
xAI-Ingenieur Sulaiman Ghori: Tiefe Einblicke und abrupter Abschied
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Sulaiman Ghori, ein ehemaliger Ingenieur von Elon Musks KI-Startup xAI, hat das Unternehmen nur wenige Tage nach einem ausführlichen Podcast-Interview verlassen. In dem Interview gab Ghori tiefe Einblicke in die Unternehmenskultur, die Arbeitsweise und ambitionierte Projekte von xAI, darunter die ungewöhnliche Infrastruktur und die Entwicklung von "Human Emulators". Sein plötzlicher Abgang, über den er sich auf X äußerte, hat Spekulationen über den Zusammenhang mit seinen Offenbarungen ausgelöst.
Einblicke in xAIs Unternehmenskultur
Sulaiman Ghori, der laut seinem LinkedIn-Profil im März 2025 zu xAI stieß, sprach im "Relentless"-Podcast über die einzigartige Arbeitsweise des Unternehmens. Er beschrieb eine Umgebung ohne feste Fristen, in der "es immer gestern ist" und künstliche Blockaden nicht existieren. Die "Talentdichte" im Softwarebereich sei "unglaublich".
Die Einarbeitung bei xAI stellte Ghori vor Herausforderungen, da ihm am ersten Tag lediglich ein Laptop und eine Zugangskarte ausgehändigt wurden, ohne zugewiesenen Schreibtisch oder klare Anweisungen. Er suchte daraufhin Mitbegründer Greg Yang auf und begann an der "Ask Grok"-Funktion in X zu arbeiten.
Ein weiteres Merkmal der xAI-Kultur ist die Bereitschaft, im Büro zu übernachten. Ghori berichtete von Schlafkapseln und Etagenbetten. Er erwähnte auch Zelte, die im Unternehmen genutzt werden, obwohl er nie so viele auf einmal gesehen habe. Wenn Elon Musk nachts ein Problem mit X entdeckt, reagiere "wer auch immer wach ist".
Ungewöhnliche Infrastruktur und schnelle Entwicklung
Ghori enthüllte, dass xAI seine Datenzentren auf temporären "Karnevals"-Mietverträgen errichtet, um Genehmigungen schnell zu erhalten und den Bau zügig voranzutreiben. Diese Ausnahmeregelung der lokalen Regierung sei für Jahrmärkte gedacht. Er geht davon aus, dass diese Lizenzen irgendwann dauerhaft werden.
Die Teams bei xAI sind bewusst klein gehalten. Das iOS-Team hatte zum Zeitpunkt des Grok Imagine-Starts nur drei Mitarbeiter, Ghori war der dritte. Die Kern-Produktions-APIs des Unternehmens werden von einer Person und 20 KI-Agenten neu aufgebaut, die laut Ghori "sehr gut und fähig" sind. Virtuelle Mitarbeiter können jedoch zu Verwirrung in der Organisationsstruktur führen.
Jeder "Commit" zur xAI-Codebasis wird auf einen Wert von rund 2,5 Millionen US-Dollar geschätzt. Ghori selbst bezifferte seine Tagesarbeit einmal auf 12,5 Millionen US-Dollar nach fünf Commits. xAI sei mittlerweile "eher Hardware" als reine Software, wobei die Hardware-Bereitstellung als größter Vorteil des Unternehmens gelte.
Elon Musks Rolle und Anreize
Elon Musk spielt eine zentrale Rolle als "Problemlöser" bei xAI. Wenn neue Produkte, beispielsweise von Nvidia, nicht funktionieren, schaltet sich Musk persönlich ein. Ghori berichtete, dass Musk "Seite an Seite" mit den Ingenieuren arbeite, um Probleme zu lösen, was Wochen an Hin- und Her erspare.
Musk ist bekannt dafür, Engpässe Monate oder sogar Jahre im Voraus zu erkennen und rückwärts zu arbeiten, um eine gute Position zu gewährleisten. Bei xAI konzentriert sich alles auf das Erreichen einer Kernmetrik, die oft finanziellen oder physischen Ertrag betrifft. Er ermutigt seine Mitarbeiter, ihm zu widersprechen, wenn er "eine falsche Anforderung oder Frage" stellt, und erwartet, dass sie die Unmöglichkeit aufzeigen.
Ein bemerkenswertes Beispiel für Musks Anreize war eine Wette: Er bot einem Ingenieur namens Tyler einen Cybertruck an, wenn dieser es schaffte, innerhalb von 24 Stunden einen Trainingslauf auf neuen GPUs zu starten. Tyler gewann die Wette, und Ghori berichtete, Tylers Cybertruck nun regelmäßig vor seinem Bürofenster zu sehen.
Die Vision der "Human Emulators"
Ghori arbeitete im "Macrohard"-Team, das an der Entwicklung von "Human Emulators" forscht – eine Anspielung auf das Gegenteil von Microsoft. Diese Emulatoren sollen digitale menschliche Handlungen ausführen, ähnlich wie Teslas humanoider Roboter Optimus physische Aufgaben übernimmt. Sie sollen alles tun, was ein Mensch am Bildschirm mit Tastatur und Maus erledigt und Entscheidungen trifft.
Das Ziel ist es, auf eine Million Emulatoren zu skalieren. Ghori schlug vor, hierfür die bestehende Infrastruktur von Tesla zu nutzen: Die vier Millionen Tesla-Fahrzeuge allein in Nordamerika stehen 70-80 % der Zeit still. Besitzer könnten dafür bezahlt werden, die Rechenzeit ihrer Fahrzeuge für die Emulatoren zu vermieten. Elon Musk hatte bereits bei einem Tesla-Aktionärstreffen im November die Vision einer "massiven verteilten KI-Inferenzflotte" durch ungenutzte Teslas geäußert.
Die neuen Modelle von xAI werden weit im Voraus geplant. Ghori erwähnte, dass Grok-5 bereits vor seinem Eintritt in das Unternehmen im März 2025 "geplant und entworfen" wurde, obwohl Grok 4 erst im Juli veröffentlicht wurde.
Spekulationen um Ghoris Abgang
Sulaiman Ghori gab seinen Abschied von xAI auf X bekannt mit den Worten: "Ich habe xAI verlassen. Nichts als Liebe für mein ehemaliges Team und meine Kollegen!" Er nannte keinen spezifischen Grund für seinen Weggang, der nur vier Tage nach der Veröffentlichung des "Relentless"-Podcasts am 16. Januar 2026 erfolgte.
Weder xAI noch Elon Musk haben sich öffentlich zu Ghoris Aussagen oder seinem Ausscheiden geäußert. Es wird jedoch spekuliert, dass das Podcast-Interview, in dem Ghori detaillierte Einblicke in interne Abläufe und Pläne gab, möglicherweise gegen Unternehmensrichtlinien verstoßen haben könnte.