
Venezuelas Weg vom Ölreichtum zur Armut: Eine Analyse des wirtschaftlichen Niedergangs
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Venezuela, einst die führende Wirtschaft Südamerikas mit den größten Ölreserven der Welt, ist heute die ärmste Nation der Region. Eine Reihe von politischen Entscheidungen, beginnend mit der Verstaatlichung der Ölindustrie und der Entlassung qualifizierter Arbeitskräfte, führte zu einem dramatischen wirtschaftlichen Niedergang, der durch Hyperinflation und eine massive Auswanderungswelle gekennzeichnet ist.
Vom Reichtum zur Armut: Venezuelas Ölfluch
Im frühen letzten Jahrhundert galt Venezuela als die führende Wirtschaft Südamerikas. Ein wesentlicher Faktor dafür war die Entdeckung massiver Ölreserven im Jahr 1922. Aktuell verfügt das Land über die größten Reserven weltweit, geschätzt 303 Milliarden Barrel. Trotz dieses enormen Reichtums ist die Wirtschaft Venezuelas heute die ärmste in Südamerika.
Die Verstaatlichung der Ölindustrie und ihre Folgen
Eine entscheidende Weichenstellung in die falsche Richtung erfolgte 1976, als die venezolanische Regierung alle ausländischen Ölgesellschaften im Land verstaatlichte. Die neu erworbenen Ölgeschäfte wurden größtenteils der bereits staatlichen Ölgesellschaft Petróleos de Venezuela, S.A. (PDVSA) unterstellt. Überraschenderweise brach die Wirtschaft zunächst nicht zusammen. Robert Wright, Gastprofessor für Geschichte an der University of Austin, erklärte gegenüber FOX Business: "Was sie am Laufen hielt, war, dass sie immer noch Öl produzierten."
Chavez's "Plan Bolivar" und die Entmachtung von Experten
Mit der Wahl von Hugo Chavez im Jahr 1998 kam es zu weiteren Veränderungen. Ein Jahr später führte er den "Plan Bolivar" ein, ein Armutsbekämpfungsprogramm, das Straßenbau, Wohnungsbau und Massenimpfungen umfasste, so der Council on Foreign Relations. Im Jahr 2002 entließ die Chavez-Regierung die Top-Führungskräfte der PDVSA sowie weitere 18.000 Mitarbeiter, von denen viele hochqualifizierte Experten in der Erdölgewinnung waren. Ein erheblicher Teil der Entlassenen wanderte in andere Länder aus.
Die Besetzung von Positionen bei PDVSA erfolgte zunehmend durch politische Günstlinge anstelle von qualifizierten Fachkräften. Ohne entsprechend ausgebildete Arbeitskräfte in der Ölindustrie begann das staatliche Unternehmen zu verfallen, zunächst langsam, dann sehr schnell. Steven Blitz, Chief Global Macro Strategist bei GlobalData TSLombard, bemerkte: "Sie führten es nicht wie ein Unternehmen und reinvestierten nicht in das Unternehmen, um es am Laufen zu halten." Die Ölproduktion sank von 3,7 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 1970 auf zuletzt 1,1 Millionen Barrel pro Tag, laut Daten von Statbase.org.
Hyperinflation und wirtschaftlicher Kollaps unter Maduro
Nicolás Maduro übernahm 2013 das Präsidentenamt und verschärfte die Lage. Um die Bevölkerung zu besänftigen, stellte die Regierung Dienstleistungen bereit, finanzierte diese jedoch durch das Drucken von Geld. Dies führte zu einer Hyperinflation, die 2016 begann und 2019 einen Höchststand von 375.000 % erreichte, wie Daten von Trading Economics zeigen.
Die Regierung hatte die Ölindustrie übernommen, in der Annahme, sie würde eine "Cash Cow" sein, so Blitz. Doch die Einnahmen fielen schließlich. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine anderen tragenden Säulen für das Land; keine großen Banken, keine anderen bedeutenden Sektoren außer selbstständigen Einzelunternehmern. Wright stellte fest: "Sie haben die Wirtschaft nie entwickelt."
US-Sanktionen und die humanitäre Krise
In den letzten zehn Jahren war Venezuela mehrfach US-Sanktionen ausgesetzt. Diese Sanktionen sind vielfältig, zielen aber primär darauf ab, die Herrscher des Landes zu behindern, indem sie unter anderem Finanzierungsvereinbarungen mit der venezolanischen Regierung verbieten. Die Wirtschaft des Landes leidet unter einer brutalen Knappheit an Lebensmitteln und Medikamenten.
Die Preise steigen rasant; so kostet ein Kilogramm Fleisch über 10 US-Dollar, was dem 25-fachen des monatlichen Mindestlohns entspricht. Viele Menschen arbeiten zwei, drei oder mehr Jobs, um zu überleben, und dennoch sind Kühlschränke und Schränke oft leer. Schätzungsweise acht von zehn Menschen leben in Armut, wobei einige Quellen sogar von fast 90 % sprechen.
Während der Maduro-Jahre (2013 bis Anfang 2026) stieg die Zahl der im Ausland lebenden Venezolaner stark an. Waren es 2015 noch 700.000, so waren es im letzten Jahr bereits etwa 7,9 Millionen, laut der Internationalen Organisation für Migration. Es ist wahrscheinlich, dass ein Teil der Flüchtenden die hochqualifizierten Arbeitskräfte waren, die das Land jetzt dringend benötigt.
Maduros Absetzung und die Zukunftsaussichten
Nicolás Maduro, der die Wahl 2024 verloren haben soll und dessen Regierung extreme Menschenrechtsverletzungen verantwortete, wurde in den frühen Morgenstunden des 3. Januar von amerikanischen Kräften festgenommen und sieht sich in den Vereinigten Staaten mit Anklagen wegen Drogenhandels konfrontiert. Alejandro Peña Esclusa, ein venezolanischer Experte, bezeichnet Maduro als Kopf des "Cartel of the Suns", der mächtigsten Drogenkartells der Hemisphäre. Peña Esclusa argumentiert, dass alle staatlichen Institutionen Venezuelas im Dienste dieses Kartells stehen, was es zur reichsten kriminellen Organisation in der Geschichte Lateinamerikas macht.
Einige in Venezuela und der Diaspora sind verständlicherweise erfreut über Maduros Absetzung. Doch Luisa Palacios, eine venezolanische Ökonomin, merkt an: "Die Menschen sind hoffnungsvoll und erwarten, dass sich die Dinge ändern werden, aber das bedeutet nicht, dass sich die Dinge sofort ändern werden." Neila Roa, die Zigaretten verkauft, glaubt, es bräuchte ein "Wunder", um Venezuelas Wirtschaft zu reparieren, und fragt sich: "Was wir nicht wissen, ist, ob die Veränderung zum Besseren oder zum Schlechteren ist."
Präsident Donald Trump versprach, dass amerikanische Interventionen Milliarden von Dollar in die Infrastruktur des Landes pumpen, die Ölindustrie wiederbeleben und eine neue Ära des Wohlstands einleiten würden. Kritiker wie die Quelle "From Iraq to Venezuela, America’s playbook remains the same" warnen jedoch, dass die Geschichte zeigt, dass solche Jubel kurzlebig sein könnten und die USA oft strategische Interessen sichern, während sie Instabilität hinterlassen.