
WM 2026: Geopolitische Spannungen, Reisehürden und finanzielle Fallstricke
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Die bevorstehende FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026, die erstmals von drei Nationen – den USA, Mexiko und Kanada – ausgerichtet wird, verspricht das größte Turnier der Geschichte zu werden. Mit einem erweiterten Format von 48 teilnehmenden Ländern steht das globale Fußballereignis jedoch vor beispiellosen geopolitischen und finanziellen Herausforderungen, die weit über das Spielfeld hinausreichen. Lindsay Sarah Krasnoff, Historikerin und Professorin am Tisch Institute for Global Sport der New York University, bezeichnet die aktuelle geopolitische Lage als "ziemlich einzigartiges Terrain" ohne klaren modernen Präzedenzfall.
Geopolitische Spannungen und die Gastgeberländer
Die Beziehungen zwischen den drei Gastgebernationen sind von erheblichen Spannungen geprägt. Seit seiner Rückkehr ins Amt hat US-Präsident Donald Trump Zölle gegen die USA und Kanada im Rahmen seines Handelskrieges verhängt und seine Rhetorik gegenüber beiden Ländern verschärft. Er forderte Kanada sogar auf, der 51. US-Bundesstaat zu werden, und bezeichnete den kanadischen Premierminister Mark Carney als "zukünftigen Gouverneur".
Auch gegenüber Mexiko äußerte Trump harsche Forderungen. Obwohl er angibt, sich mit der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum gut zu verstehen, versuchte er, sie davon zu überzeugen, US-Truppen zur Bekämpfung von Drogenkartellen in Mexiko einzusetzen. Sheinbaum lehnte dies als Affront gegen die Souveränität ihres Landes ab. Trump kommentierte im Juli: "Die Präsidentin von Mexiko ist eine liebenswerte Frau, aber sie hat solche Angst vor den Kartellen, dass sie nicht einmal klar denken kann." Die Tatsache, dass die drei Länder im Juli während des Turniers ihr trilaterales Handelsabkommen USMCA überprüfen wollen, verleiht der Situation zusätzliches Gewicht.
Der Iran-Konflikt und die WM-Teilnahme
Ein weiterer kritischer Punkt ist der Iran-Krieg, der auf US-Angriffe auf iranische Nuklearanlagen im vergangenen Juni folgte. Es ist das erste Mal, dass ein Gastgeberland der Weltmeisterschaft aktiv mit einer teilnehmenden Nation im Krieg steht. Obwohl derzeit ein Waffenstillstand besteht, ist die Dynamik äußerst angespannt. Iran war die erste Nation, die sich für die diesjährige Weltmeisterschaft qualifizierte, doch die Teilnahme des Landes war bereits vor den US-amerikanischen und israelischen Angriffen im Februar unsicher.
Im Dezember boykottierte Iran die Auslosung der Weltmeisterschaft in Washington, nachdem die USA mehreren Mitgliedern seiner Delegation, einschließlich des Nationalmannschaftstrainers, Visa verweigert hatten. Nach Kriegsbeginn und der Ermordung des iranischen Obersten Führers Ali Khamenei durch die USA erklärte Irans Sportminister Anfang März im Staatsfernsehen, dass das Land nicht am Turnier teilnehmen könne. "Angesichts der Tatsache, dass diese korrupte Regierung unseren Führer ermordet hat, können wir unter keinen Umständen an der Weltmeisterschaft teilnehmen", sagte er laut ESPN. Trump konterte später auf Truth Social, dass das iranische Team willkommen sei, aber: "Ich glaube wirklich nicht, dass es angemessen ist, dass sie dort sind, zu ihrem eigenen Leben und ihrer Sicherheit." Iran beantragte, seine Gruppenspiele, die alle in den USA stattfinden sollen, nach Mexiko zu verlegen. Die FIFA lehnte diesen Antrag ab, wobei FIFA-Präsident Infantino in einem Interview darauf bestand, dass Iran "sicher kommen" werde.
Reisebeschränkungen und finanzielle Hürden für Fans und Teams
Die Teilnahme am Turnier wird nicht nur für den Iran, sondern auch für viele andere Nationen durch die US-Reisebestimmungen erschwert. Seit Juni letzten Jahres hat die Trump-Regierung ein Reiseverbot erlassen, das Bürgern aus neunzehn Ländern die Einreise in die Vereinigten Staaten ganz oder teilweise untersagt. Im Januar 2026 wurde die Bearbeitung von Einwanderungsvisa für 75 Länder eingestellt. Obwohl die Regierung zunächst Ausnahmen für Athleten, Trainer und Betreuer der Weltmeisterschaft und der Olympischen Sommerspiele 2028 ankündigte, stellte das Außenministerium später klar, dass "nur eine kleine Untergruppe von Reisenden" für eine solche Befreiung in Frage käme. Dies deutet darauf hin, dass Fans, ausländische Zuschauer, Medien und Unternehmenssponsoren aus den betroffenen Ländern wahrscheinlich nicht teilnehmen können.
Bislang fallen vier qualifizierte Teams unter Trumps Reiseverbot: Haiti, Iran, die Elfenbeinküste und Senegal. Fans aus diesen Ländern können nicht an den in den USA ausgetragenen WM-Spielen teilnehmen. Viele weitere qualifizierte Länder stehen auf der Visasperrliste der Trump-Regierung, darunter Ägypten, Ghana, Jordanien, Marokko, Uruguay und Usbekistan, was jedoch nur für Einwanderungsvisa gilt. Ted Alden, Einwanderungsexperte des Council on Foreign Relations (CFR), erklärte: "Das sollte Fans aus diesen Ländern nicht davon abhalten, Touristenvisa zu erhalten, aber man kann sicherlich erwarten, dass jeder, der aus diesen Ländern kommt, einer zusätzlichen Prüfung unterzogen wird." Eine weitere Hürde sind die Kosten: Inhaber von Nichteinwanderungsvisa aus teilnehmenden Ländern wie Algerien, Kap Verde, der Elfenbeinküste und Senegal müssen eine Kaution von 15.000 US-Dollar hinterlegen, um an US-Spielen teilnehmen zu können. Dies stellt eine potenziell unerschwingliche finanzielle Hürde für viele Fans dar.
