 6“ und das Sprechen über seine Erfahrungen wurden zu seinem „Heilungsprozess“. Er sieht in der aktuellen Situation Venezuelas Grund zur Hoffnung, da die Geschichte der „Citgo 6“ eng mit den heutigen Entwicklungen verbunden sei.