
Whatnot unter Beschuss: Vorwürfe illegalen Glücksspiels bei Sportkarten-Breaks
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Die Livestream-Shopping-Plattform Whatnot steht im Zentrum einer Kontroverse: Ihr wird vorgeworfen, ein illegales Glücksspiel zu betreiben und gegen den RICO Act zu verstoßen. Kunden behaupten, dass die auf der Plattform angebotenen zufälligen "Box Breaks" und "Repack Breaks" von Sportkarten als illegale Lotterien und Glücksspiel einzustufen sind. Diese Anschuldigungen werfen ernste Fragen zum Verbraucherschutz im boomenden Sammelkartenmarkt auf.
Schwere Vorwürfe gegen Whatnot
Whatnot, eine der größten Online-Live-Verkaufsplattformen, sieht sich mit Klagen konfrontiert, die das Unternehmen als "unreguliertes Online-Casino" bezeichnen. Der St. Louis-basierte Anwalt Paul Lesko hat 15 Schiedsklagen eingereicht und vertritt 30 Mandanten, die Whatnot vorwerfen, ein illegales Glücksspielsystem zu betreiben. Die Kläger fordern die rechtliche Anerkennung dieser Praktiken als illegales Glücksspiel.
Die Vorwürfe umfassen auch Verstöße gegen den RICO Act, ein US-amerikanisches Gesetz zur Bekämpfung organisierter Kriminalität. Lesko argumentiert, dass Whatnot dieselben Schutzmechanismen wie Online-Casinos implementieren sollte, um Nutzer vor Glücksspielsucht zu schützen.
Die umstrittenen "Breaks" im Detail
Im Kern der Anschuldigungen stehen die sogenannten "Box Breaks" und "Repack Breaks". Bei Box Breaks werden versiegelte Pakete von Sammelobjekten live geöffnet, wobei die Teilnehmer zufällig Anteile an den Inhalten erwerben. Repack Breaks beinhalten neu verpackte, oft bereits geöffnete Karten – typischerweise bewertete Slabs – die ebenfalls zufällig an Käufer verteilt werden.
Laut den Klägern verstoßen die zufälligen Box Breaks gegen das kalifornische Verbot illegaler Lotterien, während die Repack Breaks als illegale "Grab Bag"-Lotterien gelten. Paul Lesko betont, dass zufällige Karten-Breaks, die durch casinoähnliche Spiele wie Rad-Drehungen oder Würfelwürfe initiiert werden, "illegales Glücksspiel" darstellen. Jason Masherah, Präsident von Upper Deck, äußerte sich ebenfalls kritisch und bezeichnete die aktuelle Durchführung von Repacks als "reines Glücksspiel".
Forderungen nach Verbraucherschutz und Transparenz
Die Kläger fordern nicht nur Entschädigung und Schadenersatz, sondern auch gerichtliche Anordnungen, die Whatnot dazu verpflichten würden, Warnhinweise hinzuzufügen und Verbraucherschutzmaßnahmen einzuführen. Dazu gehören Ausgabenlimits oder Tools zur Selbstsperre, sowie die Einstellung der zufälligen Box- und Repack-Breaks.
Lesko zufolge setzen sich Verbraucher ohne entsprechende Schutzmaßnahmen Risiken von unfairen und betrügerischen Aktivitäten sowie Suchtproblemen aus. Es wird zudem behauptet, dass Whatnot das Plattformwachstum über den Schutz des Hobbys priorisiert und selbst bei bekannt gewordenen Problemen oft keine dauerhaften Sperren für Verkäufer verhängt.
Whatnot weist Anschuldigungen zurück
Whatnot hat die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. In einer Stellungnahme gegenüber The Athletic erklärte das Unternehmen: "Glücksspiel ist auf Whatnot nicht erlaubt, und wir setzen diese Richtlinie strikt durch." Weiterhin wurde betont, dass "Card Breaks" ein seit Generationen etabliertes Format im Sammelbereich seien, das in Kartenläden, auf Conventions und in Communities floriere.
Das Unternehmen gab an, dass Verkäufer, die "Breaks" anbieten, nur vier Prozent der gesamten Verkäufer auf der Plattform ausmachen. Whatnot habe sich bemüht, diese Erfahrung online so zu gestalten, dass alle Beteiligten zur Rechenschaft gezogen werden. Eine Anfrage von Benzinga für eine Stellungnahme blieb jedoch unbeantwortet.
Die Rolle der Schiedsverfahren und neue Bedingungen
Die Nutzungsbedingungen von Whatnot sehen vor, dass Streitigkeiten über private Schiedsverfahren gelöst werden müssen. Nutzer haben jedoch ein 30-tägiges Zeitfenster, um sich abzumelden und das Recht auf gerichtliche Schritte zu behalten. Anwalt Lesko hat sich entschieden, den normalerweise privaten Schiedsprozess öffentlich zu machen.
Dies geschieht, weil Whatnot im März seine Schiedsvereinbarung geändert hat. Während zuvor Whatnot die Kosten für das Schiedsverfahren trug (nach einer anfänglichen Anmeldegebühr des Nutzers), sollen die Gebühren nun zwischen dem Unternehmen und dem Verbraucher aufgeteilt werden. Lesko hält diese neue Bestimmung für rechtswidrig und befürchtet, dass sie für Personen mit kleineren Ansprüchen ein großes Hindernis darstellen wird. Die 30-tägige Opt-out-Frist für die neuen Bedingungen begann am 4. März 2026.
Ein Blick auf Whatnots Geschäftszahlen
Trotz der rechtlichen Herausforderungen verzeichnete Whatnot ein beeindruckendes Wachstum. Im Jahr 2025 meldete das Unternehmen Bruttowarenverkäufe von über 8 Milliarden US-Dollar, was einer Verdoppelung der Leistung von 2024 entspricht. Im selben Jahr eröffneten über 20 Millionen Nutzer neue Konten auf der Plattform.
Sportkarten waren die Top-Kategorie auf Whatnot, mit mehr als 6,4 Millionen gekauften Karten pro Monat. Insgesamt wurden im letzten Jahr über 76 Millionen Sportkarten über die Plattform verkauft.
Branchenweite Implikationen
Die Anschuldigungen gegen Whatnot werfen ein Schlaglicht auf wachsende Bedenken hinsichtlich des Potenzials für Glücksspiel und Sucht im Sammelkarten-Hobby, das in den letzten Jahren einen Popularitätsschub erlebt hat. Der Fall könnte weitreichende Auswirkungen auf die Legalität bestimmter Verkaufspraktiken in der gesamten Sportkartenbranche haben und die Diskussion über die Regulierung von Live-Shopping-Plattformen neu entfachen.