Virginia: Milliarden-Steuerstreit um Rechenzentren entfacht Debatte

Virginia: Milliarden-Steuerstreit um Rechenzentren entfacht Debatte

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Im US-Bundesstaat Virginia, dem weltweit größten Knotenpunkt für Rechenzentren, entbrennt eine hitzige Debatte über die Zukunft milliardenschwerer Steuererleichterungen für Technologieunternehmen. Während der Senat plant, diese Vorteile zu streichen, warnt die Industrie vor einem Investitionsstopp und einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Die Entscheidung, die im Rahmen der Haushaltsverhandlungen getroffen werden muss, könnte weitreichende Folgen für die digitale Infrastruktur des Landes haben.

Virginia: Das globale Zentrum der Rechenzentren vor einer Wende?

Vor fast zwei Jahrzehnten führte Virginia Steuererleichterungen für Ausrüstung und Software ein, um Technologieunternehmen anzuziehen. Dies führte dazu, dass sich der Bundesstaat zum weltweit größten Rechenzentrums-Hub entwickelte. In den letzten 18 Jahren wurden über 80 Milliarden US-Dollar in Virginia investiert und Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen, allein in den letzten zwei Jahren. Laut dem Northern Virginia Technology Council (NVTC) beliefen sich die Kapitalinvestitionen sogar auf 157 Milliarden US-Dollar, wovon 79 % aus der Rechenzentrumsbranche stammten.

Die Branche ist ein Grundpfeiler für Cloud Computing, Cybersicherheit und das rasante Wachstum der generativen KI. Sie generiert laut NVTC fast 40 Milliarden US-Dollar an gesamtwirtschaftlicher Aktivität, unterstützt über 112.000 Arbeitsplätze und trägt jährlich über 1,5 Milliarden US-Dollar zu den staatlichen Steuereinnahmen bei, zusätzlich zu 1,3 Milliarden US-Dollar an Grundsteuereinnahmen in Nord-Virginia. Doch das enorme Wachstum hat auch Schattenseiten: Anwohner beklagen Lärm, das Stromnetz ist überlastet, und der Wasserverbrauch der Anlagen steht zunehmend in der Kritik.

Der Haushaltsstreit: Senat gegen Repräsentantenhaus

Angesichts dieser Entwicklungen hat der Senat von Virginia beschlossen, eine voraussichtlich 1,6 Milliarden US-Dollar schwere jährliche Steuererleichterung zu beenden. Dies würde die Branche verpflichten, wieder eine Mindestumsatzsteuer von 5,3 % zu zahlen. Der Vorschlag sieht vor, die Ausnahmeregelung, die ursprünglich bis 2035 gelten sollte, bereits zum 1. Januar 2027 auslaufen zu lassen. Senatsführer argumentieren, dies würde fast 1 Milliarde US-Dollar an zusätzlichen Einnahmen über das Biennium generieren, die für Transport- und Wasserinfrastrukturprojekte, Steuererstattungen und Gehaltserhöhungen für Staatsbedienstete und Lehrer verwendet werden könnten.

Die demokratische Senatorin L. Louise Lucas, Vorsitzende des Finanzausschusses und Befürworterin des Vorschlags, betonte, dass die zusätzlichen Einnahmen dringend für Lehrergehälter, Krankenversicherungsbeihilfen, Transitunterstützung, Steuerrückerstattungen oder Kinderbetreuungsplätze benötigt würden. Sie erklärte, ihre Position sei "fest wie Beton" und die Branche werde weiterhin in Virginia bauen, aber unter anderen Bedingungen.

Das Repräsentantenhaus hingegen drängt darauf, die Steuererleichterungen beizubehalten, möglicherweise mit zusätzlichen Anforderungen an die Nutzung sauberer Energie. Gouverneurin Abigail Spanberger äußerte sich besorgt, "Virginias Verpflichtungen gegenüber Unternehmen, die im Commonwealth investiert haben, rückgängig zu machen." Die Data Center Coalition, die Technologiegiganten vertritt, warnte, die Steuer würde "Investitionen der Branche effektiv zum Erliegen bringen". Auch der Northern Virginia Technology Council (NVTC) befürchtet, dass die vorzeitige Aufhebung der Befreiung die Wettbewerbsfähigkeit Virginias schwächen und die globale Führungsposition in der digitalen Infrastruktur untergraben würde.

