Wall Street: Centerview Partners einigt sich in Klage um Arbeitskultur

Wall Street: Centerview Partners einigt sich in Klage um Arbeitskultur

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Die Investmentbank Centerview Partners und die ehemalige Junior-Bankerin Kathryn Shiber haben sich außergerichtlich geeinigt. Damit endet eine vielbeachtete Klage, die die Arbeitskultur an der Wall Street in den Fokus rückte und deren Verhandlung am Montag vor einem Bundesgericht in Manhattan beginnen sollte. Die Einigung verhindert ein Urteil über die Forderung nach angemessenen Schlafzeiten und Arbeitsbedingungen in der Finanzbranche.

Einigung im Fall Shiber: Ende eines brisanten Prozesses

Der Vergleich zwischen Centerview Partners und Kathryn Shiber wurde kurz vor dem geplanten Prozessbeginn erzielt. Die Bedingungen der Einigung wurden nicht öffentlich bekannt gegeben. Durch diese Entwicklung wird eine Jury nicht über die Fragen der langen Arbeitszeiten und der Arbeitsplatzanpassungen an der Wall Street entscheiden. Zudem müssen hochrangige Banker, darunter Tony Kim, Co-Präsident der Investmentbank, nicht in den Zeugenstand treten.

Die Kernvorwürfe: Behinderung und Arbeitskultur

Im Mittelpunkt der Klage standen Vorwürfe, dass die Boutique-Investmentbank im Jahr 2020 gegen Gesetze zur Diskriminierung von Menschen mit Behinderung verstoßen habe. Shiber wurde entlassen, nachdem sie angab, aufgrund einer zugrunde liegenden Stimmungs- und Angststörung acht bis neun Stunden Schlaf pro Nacht zu benötigen. Sie forderte eine entsprechende Arbeitsplatzanpassung.

Centerview Partners bestritt jegliches Fehlverhalten. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte gegenüber Business Insider, dass Shibers rechtliche Ansprüche unbegründet seien und man zuversichtlich gewesen sei, vor Gericht zu gewinnen. Man sei jedoch froh, diese "Ablenkung" hinter sich zu lassen. Shiber hatte wegen Diskriminierung aufgrund einer Behinderung nach Bundes- und Landesrecht geklagt und forderte Millionen von Dollar Schadenersatz, einschließlich entgangener Einkünfte und Schmerzensgeld.

Ein Blick hinter die Kulissen: Wall Streets extreme Arbeitszeiten

Gerichtsakten und Zeugenaussagen in dem Fall boten einen seltenen Einblick in die zermürbenden Anforderungen an Junior-Analysten. Diese Berufseinsteiger, oft frisch von der Universität, arbeiten typischerweise zwischen 60 und 120 Stunden pro Woche. In einigen Projekten sei sogar von 24-Stunden-Arbeitstagen die Rede gewesen. E-Mails zwischen Shiber und ihren Vorgesetzten verdeutlichten die unvorhersehbare Natur des Jobs, wobei ein Associate in einem Austausch schrieb, dass "es immer mehr für Sie zu tun geben wird".

Shiber trat Centerview im Juli 2020 bei und wurde einem aktiven Deal namens "Project Dragon" zugeteilt. Nachdem sie mehrere Tage hintereinander bis etwa 2 Uhr morgens gearbeitet hatte, meldete sie sich an einem Freitag gegen 1 Uhr morgens ab, ohne dies zuvor dem Team mitzuteilen. Nach Kontaktaufnahme mit der Personalabteilung gewährte die Bank ihr eine Arbeitsplatzanpassung von Mitternacht bis 9 Uhr morgens, entließ sie jedoch Wochen später. Berichten zufolge soll der COO von Centerview die damals 21-jährige Shiber gerügt haben mit den Worten: "Warum haben Sie sich überhaupt bei einer Investmentbank beworben, wenn Sie eine Pause brauchen?"

Die Haltung von Centerview und die breitere Debatte

Centerview argumentierte in Gerichtsdokumenten, dass es eine wesentliche Eigenschaft der Tätigkeit von Junior-Bankern sei, unvorhersehbar lange Stunden zu arbeiten. Es gäbe keine zumutbare Anpassung für Mitarbeiter, die 8-9 Stunden festen Schlaf pro Nacht benötigen. Die "Bereitschaft, jederzeit zur Arbeit gerufen zu werden", sei eine Kernkompetenz.

Dieser Fall befeuerte eine Debatte über die "Grind Culture" an der Wall Street, die bereits durch einen Bericht von Goldman Sachs-Mitarbeitern im Jahr 2021 über 100-Stunden-Wochen angeheizt wurde. Führungskräfte wie Peter Orszag von Lazard betonen, dass man "um den Anstrengungsteil" des Investmentbankings nicht herumkomme. Jamie Dimon von JPMorgan Chase beklagte sich über die mangelnde Erreichbarkeit an Homeoffice-Freitagen. Juristen wie Catherine McFarlane von der Syracuse University School of Law halten es hingegen für "etwas absurd", zu argumentieren, dass eine 24-Stunden-Bereitschaft eine legitime Erwartung sei.

Auswirkungen und die Zukunft der Arbeitswelt an der Wall Street

Die Einigung bedeutet, dass keine gerichtliche Entscheidung über die Legitimität der extremen Arbeitszeiten und die Notwendigkeit von Arbeitsplatzanpassungen an der Wall Street getroffen wird. Dies könnte verhindern, dass ein Präzedenzfall geschaffen wird, der die Arbeitsbedingungen in der Branche grundlegend verändert.

Gleichzeitig wirft der Fall Fragen über die Zukunft der Arbeitswelt in der Finanzbranche auf. Mit dem Aufkommen von Künstlicher Intelligenz, die viele der von Junior-Bankern ausgeführten Aufgaben wie die Aufbereitung von Präsentationen oder die Datenerfassung übernehmen könnte, stellt sich die Frage, ob die dadurch gewonnene Zeit für mehr Schlaf oder einfach für mehr Deals genutzt wird. Die Diskussion um eine bessere Work-Life-Balance an der Wall Street bleibt somit weiterhin aktuell.

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