
Zuckerberg vor Gericht: Metas Milliardenrisiko durch Social-Media-Suchtklagen
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Meta CEO Mark Zuckerberg stand in einem wegweisenden Prozess in Los Angeles vor Gericht, der die Tech-Branche erschüttern könnte. Es geht um den Vorwurf, soziale Medien seien bewusst suchterzeugend gestaltet und schädigten die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Der Ausgang dieses "Bellwether"-Verfahrens könnte weitreichende finanzielle Folgen für Meta haben.
Zuckerberg vor Gericht: Ein Präzedenzfall für Big Tech
Mark Zuckerberg, CEO von Meta, sagte am Mittwoch in einem wegweisenden Prozess in Los Angeles aus. Der Fall dreht sich um die Behauptung, soziale Medien seien absichtlich suchterzeugend gestaltet und schädigten Kinder. Eltern, die ihre Kinder durch soziale Medien geschädigt sehen, versammelten sich, um die Aussage zu verfolgen.
Lori Schott aus Colorado, deren 18-jährige Tochter Annalee 2020 durch Suizid starb, glaubt, dass die Inhalte auf sozialen Medien die psychische Gesundheit ihrer Tochter "zerstörten". Sie stellte sich Zuckerberg im Gerichtssaal entgegen und sagte: "Ich habe ihn ziemlich lange angesehen. Ich bin nicht zurückgewichen."
Schott ist keine direkte Klägerin in diesem Fall, gehört aber zu über 2.000 Personen, die ähnliche Personenschadensklagen wegen Social-Media-Sucht und -Schäden anhängig haben. Der aktuelle Prozess in Los Angeles, ein sogenannter "Bellwether"-Prozess, konzentriert sich auf eine 20-jährige Frau, identifiziert als KGM, die angibt, dass ihre Social-Media-Nutzung in der Kindheit ihre psychische Gesundheit negativ beeinflusste und zu Depressionen und Suizidgedanken beitrug.
Meta, Eigentümer von Instagram und Facebook, ist neben Googles YouTube als Beklagter genannt. TikTok und Snapchat haben sich bereits außergerichtlich geeinigt. Der Prozess gilt als Testfall, der den Ausgang von rund 1.600 weiteren anhängigen Klagen beeinflussen könnte.
Die Kläger und ihre Vorwürfe
Die Anwälte der Kläger, darunter Mark Lanier, argumentieren, dass Social-Media-Plattformen "defekte Produkte" seien, die darauf ausgelegt sind, die Anfälligkeiten junger Gehirne auszunutzen. Lanier bezeichnete die Unternehmen als "digitale Casinos", die "Maschinen gebaut haben, um die Gehirne von Kindern süchtig zu machen".
KGM, die im Alter von sechs Jahren begann, YouTube intensiv zu nutzen, und mit etwa neun Jahren Instagram, behauptet, dass die Plattformen ihre Depressionen und Suizidgedanken verschlimmerten. Sie wird später im Prozess selbst aussagen.
Eltern wie Amy Neville, die den Prozess unterstützten, berichteten von Stigmatisierung und hoffen, dass die Beweise im Prozess die öffentliche Meinung ändern werden. Neville sagte: "Es ist beabsichtigt, dass soziale Medien ihre Familie auseinanderreißen."
Metas Verteidigung und finanzielle Risiken
Zuckerberg wies die Vorwürfe zurück und betonte, dass Teenager weniger als 1 % der Werbeeinnahmen von Meta ausmachen und für Werbetreibende nicht besonders wertvoll seien. Er argumentierte, es liege im besten Interesse von Meta, eine Plattform zu schaffen, die Menschen inspiriert und sie langfristig bindet. "Wenn Menschen mit einem Dienst nicht zufrieden sind, werden sie ihn irgendwann nicht mehr nutzen und etwas Besseres verwenden", so Zuckerberg.