Nationale Debatte und ähnliche Entwicklungen

Die Debatte in Virginia ist Teil eines wachsenden nationalen Widerstands gegen Rechenzentren. Dutzende Gemeinden im ganzen Land kämpfen in lokalen Bebauungsplänen gegen neue Anlagen. Politiker sind zunehmend besorgt über die Auswirkungen von KI auf die Stromrechnungen der Haushalte und erwägen, Steuererleichterungen zu reduzieren oder ganz abzuschaffen.

Auch andere Bundesstaaten haben Schritte unternommen, um solche Steuererleichterungen einzuschränken oder Bedingungen hinzuzufügen:

  • Minnesota entfernte letztes Jahr die Umsatzsteuerbefreiung für den Stromkauf der größten Rechenzentren, führte eine Gebühr für den Stromverbrauch ein und verschärfte die Vorschriften, einschließlich der Prüfung des Wasserverbrauchs.
  • Im Bundesstaat Washington wird dieses Jahr eine Gesetzgebung vorangetrieben, die die Steuererleichterung für neue Rechenzentren beibehält, sie aber für bestehende Rechenzentren, die Geld für den Ersatz oder die Aufrüstung von Geräten ausgeben, abschafft. Dies würde dem Staat im ersten Jahr 83 Millionen US-Dollar einbringen.
  • In Illinois forderte Gouverneur JB Pritzker letzten Monat eine zweijährige "Pause" bei den Steuererleichterungen für Rechenzentren, unter Verweis auf steigende Stromrechnungen der Haushalte.
  • Arizonas Gouverneurin Katie Hobbs möchte die Umsatzsteuerbefreiung des Staates vollständig abschaffen und nannte sie ein "Unternehmensgeschenk". Gesetzesentwürfe zur Aufhebung der Steuererleichterungen wurden dieses Jahr auch in Arizona, Michigan und Georgia eingebracht.
  • In Georgia verabschiedeten die Gesetzgeber einen Gesetzentwurf, der eine zweijährige Pause bei der Umsatzsteuerbefreiung für den Bau und die Ausstattung von Rechenzentren vorsah, doch Gouverneur Brian Kemp legte 2024 sein Veto ein.

Diese Entwicklungen finden statt, während Texas sich positioniert, Virginia bis 2030 als größten Rechenzentrumsmarkt der Welt abzulösen.

Die Argumente der Befürworter und Gegner

Senatorin Russet Perry, eine Demokratin aus Loudoun County, dem Gebiet mit der höchsten Konzentration an Rechenzentren weltweit, argumentiert, die Branche sei "keine kämpfende Industrie" und die Steuerbefreiung habe sich von einem Anreiz zu einer "automatischen, milliardenschweren Subvention" entwickelt. Demgegenüber betonen Gesetzgeber aus ländlichen Gebieten, wie die republikanische Senatorin Tammy Mulchi aus Mecklenburg County, dass ihre Regionen die Einnahmen aus Rechenzentren dringend benötigen und Anreize weiterhin angeboten werden sollten.

Auch die International Brotherhood of Electrical Workers (IBEW) hat sich im Statehouse für den Schutz der Rechenzentren eingesetzt. Dorian Hargrave, ein Elektriker aus Virginia, erklärte: "Wir brauchen diese Industrie. Wenn wir sie verlieren, wird unsere Wirtschaft einen sehr großen Schlag erleiden."

Ausblick auf die Entscheidung

Der Senatsvorschlag, die Steuererleichterungen zu beenden, fand parteiübergreifende Unterstützung im Senat, mit 21 Demokraten und sieben Republikanern, die dafür stimmten. Senator Richard Stuart, ein Republikaner, glaubt jedoch nicht, dass die Aufhebung der Steuererleichterung den Bauboom der Technologiebranche in Virginia verlangsamen würde: "Das wird diesen Zug kein Jota verlangsamen."

Die Gesetzgeber, die den Haushalt verhandeln, haben bis Samstag (oder dem 14. März) Zeit, sich auf einen Ausgabenplan zu einigen und diesen zu verabschieden, bevor ihre Legislaturperiode endet. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei einem geschlossenen Konferenzausschuss, der über das Schicksal des weltweit größten Rechenzentrumsmarktes entscheiden wird.