Wells Fargo: Bankaktien vor Wende trotz globaler Risiken

Wells Fargo: Bankaktien vor Wende trotz globaler Risiken

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Nach einem herausfordernden Jahresauftakt für Bankaktien sendet Wells Fargo eine klare Botschaft an Anleger: Die jüngste Underperformance könnte eine Fehleinschätzung sein und sich bald umkehren. Mike Mayo, Managing Director und Head of U.S. Large-Cap Bank Research bei Wells Fargo Securities, sieht in starken Q1-Ergebnissen, einer "einmaligen Deregulierung" und einem günstigen Kapitalmarktumfeld die Katalysatoren für eine Trendwende.

Bankaktien unter Druck: Eine Fehleinschätzung?

Der KBW Nasdaq Bank Index verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Rückgang von 6%, die schlechteste Quartalsperformance seit der regionalen Bankenkrise von 2023, wie Bloomberg berichtete. Dies folgte auf ein starkes Jahr 2025, in dem derselbe Index um 29% zulegte und damit sowohl den S&P 500 als auch den Nasdaq 100 übertraf.

Der jüngste Rückgang wurde durch eine Kombination von Faktoren ausgelöst. Der US-Iran-Krieg und seine Auswirkungen auf Ölpreise und Inflation schürten Bedenken hinsichtlich der Wirtschaftsaussichten. Auch Ängste im Zusammenhang mit Private Credit verunsicherten die Stimmung der Anleger. Diese Faktoren drängten Investoren von einem Sektor weg, der zu Jahresbeginn nahe Rekordhochs gehandelt wurde. So fielen die Aktien von Goldman Sachs im Jahresverlauf um etwa 11% und Wells Fargo um über 20%.

Die Argumente für eine Trendwende

Mike Mayo argumentiert, dass der Ausverkauf eher eine Chance als ein Warnsignal darstellt. Auf dem aktuellen Niveau hätten sich die Bewertungen so weit zurückgesetzt, dass die Gewinne die Hauptlast tragen können.

Q1-Ergebnisse als Katalysator

Die bevorstehenden Q1-Ergebnisse sind der unmittelbare Katalysator. Goldman Sachs berichtet am 13. April, gefolgt von JPMorgan, Citigroup und Wells Fargo am 14. April, während Bank of America und Morgan Stanley die Woche am 15. April abschließen. Die Zahlen werden voraussichtlich stark ausfallen:

  • Citigroup: Der Gewinn pro Aktie (EPS) wird voraussichtlich um 34,2% gegenüber dem Vorjahr steigen.
  • Wells Fargo: Der EPS wird voraussichtlich um 23,6% zulegen.
  • JPMorgan: Es wird ein Gewinn von 5,41 US-Dollar pro Aktie prognostiziert, ein Anstieg von 6,7% gegenüber dem Vorjahr.

Regulierungsabbau und Deal-Aktivität

Mayo erwartet zudem drei Jahre starkes Gewinnwachstum für Banken. Ein leichteres Regulierungsumfeld biete den größten Kreditgebern mehr Flexibilität bei der Kapitalallokation, bei Geschäftsabschlüssen und der Bilanzstrategie. Er beschreibt die Deregulierung als eine "einmalige Gelegenheit".

Auch die Deal-Aktivität stützt die Entwicklung. Reuters berichtete, dass im ersten Quartal weltweit 24 Mega-Deals im Wert von über 10 Milliarden US-Dollar sowie 40 Deals über 5 Milliarden US-Dollar abgeschlossen wurden. Dieses Aktivitätsniveau wirkt sich direkt auf die Investmentbanking-Einnahmen der größten Kreditgeber aus.

Mayo's Top-Picks und ihre Begründung

Mayo hebt Citigroup, JPMorgan Chase, Goldman Sachs, State Street und BNY als wahrscheinliche "Flight-to-Quality"-Profiteure hervor. Er erwartet, dass Anleger sich den größten und liquidesten Namen zuwenden werden.

  • Citigroup: Mayos Top-Pick für 2026. Er prognostiziert, dass die Bank ihr "regulatorisches Fegefeuer" verlassen wird und die Aktie bis 2028 ihren Wert verdoppeln könnte. Richard Ramsden, Analyst bei Goldman Sachs, erhöhte sein Kursziel für Citigroup separat von 123 auf 137 US-Dollar und bekräftigte eine Kaufempfehlung, da der Rückgang im Jahresverlauf einen attraktiveren Einstiegspunkt geschaffen habe.
  • JPMorgan: Von Mayo als "best-in-class" bezeichnet, wird die Bank nur zum 60% des Kurs-Gewinn-Verhältnisses des Marktes gehandelt.
  • PNC Financial Services und KeyCorp: Mayo erwartet, dass diese Banken im ersten Quartal ihre Konkurrenten beim Kreditwachstum übertreffen werden.

