
Vom Big Tech-Ingenieur zum KI-Startup-Gründer: Yuhao Xus Weg
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Yuhao Xu, ehemaliger Ingenieur bei Meta, hat den vermeintlich sicheren Karrierepfad in der Big Tech-Branche verlassen, um sein eigenes KI-Startup Kuse zu gründen. Sein Schritt spiegelt eine wachsende Spannung zwischen traditionellen Werten der Stabilität und dem Drang nach Innovation in der heutigen Tech-Welt wider. Er gibt Einblicke in die Herausforderungen und Belohnungen des Unternehmertums im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.
Der Weg zur Stabilität: Chinesische Werte und Big Tech
Yuhao Xu absolvierte sein Informatikstudium an der Zhejiang University, einer der führenden Universitäten Chinas. Für viele seiner chinesischen Kommilitonen war der Traum klar: in den USA studieren und eine Anstellung bei einem Big Tech-Unternehmen im Silicon Valley finden. Diesem Pfad folgte auch Xu.
In vielen chinesischen Familien werden Stabilität und Status tief geschätzt. Ein "stabiler Job" mit "vorhersehbarer finanzieller Sicherheit" gilt als eine gute Wahl. Yuhao Xus Eltern und Onkel führten kleine Unternehmen und wünschten sich für ihn ein stabiles Leben.
Im Jahr 2016 ging Yuhao Xu an die Carnegie Mellon University in den USA, um Software Engineering im Rahmen seines Graduiertenstudiums zu verfolgen. Dort absolvierte er ein Praktikum bei Google. Nach seinem Abschluss trat er 2018 Meta – damals noch Facebook – bei, um seine Karriere im Bereich Stories zu beginnen, wo er etwa drei Jahre tätig war.
Die Arbeit bei Google und Meta bot ihm einen starken Start. Er lernte, Produkte zu skalieren, in einem großen Unternehmen zu arbeiten und mit Menschen aus verschiedenen Kulturen zu kommunizieren. Sein erstes Projekt bei Facebook, die Optimierung eines Buttons, hatte das Potenzial, Millionen, wenn nicht Milliarden von Dollar für das Unternehmen zu generieren, da es das gesamte Layout der App und Website beeinflusste. Der Karriereweg war klar: Beförderungen, größerer Verantwortungsbereich, größere Teams und höherer Status.
Vom Ingenieur zum Unternehmer: Die Suche nach Innovation
Yuhao Xu erkannte jedoch bald, dass bahnbrechende Innovationen selten in großen Unternehmen entstehen. Diese konzentrieren sich meist auf Skalierung und die Optimierung von Metriken. Besonders im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz agieren sie tendenziell viel langsamer als Startups.
Nach seiner Zeit bei Meta kehrte er 2021 nach China zurück und wechselte zu SmartNews, einem japanischen Startup, wo er an KI-Projekten arbeitete. Die Veröffentlichung von ChatGPT im Jahr 2023 weckte in ihm den Wunsch, "interessantere Dinge" auszuprobieren. Im Jahr 2024 traf er seine Mitgründer und gemeinsam gründeten sie Kuse, ein KI-gestützter visueller Arbeitsbereich. Anfangs war das genaue Produkt noch unklar, aber es sollte definitiv um KI gehen.
Die Gründung von Kuse erfolgte kurz nach seiner Heirat. Yuhao Xu gab dafür finanzielle Sicherheit und Gewissheit auf. Seine Familie und seine Frau respektierten jedoch seine Entscheidung, Unternehmer zu werden, und unterstützten ihn.
Die Realität des Startup-Lebens: Unsicherheit und Belohnung
Wenn jüngere Menschen ihn fragen, ob sie ein Unternehmen gründen oder einem Startup beitreten sollten, lautet seine Antwort meistens "nein". Yuhao Xu ist der Meinung, dass die Risiken, insbesondere der Druck, oft unterschätzt werden. Dieser Druck beeinflusst nicht nur die Finanzen, sondern auch Beziehungen, Familie und das Privatleben.
Die meisten seiner ehemaligen Kommilitonen und Kollegen arbeiten weiterhin in Big Tech-Unternehmen im Silicon Valley. Sie verdienen viel und führen ein "gemütliches Leben". Im Startup-Leben hingegen ist Unsicherheit konstant. Marketingstrategien, technische Lösungen und kundenorientierte Produkte ändern sich monatlich. Als Startup-Gründer fühlt man sich "24/7 auf Abruf", ist immer erreichbar, immer rechenschaftspflichtig und trägt das Unternehmen mental ständig mit sich. Trotz dieser Herausforderungen ist Yuhao Xu nach eigener Aussage "viel glücklicher als zuvor".
Wirtschaftliche Dynamik: Risiko oder Sicherheit für chinesische Fachkräfte?
Die globale Wirtschaft war in den letzten fünf Jahren "holprig", was junge Menschen weltweit betrifft. In der chinesischen Gemeinschaft beobachtet Yuhao Xu zwei Extreme: Einige gehen noch mehr Risiken ein, während andere einen sichereren Job suchen.
Es ist mittlerweile normal für Chinesen, ihre Jobs aufzugeben, um Startup-Gründer zu werden. Die Einstiegshürde für die Gründung eines Startups ist dank KI niedrig geworden. Yuhao Xu betont, dass in jeder Branche "alles mit KI neu aufgebaut werden kann".
Als er seinen Abschluss an der Carnegie Mellon machte, war der Einstieg in Big Tech einfach, da "alles im Aufwind" war, Aktienkurse stiegen und Beförderungen schneller erfolgten. Seit etwa 2020 oder 2021 sind Entlassungen jedoch normal geworden. Chinesische Fachkräfte in den USA, die oft ein Visum benötigen, neigen dazu, weniger Risiken einzugehen. Andernfalls könnten sie ihren Job und damit möglicherweise das Land verlieren.