Waffenruhe im Iran-Konflikt: Märkte zwischen Hoffnung und Skepsis

Waffenruhe im Iran-Konflikt: Märkte zwischen Hoffnung und Skepsis

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Nach Wochen eskalierender Spannungen zwischen den USA und Iran sorgte eine vorläufige Waffenruhe für Erleichterung an den globalen Märkten. Doch die anfängliche Euphorie weicht schnell der Skepsis, da bereits einen Tag nach der Ankündigung erhebliche Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung des Abkommens zutage treten.

Globale Märkte reagieren mit Erleichterung auf Waffenruhe

Am Mittwoch, dem 8. April 2026, erlebten die Finanzmärkte weltweit eine deutliche Erleichterungsrallye, nachdem am Dienstag eine zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und Iran bekannt gegeben wurde. Diese Vereinbarung, die Angriffe für zwei Wochen aussetzte, ließ die Welt vor einer massiven Eskalation im Nahen Osten zurückschrecken. US-Aktienindex-Futures verzeichneten massive Gewinne, wobei die Nasdaq 100 Futures um 3,24 % stiegen. Der Dow Jones Industrial Average verzeichnete seinen besten Tag seit April 2025, und die S&P 500 Minis sprangen um 2,5 %. Auch an den asiatischen und europäischen Märkten waren Anstiege zwischen 4 % und 5 % zu verzeichnen. Der VIX, ein Maß für die Marktvolatilität, sank um fast 5 Punkte und erreichte seinen niedrigsten Stand seit über zwei Wochen.

Ölpreise stürzen ab, dann wieder Anstieg

Die Ölpreise reagierten zunächst stark auf die Nachricht der Waffenruhe. Brent-Rohöl-Futures für die Juni-Lieferung und US-West Texas Intermediate (WTI) Rohöl-Futures für die Mai-Lieferung fielen am Mittwoch um 16 % bzw. 17,6 % und näherten sich der 90-Dollar-Marke pro Barrel. Dies nährte die Hoffnung, dass die Energieversorgung aus dem Nahen Osten, insbesondere durch die strategisch wichtige Straße von Hormus, wieder aufgenommen würde. Die Straße von Hormus ist von entscheidender Bedeutung für die globalen Energieversorgungsketten und transportiert ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen.

Doch die Erholung war nur von kurzer Dauer. Nachdem Teheran die USA beschuldigte, die Waffenruhe verletzt zu haben, stiegen die Brent-Rohöl-Futures für die Juni-Lieferung und die US-West Texas Intermediate Rohöl-Futures für die Mai-Lieferung am Donnerstag im asiatischen Handel wieder an. Brent-Rohöl lag am späten Mittwochnachmittag Londoner Zeit bei 94,36 Dollar pro Barrel, während US-Rohöl bei 95,36 Dollar pro Barrel notierte. Diese Preise liegen weiterhin deutlich über dem Niveau vor Kriegsbeginn, als Brent unter 73 Dollar pro Barrel gehandelt wurde.

Risse in der "fragilen Waffenruhe"

Nur einen Tag nach der Ankündigung der vorläufigen Waffenruhe zeigten sich bereits deutliche Risse im Abkommen. Irans Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf warf den USA am Mittwoch vor, drei Punkte des 10-Punkte-Vorschlags Teherans verletzt zu haben. Zu diesen angeblichen Verstößen gehören Israels fortgesetzte Angriffe im Libanon, das Eindringen einer Drohne in den iranischen Luftraum und die Verweigerung des Rechts der Islamischen Republik auf Urananreicherung. Ghalibaf erklärte: "In einer solchen Situation sind ein bilateraler Waffenstillstand oder Verhandlungen unvernünftig."

US-Vizepräsident JD Vance äußerte sich zu Ghalibafs Vorwürfen während einer Reise in Ungarn und betonte, dass "Waffenruhen immer chaotisch sind". Er bekräftigte, dass die USA weiterhin der Ansicht seien, dass Iran kein Uran anreichern dürfe und dass das Waffenstillstandsabkommen nie auf den Libanon ausgedehnt worden sei. Vance beschrieb die Waffenruhe als "fragile Waffenruhe" und fügte hinzu, dass Präsident Trump "ungeduldig sei, Fortschritte zu erzielen".

Die Bedeutung der Straße von Hormus und die Bedingungen der Waffenruhe

Die Waffenruhe, die am Dienstag angekündigt wurde, setzte Angriffe für zwei Wochen aus und war an die Bedingung geknüpft, dass der Verkehr durch die Straße von Hormus wieder normalisiert wird. Das Weiße Haus bekräftigte am Mittwoch, dass das Abkommen die Wiedereröffnung der Straße für Schiffe "ohne Einschränkung, einschließlich Zölle" erfordere. Die ersten Schiffe haben seit der Waffenruhe die Straße von Hormus passiert, doch der Verkehr blieb inmitten der Verwirrung gering.

Präsident Donald Trump hatte die geplante Aussetzung der Angriffe auf die iranische Infrastruktur am 7. April 2026 von der "vollständigen, sofortigen und sicheren" Wiedereröffnung der Straße von Hormus abhängig gemacht. Irans Außenminister Abbas Araghchi bestätigte, dass Schiffe während der zweiwöchigen Frist sichere Passage durch die Meerenge erhalten würden, vorbehaltlich der Koordination mit den iranischen Streitkräften und technischer Überlegungen.