Steuerliche Ungleichheiten für teilnehmende Nationen
Mehr als die Hälfte der qualifizierten Länder sieht sich aufgrund des Versäumnisses der FIFA, eine pauschale Steuerbefreiung mit der US-Regierung zu vereinbaren, mit zusätzlichen Kosten und potenziellen Verlusten konfrontiert. Obwohl die FIFA als gemeinnützige Organisation seit der Weltmeisterschaft 1994 in den USA steuerbefreit ist, gilt diese Befreiung nicht für alle 48 Qualifikanten. Deren nationale Verbände müssen eine Reihe von Bundes-, Landes- und Stadtsteuern auf ihre Einnahmen aus dem Turnier zahlen.
Die Steuerlast wird viele der kleineren nationalen Verbände, deren Regierungen kein Doppelbesteuerungsabkommen (DTA) mit den USA unterzeichnet haben, unverhältnismäßig stark treffen. Von den 48 WM-Qualifikanten haben nur 18 Länder ein DTA mit den USA unterzeichnet, die ihre Delegationen von der Zahlung von Bundessteuern befreit. Die meisten dieser Länder kommen aus Europa; außerhalb der Co-Gastgeber Kanada und Mexiko sind Australien, Ägypten, Marokko und Südafrika die einzigen nicht-europäischen Länder mit DTAs. Infolgedessen könnten viele der kleinsten Länder bei der Weltmeisterschaft, wie die Turnierdebütanten Curaçao und Kap Verde, eine potenziell höhere Steuerlast haben als England und Frankreich. Die Befreiung gilt nicht für die Einnahmen der Spieler, da Sportler und Künstler nach Bundesgesetz Steuern zahlen müssen, wenn sie in den USA auftreten. Sie deckt jedoch das Betreuerteam und die Trainer ab. Das operative Budget der FIFA für jedes der 48 Teams ist auf 1,5 Millionen US-Dollar festgelegt. Die Tagespauschale für Lebenshaltungskosten pro Delegationsmitglied wurde trotz höherer Reise- und Hotelkosten in den USA von 850 US-Dollar im Jahr 2022 auf 600 US-Dollar gesenkt.
Pressefreiheit und Proteste: Sorgen um die Berichterstattung
Auch die Pressefreiheit und die Bedingungen für Journalisten geben Anlass zur Sorge. Nick McGeehan von der Menschenrechtsorganisation FairSquare äußert Bedenken hinsichtlich der Freiheit der Reporter bei der Weltmeisterschaft. Er weist darauf hin, dass die Trump-Regierung "aggressiv in ihren Bemühungen war, kritische Journalisten zu marginalisieren und sie als Feinde des MAGA-Projekts zu verunglimpfen". Er befürchtet, dass die quasi-paramilitärische Einheit ICE in den Gastgeberstädten eingesetzt werden könnte, die Schauplatz von Protesten gegen die US-Regierung sein könnten. McGeehan erwartet nicht, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino sich für Journalisten und Medien einsetzen wird, sollten diese Gewalt oder Misshandlungen ausgesetzt sein.
Clayton Weimers, Geschäftsführer des US-Ablegers von Reporter ohne Grenzen, betont, dass die Bedingungen für die Berichterstattung über diese Weltmeisterschaft nicht von den allgemeinen Bedingungen für den Journalismus in den USA getrennt werden können. "Die Trump-Regierung hat die Rechte der Presse und den Zugang zu Informationen auf sehr konkrete Weise konsequent angegriffen", so Weimers. Er weist auf die "sehr harte Polizeiarbeit bei Protesten" hin, die zu Verletzungen und sogar Verhaftungen von Journalisten geführt hat. Weimers fordert die FIFA auf, sich und die Gastgeberländer zur Rechenschaft zu ziehen, um die erklärten Werte der Pressefreiheit und des Zugangs zu gewährleisten.
Historischer Kontext und die Macht des Fußballs
Die Weltmeisterschaft war schon immer politisch, doch einige Turniere stachen besonders hervor. Beispiele sind die WM 1934 im faschistischen Italien unter Benito Mussolini oder die WM 1978 in Argentinien unter der Militärjunta von General Jorge Rafael Videla, die beide von Korruptionsvorwürfen überschattet waren. Auch die Turniere in Russland 2018 und Katar 2022 waren von Kontroversen um Menschenrechte und Arbeitsbedingungen begleitet.
Lindsay Sarah Krasnoff merkt an, dass die Pracht der Weltmeisterschaft oft den politischen Lärm überdeckt. Ängste im Vorfeld großer Turniere neigen dazu, nach dem Anpfiff zu schwinden, wenn das gemeinsame Spektakel die Oberhand gewinnt. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die politischen Turbulenzen rund um dieses Turnier zu groß sein werden, um sie zu ignorieren. Unabhängig davon, was passiert, hat das größte Fußballturnier der Welt die Fähigkeit, Verbindungen über sonst unüberwindbare Gräben hinweg zu schaffen, so Krasnoff. Nach dem Anpfiff "konzentrieren sich alle auf das Spiel und die Magie", sagte sie.