
Visa-Präsident Oliver Jenkyn: Sein 4-Stunden-Hack für Karriereerfolg
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Oliver Jenkyn, Group President beim globalen Zahlungsdienstleister Visa, hat eine ungewöhnliche, aber effektive Strategie für seine Produktivität und Karriereentwicklung enthüllt. Er reserviert jede Woche mindestens vier Stunden, um sich intensiv mit einem neuen Thema zu beschäftigen, das er noch nicht vollständig versteht. Diese feste Gewohnheit betrachtet er als einen unverhandelbaren "Big Rock" in seinem vollen Terminkalender.
Die "Big Rocks"-Philosophie im Zeitmanagement
Jenkyn vergleicht seinen Zeitplan mit einem Einmachglas, das mit großen Steinen, kleinen Kieselsteinen und Sand gefüllt wird. Die großen Steine stehen für komplexe Probleme, die Visa lösen muss, wie die Einführung eines neuen globalen Programms. Kieselsteine sind weniger komplizierte Aufgaben, etwa Preisgenehmigungen, während der Sand die "Kleinigkeiten" wie das Beantworten von E-Mails darstellt.
Seine Philosophie besagt, dass, wenn man das Glas zuerst mit Sand füllt, kein Platz mehr für die großen Steine bleibt. Daher priorisiert er die wichtigsten Punkte seiner Agenda und nimmt in Kauf, bei weniger wichtigen Aufgaben, wie der schnellen Beantwortung von E-Mails oder der Teilnahme an Praktikanten-Sitzungen, Abstriche zu machen. Jenkyn, der für Visas Geschäft in über 200 Ländern und Territorien verantwortlich ist, sieht dies als notwendige Konsequenz seiner Prioritätensetzung.
Vier Stunden wöchentliches Lernen als Priorität
Eine dieser unverhandelbaren "Big Rocks" ist die wöchentliche Lernzeit von vier Stunden. Jenkyn trägt diese Zeit als ersten Punkt in seinen rollierenden 18-Monats-Kalender ein. Typischerweise plant er sie für Freitagmorgen gegen 5:30 Uhr ein, da er sich zu dieser Zeit am "frischesten" fühlt und Anrufe, E-Mails oder Textnachrichten vermeiden kann.
"Ich trage diese Zeit als Block ein, und niemand kann sie antasten. So einfach ist das", erklärt Jenkyn. Es sei entscheidend, dem Drang zu widerstehen, in dieser Zeit andere Arbeitsaufgaben zu erledigen oder arbeitsbezogene Entscheidungen zu treffen. Das gewählte Thema muss etwas sein, das er "wirklich, wirklich, wirklich nicht verstehen kann" und das Visa sowie seine Kunden direkt oder indirekt beeinflusst.
Themenwahl und der Ursprung der Gewohnheit
Die Themen für seine wöchentlichen Lerneinheiten wählt Jenkyn aus einem langen "Denk"-Abschnitt seiner To-Do-Liste. Zu den vergangenen Studienobjekten gehörten die Millennium-Preisprobleme, die Geschichte wichtiger Unternehmen und deren strategische Wendepunkte, eine tiefgehende Analyse der Stablecoin-Technologie sowie die Geschichte der Halbleiterindustrie. Durch diese fokussierte Auseinandersetzung erreicht er den Punkt, an dem er "vor jedem auf der Welt darüber sprechen kann". Stablecoins wurden beispielsweise zu einem der Schlüsselthemen in seinen Zahlungsprognosen für 2026.
Diese Gewohnheit geht auf seine Zeit bei McKinsey zurück, wo er bis 2009 Partner war. Ein damaliger Geschäftsführer riet den Mitarbeitern, Zeit zum Nachdenken über die schwierigsten Probleme der Kunden einzuplanen, anstatt nur Folien zu erstellen. Jenkyn vergleicht die Konsequenz, mit der er diese vier Stunden einhält, mit dem Training: "Man weiß, wann man den Beintag auslässt."
Warum kontinuierliches Lernen für Führungskräfte unerlässlich ist
Für Jenkyn ist die wöchentliche Lernzeit Ausdruck eines umfassenderen Engagements für eine Kultur des kontinuierlichen Lernens. Dies spiegelt sich auch in seinen Erwartungen an potenzielle Mitarbeiter wider: Er sucht neugierige Kandidaten mit einer "rigorosen Problemlösungsfähigkeit". Wer nicht bereit sei, sich aus eigenem Antrieb weiterzubilden, passe nicht ins Unternehmen, so Jenkyn.
Der Finanzexperte, der seit über 16 Jahren bei Visa tätig ist, betont, dass diese vier Stunden kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit sind. Er ist überzeugt, dass die Fähigkeiten, die heute zum Erfolg führen, in den nächsten drei bis fünf Jahren "obsolet" sein werden. Daher sei die Entwicklung von Anpassungsfähigkeit und einer Lernkultur von entscheidender Bedeutung. Jenkyn bezeichnet die wöchentliche Lernzeit als einen "Game Changer" für seine Karriere und den "einzigen Grund", warum er seine aktuelle Position bei Visa innehat. "Es ist eine Notwendigkeit. Andernfalls wird man einfach nicht mehr relevant sein", schließt er.