Experten warnen vor verfrühter Euphorie

Trotz der anfänglichen Erleichterung an den Märkten warnen Finanzexperten und Ökonomen vor verfrühter Euphorie. Mohamed El-Erian, ehemaliger Co-CIO von PIMCO, riet Anlegern, sich nicht zu früh zu entspannen. Er hob Fragen hervor, die die Wall Street wahrscheinlich bewertet, darunter, ob die Waffenruhe halten wird und ob die Straße von Hormus ohne Komplikationen wieder geöffnet werden kann. Er merkte an, dass die Volkswirtschaften weiterhin mit Energiepreisen zu kämpfen haben werden, die höher sind als vor dem Krieg.

Marko Kolanovic, ehemaliger Chef-Aktienstratege bei JPMorgan, zeigte sich noch skeptischer und schrieb auf X, dass "die Dinge nicht zusammenpassen". Er argumentierte, dass Irans 10-Punkte-Vorschlag, der die Aufhebung aller Sanktionen, die Beibehaltung der Unterstützung für Stellvertreter, die Kontrolle über Hormus und Transitgebühren als Reparationen umfasst, mit den Positionen der USA und ihrer Verbündeten unvereinbar sei. Kolanovic sieht die Waffenruhe eher als "Zeitgewinn".

David Morrison, Senior Market Analyst bei TradeNation, betonte die Unsicherheit, die die US-Märkte umgibt. Der Erfolg der Waffenruhe hänge stark von der Wiedereröffnung der Straße von Hormus und der Einhaltung der Vereinbarungsbedingungen durch Israel ab. Es gebe Spekulationen, dass Iran eine Zahlung für jedes Schiff oder jeden Tanker fordern könnte, was eine weitere Komplikation darstelle.

Kathleen Brooks, Research Director bei der Handelsplattform XTB, sagte, die Märkte würden den "fragilen Waffenstillstand" genau beobachten. Sie warnte, dass die Ölpreise wieder über 110 Dollar pro Barrel steigen könnten, falls die USA oder Iran die Waffenruhe vollständig aufgeben und die Bombardierungen wieder beginnen.

Auswirkungen auf die Geldpolitik und Inflationserwartungen

Die anfängliche Entspannung der geopolitischen Lage hatte auch Auswirkungen auf die Erwartungen an die Geldpolitik. Die Minuten der jüngsten Sitzung der Federal Reserve deuten darauf hin, dass die Beamten immer noch erwarten, die Zinssätze in diesem Jahr zu senken, was einen zusätzlichen Rückenwind für Risikoanlagen darstellen würde – vorausgesetzt, geopolitische Risiken setzen sich nicht zuerst durch.

Der Rückgang der Energiepreise am Mittwoch wurde als Entlastung für den Inflationsdruck angesehen, der Händler zuletzt über eine mögliche Zinserhöhung besorgt hatte. Die Renditen von Staatsanleihen sanken am Mittwoch, da aktuelle LSEG-Daten darauf hindeuten, dass Anleger nun erwarten, dass die Fed die Kreditkosten für den Rest des Jahres unverändert lässt. Dies markiert eine deutliche Verschiebung gegenüber dem Vormonat, als kriegsbedingte Inflationssorgen kurzzeitig dazu führten, dass einige auf Zinserhöhungen setzten und frühere Hoffnungen auf Zinssenkungen aufgaben. Jeffrey Roach, Chefökonom bei LPL Financial, merkte an, dass Verbesserungen bei der Energieversorgung dazu beitragen werden, den Preisdruck zu reduzieren, was die Anleger erfreuen dürfte.

Langfristige Risiken und Ausblick

Trotz der vorläufigen Schritte zum Frieden prognostizieren die meisten Ökonomen, dass der Ölpreis das gesamte Jahr 2026 über seinem Vorkriegsniveau bleiben wird. Die Beratungsfirma Capital Economics prognostiziert in ihrer "Baseline"-Nachkriegsprognose, dass der Ölpreis zwar sinkt, das Jahr aber immer noch bei 80 Dollar pro Barrel beenden wird. In diesem Szenario steigt die Kerninflation in den USA und Europa auf etwa 3-4 % im Jahresvergleich, während das BIP-Wachstum in den meisten großen Volkswirtschaften sich verlangsamt.

Die Unberechenbarkeit sowohl Irans als auch Donald Trumps trägt zur Unsicherheit und zum Risiko bei. Vor dem Konflikt hatten nur wenige Ökonomen vorausgesagt, dass Iran seine Drohungen zur Schließung der Straße von Hormus tatsächlich umsetzen würde. Diese anhaltende Unsicherheit könnte die Wirtschaftstätigkeit beeinträchtigen oder zumindest einen zusätzlichen Aufschlag auf die Geschäftskosten bedeuten.

Für kurzfristig orientierte Händler könnten inverse energiebezogene Exchange Traded Funds (ETFs) eine Option sein, um von fallenden Ölpreisen zu profitieren. Beispiele hierfür sind der MicroSectors U.S. Big Oil -3 Inverse Leveraged ETN (NRGD) oder der Direxion Daily Energy Bear 2X ETF (ERY). Es ist jedoch zu beachten, dass diese Produkte erhebliche Risiken bergen und nur für kurzfristige Spekulationen geeignet sind, da sie täglich neu gewichtet werden und ihre Performance über längere Zeiträume stark von der des zugrunde liegenden Index abweichen kann.