
Washington State: Rekordfluten bedrohen Wirtschaft und Infrastruktur
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Der US-Bundesstaat Washington bereitet sich auf verheerende Überschwemmungen vor, die durch einen atmosphärischen Fluss ausgelöst werden. Tausende Bewohner stehen vor Evakuierungen, während Flüsse historische Pegelstände erreichen und erhebliche wirtschaftliche Schäden für Haushalte und Unternehmen befürchtet werden.
Aktuelle Lage und Evakuierungen
Nach einer ersten Sturmfront traf eine neue Welle heftiger Regenfälle den Westen Washingtons. Ein atmosphärischer Fluss lässt die Flüsse auf Rekordniveau anschwellen, wobei in einigen Gebieten, darunter das landwirtschaftlich wichtige Skagit River Valley nördlich von Seattle, mit schweren Überschwemmungen gerechnet wird. Gouverneur Bob Ferguson rief am Mittwoch einen landesweiten Notstand aus und schätzte, dass bis zu 100.000 Einwohner Washingtons Evakuierungsbefehle erhalten könnten. Er warnte: "Menschenleben werden in den kommenden Tagen auf dem Spiel stehen."
Der Nationale Wetterdienst (NWS) warnte vor der Möglichkeit "katastrophaler Überschwemmungen", insbesondere entlang des Skagit und Snohomish Rivers. Die National Oceanic and Atmospheric Association (NOAA) prognostizierte 18 große und 15 moderate Überschwemmungen im Bundesstaat. Gent Welsh, Generaladjutant der Washington National Guard, kündigte den Einsatz Hunderter Gardemitglieder zur Unterstützung der Gemeinden an. In Städten wie Mount Vernon, Orting und Sumas wurden bereits Evakuierungen angeordnet oder Warnungen ausgesprochen.
Historische Pegelstände und Infrastrukturrisiken
Der Skagit River wird voraussichtlich am frühen Donnerstag in der Bergstadt Concrete einen Höchststand von etwa 47 Fuß und am frühen Freitag in Mount Vernon von etwa 41 Fuß erreichen. Diese Prognosen sind laut Beamten des Skagit County "rekordverdächtig um mehrere Fuß". Bürgermeister Peter Donovan aus Mount Vernon sprach von einem "zunehmend schlimmsten Szenario".
Die Stadt Mount Vernon, die größte im County mit rund 35.000 Einwohnern, ist seit Jahrzehnten von Überschwemmungen betroffen. Obwohl eine 2018 fertiggestellte Hochwasserschutzmauer das Stadtzentrum schützt, besteht die Sorge, dass die erwarteten historischen Pegelstände die Mauer übersteigen könnten. Ellen Gamson, Geschäftsführerin der Mount Vernon Downtown Association, äußerte Bedenken hinsichtlich des Drucks auf das Deichsystem: "Die Sorge um diese Art von Druck auf das Deich- und Dammsystem ist real. Es könnte potenziell katastrophal sein."
Zusätzlich zu den Flussüberschwemmungen sind Erdrutsche ein erhebliches Problem. Ein Erdrutsch blockierte Teile der Interstate 90 östlich von Seattle, wobei Fahrzeuge von Baumstämmen, Ästen, Schlamm und stehendem Wasser eingeschlossen wurden. Auch ein bergiger Abschnitt des U.S. 2 wurde aufgrund von Geröll, Bäumen und Schlamm gesperrt, ohne dass Umleitungen oder eine geschätzte Wiedereröffnungszeit verfügbar waren.
Wirtschaftliche Auswirkungen für Bewohner und Unternehmen
Die drohenden Überschwemmungen haben bereits spürbare wirtschaftliche Auswirkungen. Bewohner wie Jake Lambly (45) aus Index, Snohomish County, bereiten sich auf das Schlimmste vor, indem sie Sandsäcke stapeln und Wertgegenstände in höhere Stockwerke bringen. Lambly äußerte seine Sorge um sein Zuhause: "Das ist mein einziges Vermögen. Ich habe nichts anderes."
Auch Unternehmen im Zentrum von Mount Vernon treffen Vorkehrungen. Ellen Gamson berichtete, dass viele Geschäftsinhaber Tische mieteten, um ihre Waren höher vom Boden zu lagern. Sheena Wilson, Inhaberin eines Blumenladens, stapelte Sandsäcke vor den Türen und räumte Gegenstände vom Boden. Die Schließung des Grenzübergangs in Sumas für den kommerziellen Verkehr zur Erleichterung von Evakuierungen zeigt zudem die weitreichenden Störungen für Logistik und Handel. Die landwirtschaftliche Nutzung des Skagit River Valleys deutet auf potenzielle Schäden für die Agrarwirtschaft hin.
Klimawandel und zukünftige Risiken
Harrison Rademacher, Meteorologe beim Wetterdienst in Seattle, beschrieb den atmosphärischen Fluss als einen "Jetstream aus Feuchtigkeit", der sich über den Pazifik erstreckt und "mit der Düse direkt entlang der Küste von Oregon und Washington drückt". Wissenschaftler weisen darauf hin, dass der Klimawandel mit intensiveren Niederschlägen in Verbindung gebracht wird. Obwohl eine direkte Verbindung eines einzelnen Wetterereignisses zum Klimawandel ohne spezifische Studien nicht hergestellt werden kann, ist der Klimawandel im Allgemeinen für intensivere und häufigere extreme Stürme, Dürren, Überschwemmungen und Waldbrände verantwortlich.
Ein weiteres Sturmsystem wird voraussichtlich ab Sonntag mehr Regen bringen, und Rademacher bemerkte, dass das Wetter "bis zu den Feiertagen ziemlich unbeständig aussieht", was auf anhaltende Risiken hindeutet.
Ausblick
Die Bewohner und Behörden Washingtons stehen vor einer kritischen Phase. Die unmittelbaren Herausforderungen umfassen die Sicherheit der Bevölkerung, die Bewältigung der Überschwemmungen und die Sicherung von Eigentum. Langfristig werden die finanziellen Kosten für Reparaturen an Infrastruktur und privaten Schäden sowie die Anpassung an häufigere und intensivere Extremwetterereignisse eine erhebliche Belastung darstellen. Die Ereignisse unterstreichen die wachsende Notwendigkeit, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels in die Finanzplanung einzubeziehen.