Zombie-Malls in New Jersey: Vom Shopping-Tempel zum Wohnkomplex
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Ein tiefgreifender Wandel erfasst die amerikanische Einzelhandelslandschaft: Zahlreiche traditionelle Shopping-Malls, einst pulsierende Zentren des Konsums, stehen leer und verfallen. Diese sogenannten "Zombie-Malls" werden zunehmend zu Objekten umfassender Sanierungspläne, die oft die Umwandlung in gemischt genutzte Wohn- und Geschäftsgebäude vorsehen.
Vom Shopping-Mekka zum "Zombie-Mall"
Die "Retail Apocalypse" – der Niedergang des stationären Einzelhandels – ist ein Phänomen, das sich in den USA seit Jahren abzeichnet. Viele Einkaufszentren, die in den Vorstädten entstanden, als die Innenstädte an Attraktivität verloren, kämpfen heute ums Überleben. Sie stehen leer, verfallen und werden zu Symbolen eines sich wandelnden Konsumverhaltens.
Raritan Mall: Ein Fallbeispiel für Transformation
Ein aktuelles Beispiel für diesen Wandel ist die Raritan Mall in Somerset County, New Jersey, etwa 45 Meilen südwestlich von New York City. Das einst belebte Einkaufszentrum ist seit der Schließung seines Anker-Mieters Stop & Shop im Jahr 2016 weitgehend verwaist. Eine Studie aus dem Jahr 2022 beschrieb das 10,88 Hektar große Gelände als "meist verlassen" und "verfallen", gezeichnet von Vandalismus und Hochwasserschäden.
Ein langjähriger Plan zur Neuentwicklung des Geländes wird nun erneut von der Raritan Borough Planning Board geprüft. Das Unternehmen Raritan Mall Urban Renewal LLC hat einen neuen Bauantrag für "Raritan Lofts" eingereicht. Dieser sieht den Abriss des bestehenden Strip-Malls und den Bau eines fünfstöckigen, 70 Fuß hohen Mischgebäudes vor.
Das Projekt umfasst 276 Mietwohnungen, davon 42 bezahlbare Einheiten, sowie 20.000 Quadratfuß Einzelhandelsfläche im Erdgeschoss. Ein separates einstöckiges Gebäude auf dem Grundstück soll erhalten und ebenfalls in Einzelhandelsflächen umgewandelt werden. Zuvor hatte ein abgelehnter Plan im August 2024 zu einer Klage des Eigentümers in Höhe von 100 Millionen Dollar geführt, die jedoch im Februar 2025 zurückgezogen wurde.
Livingston Mall: Der "perfekte Sturm" der Einzelhandelskrise
Auch die Livingston Mall in North Jersey, die 1972 in Eisenhower Parkway im westlichen Essex County eröffnet wurde, kämpft ums Überleben und wird von Analysten als "totes Einkaufszentrum" bezeichnet. Mit der angekündigten Schließung des Anker-Mieters Macy's im Jahr 2026 und dem erwarteten Auszug von Barnes & Noble im Jahr 2027 steht das Zentrum vor dem Ende. Bereits im April 2020 schloss Sears, gefolgt von Lord & Taylor im August desselben Jahres.
James Hughes, Professor für Stadtplanung und Politikentwicklung an der Rutgers University, beschreibt die Situation der Livingston Mall als "perfekten Sturm". Er erinnert sich an Zeiten, in denen Menschen ihre Wochenenden in Malls verbrachten, um neue Waren zu entdecken. Doch eine Reihe von Faktoren führte zum Niedergang.
Die Ursachen des Niedergangs
Der Rückgang der traditionellen Shopping-Malls ist auf eine Kombination von Faktoren zurückzuführen:
- Online-Handel: Bereits vor der COVID-19-Pandemie zogen Online-Händler wie Amazon Kunden von den stationären Geschäften ab.
- Pandemie und Lockdowns: Die Pandemie beschleunigte diesen Trend, indem sie die Menschen zu Hause hielt.
- Wirtschaftlicher Druck: Inflation und knapper werdende Haushaltsbudgets führten dazu, dass weniger für nicht-essenzielle Artikel ausgegeben wurde.
- Wettbewerb durch Big-Box-Stores: Große Einzelhandelsketten wie Target und Walmart zogen Kaufkraft ab.
- Konkurrenz durch Luxus-Malls: Die Livingston Mall sah sich beispielsweise der nur 4 Meilen entfernten, 1980 eröffneten Luxus-Mall The Mall at Short Hills gegenüber.
- Wiederbelebung der Innenstädte: Urbanen Zentren wie Newark und Jersey City sowie Innenstädten wie Ridgewood und Westfield gelang es in den letzten zehn Jahren, Kaufkraft zurückzugewinnen, die einst in die Vorstadt-Malls abgewandert war.
Die Zukunft der ehemaligen Einkaufszentren
Die Transformation der Raritan Mall ist exemplarisch für einen breiteren Trend. Städte und Gemeinden erkennen das Potenzial dieser großen, oft zentral gelegenen Flächen. Die Gemeinde Livingston hat ihre Mall bereits als "Gebiet mit Sanierungsbedarf" ausgewiesen, was ihr eine aktive Rolle bei der zukünftigen Gestaltung des Geländes ermöglicht. Laut Professor Hughes ist die Stadt in solchen Fällen "im Fahrersitz" und könnte das Land erwerben, um die Entwicklung vollständig zu kontrollieren.
Während viele Malls kämpfen, zeigen Daten der ICSC, einer weltweiten Handelsvereinigung für Gewerbeimmobilien, dass 72 % der Käufer in der letzten Weihnachtszeit in einem Vorstadt-Einkaufszentrum oder einer Mall eingekauft haben. Dies deutet darauf hin, dass nicht alle Malls dem Untergang geweiht sind, sondern dass eine Anpassung an moderne Bedürfnisse – oft durch die Schaffung von Wohnraum und gemischten Nutzungskonzepten – entscheidend für ihr Überleben ist.