Waffenstillstand Iran: Globale Märkte jubeln, Ölpreise stürzen ab

Waffenstillstand Iran: Globale Märkte jubeln, Ölpreise stürzen ab

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Die globalen Finanzmärkte reagierten am Mittwoch mit einer deutlichen Erleichterungsrally auf die Nachricht eines vorläufigen Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran. Während die Aktienkurse weltweit kräftig zulegten, erlebten die Ölpreise den größten Einbruch seit Jahren, was die Sorgen vor einer energiegetriebenen Inflation vorerst dämpfte.

Globale Aktienmärkte im Aufwind

US-Aktien schlossen am Mittwoch deutlich höher. Der Dow Jones Index sprang im Verlauf des Handelstages um mehr als 1.300 Punkte und beendete den Handel mit einem Plus von rund 1.325 Punkten bei 47.909,92. Der S&P 500 stieg um 2,51 % auf 6.782,81, während der Nasdaq Composite um 2,80 % auf 22.634,99 zulegte. Die Wall Street verzeichnete damit ihre größte Tagesrally seit einem Jahr.

Auch die europäischen Aktienmärkte reagierten stark positiv. Der pan-europäische Stoxx 600 Index gewann 3,7 %, was den größten Tagesanstieg seit einem Jahr darstellte. In London schloss der FTSE 100 Index mit einem Plus von 2,5 % bei 10.608,9 Punkten, dem höchsten Schlussstand seit den frühen Tagen des Iran-Krieges. Es ist jedoch zu beachten, dass die Aktienkurse insgesamt immer noch unter dem Niveau liegen, das sie vor Beginn des Krieges hatten.

Sektoren profitieren, Energieaktien fallen

Die Erleichterungsrally erfasste weite Teile der Wirtschaft, von Fluggesellschaften bis hin zu Halbleiterunternehmen. Die meisten Sektoren des S&P 500 schlossen positiv, wobei Kommunikationsdienste, Industrie- und Materialwerte die größten Gewinne verzeichneten.

Besonders stark profitierten Reise- und Freizeitaktien in Europa: Air France legte um 13 % zu, die Lufthansa-Aktien sprangen um 8 % nach oben, der British Airways-Eigentümer IAG stieg um 8 %, und der Reisekonzern Tui gewann fast 10 %. Energieaktien hingegen widersetzten sich dem allgemeinen Markttrend und schlossen die Sitzung mit Verlusten. So fielen die Aktien von BP um 6 % und Shell verlor 4,7 %.

Historischer Einbruch der Ölpreise

Der vorläufige Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran führte zum größten Einbruch der Ölpreise seit Jahren. Die Ölpreise fielen unter die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel. Brent Rohöl, der internationale Standard, fiel zunächst um 16 % und notierte am späten Mittwochnachmittag Londoner Zeit um 13,5 % niedriger bei 94,36 US-Dollar pro Barrel. US-Rohöl-Futures sanken um 17,6 % und schlossen mit einem Minus von 15,5 % bei 95,36 US-Dollar pro Barrel, was den größten Tagesrückgang seit den COVID-19-Lockdowns vor sechs Jahren bedeutete. Der Preis für ein Barrel des US-Referenzrohöls sank um 16,4 % und schloss bei 94,41 US-Dollar.

Die Preise erholten sich jedoch später von ihren Tiefstständen, nachdem Berichte über israelische Angriffe im Libanon, eine angebliche Verletzung des Waffenstillstands durch Israel, die den Iran zur Einstellung der Passage von Öltankern veranlasste, und ein Angriff auf Saudi-Arabiens große Ost-West-Pipeline aufkamen. Trotz des starken Rückgangs liegen die Ölpreise weiterhin deutlich über dem Niveau vor Kriegsbeginn, als Brent unter 73 US-Dollar und US-Rohöl bei etwa 70 US-Dollar pro Barrel gehandelt wurde. Reuters berichtete, dass Anleger Stunden vor der Waffenstillstandsankündigung Wetten im Wert von 950 Millionen US-Dollar auf fallende Ölpreise platziert hatten.

Der Waffenstillstand: Hoffnung und Unsicherheit

US-Präsident Donald Trump hatte weniger als 90 Minuten vor Ablauf einer von ihm gesetzten Frist angekündigt, von seinen Drohungen gegen den Iran abzusehen, unter der Bedingung, dass Teheran einem zweiwöchigen Waffenstillstand zustimmt und die Straße von Hormus wieder öffnet. Kurz darauf bestätigte der Nationale Sicherheitsrat des Iran, einen zweiwöchigen Waffenstillstand akzeptiert zu haben, sofern die Angriffe gegen den Iran eingestellt würden. Teheran kündigte an, dass Friedensverhandlungen mit den USA am Freitag in Islamabad beginnen würden.

Die Straße von Hormus ist eine wichtige Durchgangsroute für Ölexporte aus dem Persischen Golf. Obwohl das Weiße Haus am Mittwoch von einem Anstieg des Schiffsverkehrs durch die Meerenge sprach, haben unabhängige Analysten bisher keine Veränderung im Verkehr festgestellt. Die Unsicherheit über die Dauerhaftigkeit des Waffenstillstands bleibt hoch. Kathleen Brooks, Forschungsdirektorin bei der Handelsplattform XTB, merkte an, dass die Märkte den fragilen Waffenstillstand genau beobachten würden. Sie warnte: "Nur wenn die USA oder der Iran den Waffenstillstand vollständig aufkündigen und die Bombardierungen wieder beginnen, sehen wir den Ölpreis potenziell wieder auf die Höchststände dieser Woche über 110 Dollar pro Barrel für Brent-Rohöl steigen, was auch zu einem Einbruch von Aktien und Anleihen führen könnte."

Takashi Hiroki, Chefstratege bei MONEX, kommentierte die Lage mit den Worten: "Es gibt Grund zum Optimismus, aber es ist noch zu früh, um das zu sagen, denn, wie Sie wissen, ist es schließlich Trump." Brian Jacobsen, Chefökonom bei Annex Wealth Management, fragte sich, ob es sich lediglich um ein "Hinauszögern der Entscheidung" handele, nur um später wieder Spannungen und Angriffe zu erleben. Er fügte hinzu: "Wer weiß? Aber es ist vorerst gut genug, um eine positive Reaktion der Märkte hervorzurufen."

CNN Fear & Greed Index signalisiert weiterhin "Angst"

Trotz der deutlichen Markterholung zeigte der CNN Money Fear & Greed Index am Mittwoch eine leichte Entspannung des allgemeinen Angstniveaus, verblieb aber weiterhin in der "Angst"-Zone. Mit einem aktuellen Wert von 30,7 lag der Index über dem vorherigen Wert von 27,6.

Der Fear & Greed Index misst die aktuelle Marktstimmung und basiert auf der Annahme, dass höhere Angst die Aktienkurse unter Druck setzt, während höhere Gier den gegenteiligen Effekt hat. Der Index wird anhand von sieben gleich gewichteten Indikatoren berechnet und reicht von 0 (maximale Angst) bis 100 (maximale Gier).

Wirtschaftliche Daten: Hypothekenanträge fallen weiter

Abseits der geopolitischen Entwicklungen zeigten die jüngsten Wirtschaftsdaten, dass die US-Hypothekenanträge in der Woche bis zum 3. April um 0,8 % gegenüber der Vorwoche zurückgingen. Dies folgt auf einen kumulierten Rückgang von 28,5 % in den drei vorangegangenen Wochen.