Risiken und Vorsichtsmaßnahmen

Mayo räumt ein, dass Risiken bestehen. Er senkte seine Q1-Schätzungen für Großbanken am 27. März um 4%, unter Verweis auf "ein gewisses Maß an Lähmung durch politische Unsicherheit". Seine Ansicht zu den Kapitalmärkten ist, dass die Erholung "verzögert, aber nicht tot" sei. Er räumte jedoch ein, dass die politische Unsicherheit seine Überzeugung auf die Probe stelle und den Zeitplan weiter strecken könnte.

Die breitere Sorge ist bekannt: Bankaktien erscheinen während Ausverkäufen oft günstig. Günstige Bewertungen allein garantieren jedoch keine Rallye. Anleger werden tatsächliche Gewinnnachweise und klarere politische Signale wünschen, bevor sie mehr Kapital in den Sektor investieren.

Wells Fargo Investment Institute: Breitere Wirtschaftsperspektive

Das Wells Fargo Investment Institute sieht die frühen Monate des Jahres als volatil für Aktien- und Anleihenmärkte. Trotz geldpolitischer und globaler Konfliktwirkungen wird nicht erwartet, dass diese die positiven Entwicklungen, auf die sich das Institut seit Anfang 2026 konzentriert, entgleisen lassen. Es wird ein Jahr erwartet, in dem Gewinne und der S&P 500 Index (SPX) erneut Rekordhöhen erreichen, während längerfristige Anleiherenditen moderat steigen.

Der Iran-Krieg wird als "800-Pfund-Gorilla im Raum" bezeichnet. Die Ölpreise sind stark gestiegen, und der nationale Durchschnittspreis für einen Gallone Benzin in den USA stieg seit Beginn des Konflikts am 28. Februar von 3,52 auf 4,80 US-Dollar, ein Anstieg von 36%. Dieselkraftstoff stieg im gleichen Zeitraum um fast 42%. Diese deutlich höheren Kraftstoffpreise können sich auf alles auswirken, von den diskretionären Konsumausgaben bis zu den Preisen für Grundnahrungsmittel.

Das Wells Fargo Investment Institute geht jedoch davon aus, dass der Iran-Krieg von begrenzter Dauer sein wird und die Kraftstoffpreise wieder sinken werden, sobald der Tankerverkehr in der Straße von Hormus wieder normalisiert ist. Trotzdem wird der Anstieg der Ölpreise Zeit brauchen, um sich durch die Lieferketten zu arbeiten. Glücklicherweise sollen andere Trends, wie die Disinflation bei Mietpreisen, den Inflationsanstieg moderieren. Die Erwartungen für den Verbraucherpreisindex (CPI) zum Jahresende wurden auf 3,1% von zuvor 2,8% angehoben.

Die US-Wirtschaftswachstumsschätzung wurde aufgrund der höheren Preise und der negativen Auswirkungen auf die Konsumausgaben auf 2,6% (von zuvor 2,9%) gesenkt. Die Federal Reserve wird voraussichtlich 2026 keine Zinssenkungen vornehmen. Unterstützende Faktoren für Wirtschaft, Gewinne und Beschäftigung sind weiterhin starke Investitionen im Bereich Künstliche Intelligenz, Steuerrückerstattungen für Verbraucher im Frühjahr und ein erheblicher Regulierungsabbau.

Fazit für Anleger

Mayos Einschätzung ist ein klares bullisches Signal, das jedoch an spezifische Auslöser geknüpft ist. Die Q1-Ergebnisse sind der Test. Bestätigen die Ergebnisse seine These, könnte die aktuelle Schwäche als Ausgangspunkt für den nächsten Aufwärtstrend dienen. Enttäuschen sie, könnte die heute attraktiv erscheinende Bewertungsanpassung einfach bestehen bleiben.

Die Deregulierung ist der längerfristige Fall. Mayo glaubt, dass Anleger die strukturellen Veränderungen noch unterschätzen. Für Anleger mit einem mehrjährigen Horizont könnte der Sektor mehr Aufwärtspotenzial bieten, als die jüngste Kursentwicklung vermuten lässt. Die kommenden Wochen der Ergebnisberichte werden das klarste Signal dafür sein, ob diese Erholung real oder verfrüht ist. Es ist wichtig zu beachten, dass alle Prognosen und Schätzungen auf Annahmen basieren und Risiken, einschließlich des möglichen Kapitalverlusts, mit jeder Investition verbunden sind.

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