Er bekräftigte eine frühere Aussage, dass die bestehende wissenschaftliche Arbeit nicht bewiesen habe, dass soziale Medien psychische Schäden verursachen. Auf die Frage, ob Menschen etwas mehr nutzen, wenn es süchtig macht, antwortete Zuckerberg: "Ich bin mir nicht sicher, was ich dazu sagen soll. Ich glaube nicht, dass das hier zutrifft."
Trotz dieser Haltung warnte Meta Investoren im vergangenen Monat, dass die zunehmenden Rechtsstreitigkeiten um Jugendschutz die Finanzergebnisse 2026 "erheblich beeinflussen" könnten. Das Unternehmen erwähnte in einem 2026er 10-K-Bericht, dass potenzielle Schäden in bestimmten Fällen "in die hohen zweistelligen Milliarden Dollar" gehen könnten, da seit Ende 2024 Massenschiedsgerichtsanträge wegen "Social-Media-Sucht" eingereicht wurden.
Stephanie Otway, eine Meta-Sprecherin, erklärte: "Wir sind mit diesen Anschuldigungen entschieden nicht einverstanden und sind zuversichtlich, dass die Beweise unser langjähriges Engagement zur Unterstützung junger Menschen zeigen werden." Sie verwies auf Änderungen wie Teen Accounts, die Eltern Tools zur Kontoverwaltung bieten.
Die Rolle der Plattformen und Design-Entscheidungen
Die Klägeranwälte konfrontierten Zuckerberg mit internen Dokumenten, die angeblich widersprachen, dass Instagram-Mitarbeiter keine Ziele zur Steigerung der Verweildauer hätten. Zuckerberg entgegnete, dass man sich bewusst von solchen Zielen entfernt habe und sich stattdessen auf den Nutzen konzentriere. Er glaube an die "Grundannahme", dass "wenn etwas wertvoll ist, die Leute es mehr nutzen werden, weil es ihnen nützlich ist."
Die Anwälte der Kläger verweisen auf interne Dokumente der Unternehmen, die das Ziel betonen, Social-Media-Apps durch Funktionen wie Infinite Scroll, Autoplay, Likes, Beauty-Filter und Push-Benachrichtigungen schwer ablegbar zu machen.
Zuckerberg wurde auch zu seinem Medientraining befragt, wobei ein internes Dokument ihn aufforderte, "authentisch, direkt, menschlich, aufschlussreich und echt" zu wirken und "nicht angestrengt, falsch, roboterhaft, unternehmerisch oder kitschig" zu sein. Zuckerberg wies die Idee zurück, dass er gecoacht worden sei, und sagte, er sei "eigentlich dafür bekannt, ziemlich schlecht darin zu sein".
Ausblick und mögliche Konsequenzen
Der Prozess in Los Angeles, bei dem eine Dreiviertelmehrheit der Jury (9 von 12 Geschworenen) für eine Entscheidung erforderlich ist, könnte weitreichende Folgen haben. Ein Sieg für die Klägerfamilie könnte zu erheblichen finanziellen Entschädigungen und plattformweiten Änderungen an Social-Media-Apps führen. Das Ergebnis wird voraussichtlich auch den Weg für Vergleichsgespräche in den Hunderten weiterer Klagen ebnen.
Sarah Gardner, CEO der Heat Initiative, einer Interessenvertretung, die Big-Tech-Unternehmen zu mehr Sicherheit für Kinder drängt, hofft, dass der Prozess das Bewusstsein schärft und mehr Menschen dazu ermutigt, "Ich will nicht mehr auf Instagram sein" zu sagen.
Unabhängig vom Ausgang des Prozesses in Kalifornien sieht sich Meta auch in New Mexico einem separaten Verbraucherschutzprozess gegenüber, der dem Tech-Giganten vorwirft, die sexuelle Ausbeutung von Kindern auf seinen Plattformen nicht verhindert zu haben.