
Acquis expandiert in Frankreich: Chancen im herausfordernden Leasingmarkt
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Acquis Insurance, ein Spezialist für Versicherungen im Bereich Ausrüstungsfinanzierung, hat kürzlich ein Repräsentativbüro in Paris eröffnet. Dieser Schritt signalisiert die nächste Phase der europäischen Expansion des Unternehmens und unterstreicht den Optimismus von Country Manager Frederic Guez für das kommende Jahr, trotz eines reifen und sich konsolidierenden Marktes in Frankreich.
Acquis' strategische Expansion nach Frankreich
Nach einer Sättigung des britischen Marktes war Frankreich für Acquis die natürliche Wahl für die weitere Expansion. Viele große Finanzinstitute haben dort ihren Hauptsitz oder eine bedeutende Präsenz. Frederic Guez, Country Manager für Frankreich und Benelux bei Acquis Insurance, hat die Eröffnung des Pariser Büros im 17. Arrondissement, einem zentralen und strategischen Viertel, beaufsichtigt. Dieser Schritt erweist sich bereits als Erfolg.
Guez berichtet von frühen Geschäftsabschlüssen und einer wachsenden Partnernachfrage nach grenzüberschreitenden Lösungen. "Seit der Eröffnung des Büros wächst unser Geschäft, und wir haben bereits zwei große Deals mit Toyota Material Handling und Xerox Financial Services unterzeichnet", so Guez. Er fügt hinzu: "Wir haben die stärkste Pipeline, die Acquis Frankreich je hatte." Die Partnerschaft mit Xerox Financial Services, die 2014 in Großbritannien begann, erstreckt sich nun auf zwölf europäische Märkte und bietet Kunden in Frankreich die Amplio Pre-Sales-Versicherungslösung.
Herausforderungen im französischen Markt
Der französische Markt hat sich nach einem schnellen Aufschwung nach der COVID-19-Pandemie in den Jahren 2024 und 2025 stagniert bzw. rückläufig entwickelt. Thomas Nokin, Gründer und CEO des französischen Fintech-Unternehmens Basikon, bestätigt, dass die Rückzahlung staatlich garantierter Kredite zu einem Anstieg der Insolvenzen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) geführt hat. Laut Allianz Trade stieg die Zahl der Insolvenzen in Frankreich im Jahr 2025 zum vierten Mal in Folge um 3,4 % auf einen neuen Rekordwert von 68.500. Besonders betroffen waren Transport & Logistik (+61 %), Information & Kommunikation (+42 %) sowie Einzelhandel und Automobil (+40 %).
Unternehmen nannten verspätete Zahlungen, Liquiditätsengpässe und steigende Betriebs- und Finanzierungskosten als Hauptursachen. Die verschärften monetären Bedingungen und die erhöhte Inflation haben die Finanzierungskosten für Banken und Leasinggeber erhöht, was wiederum zu höheren Leasingraten für Kunden und einer gedämpften Nachfrage nach kapitalintensiven Investitionen führte.
Die politische Instabilität in Frankreich, mit einer Hängepartie nach den Parlamentswahlen 2024 und Spannungen zwischen fiskalischer Zurückhaltung und Umweltambitionen, hat die Unsicherheit weiter verstärkt. Der Fonds Vert, ein wichtiges Förderinstrument für grüne Investitionen, verzeichnete 2025 einen erheblichen Rückgang der Mittel. Die Staatsverschuldung überstieg Ende Juni 2025 3,4 Billionen Euro oder 115,8 % des BIP, fast doppelt so viel wie die EU-Grenze von 60 %. Fitch senkte im September das Rating von AA- auf A+. Diese makro-fiskalisch-politische Lage erklärt, warum der französische Leasingmarkt im ersten Halbjahr des letzten Jahres mit einem Rückgang von 6 % (im Jahresvergleich) deutlich schlechter abschnitt als Vergleichsländer.
Marktteilnehmer und Innovationspotenziale
Trotz der schwierigen Lage gibt es Raum für Optimismus. Guez bemerkt, dass einige seiner Geschäftspartner im letzten Jahr zweistellige Wachstumsraten verzeichneten, angetrieben durch die Digitalisierung von Geschäftsabläufen mittels APIs und die Nutzung von Markt-Leasingplattformen. Der französische Markt zeigt eine vergleichsweise höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber einem schwachen Wirtschaftsumfeld, dank Innovationen in der Finanzstrukturierung und einer steigenden Versicherungs- und Risikobereitschaft.
Zu den großen Akteuren im französischen Leasingmarkt gehören Ableger führender Banken wie BPCE Lease/BPCE Equipment Solutions (Teil der Groupe BPCE), BNP Paribas Leasing Solutions und Franfinance (Teil der Société Générale Group). Auch unabhängige und spezialisierte Unternehmen wie Leasecom (mit "Leasing Circulaire" für Nachhaltigkeit) und Onliz (Marktplatz für IT-Ausrüstung) sind aktiv. Hersteller-Captives wie Xerox Financial Services, Siemens Lease und Toyota Material Handling spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Viele dieser Kreditgeber sind europaweit präsent und bieten Geschäftsmöglichkeiten, darunter Merca in Deutschland für Crédit Agricole.
Grüne Finanzierung und staatliche Anreize
Ein wichtiger Wachstumstreiber ist die grüne Finanzierung und nachhaltige Ausrüstung. Die französische Regierung lenkt öffentliche und private Finanzierungen aktiv auf Klima- und Umweltziele, unter anderem durch die Nationale Strategie zur Finanzierung des ökologischen Übergangs (SPAFTE) und grüne Staatsanleihen. Der Fokus liegt auf der Finanzierung von Solaranlagen, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, Windenergieanlagen und Biomasse-Ausrüstung.
Guez weist darauf hin, dass das Finanzgesetz 2024 einen neuen Steuerkredit zur Förderung von Investitionen in die grüne Industrieproduktion eingeführt hat, der 20 % bis 45 % der förderfähigen Investitionskosten abdecken kann. Dies senkt die Nettokosten für Ausrüstungsanschaffungen und kann die Leasingnachfrage ankurbeln. Guez erwartet zudem eine stärkere Integration von Umweltkriterien in zukünftige Vorschriften, strengere ESG-Offenlegungspflichten und eine Ausrichtung an EU-Nachhaltigkeitsfinanzierungsregeln.
Nokin ergänzt, dass neben dem Nischenbereich der Energiewende-Assets auch das Leasing von Gebrauchtgütern zunehmen wird. Die Nutzung wird wichtiger als der Besitz, da Technologie Ausrüstung schnell obsolet macht. "Der Wiederverkauf oder die Entsorgung eines alten Assets ist kostspielig, unsicher und zeitaufwendig", so Guez.
Ausblick und Acquis' Rolle
Trotz der makro-fiskalischen und politischen Herausforderungen in Frankreich bieten sich weiterhin Chancen für innovative und agile Akteure im Bereich der Finanzierungs- und Versicherungslösungen nach der Pandemie. Acquis wird weiterhin Versicherungslösungen anbieten, die die Geschäftsziele seiner Kunden unterstützen, sei es durch die Point-of-Sale-Lösung Amplio, Supra zum Schutz geleaster Ausrüstung oder Omnia, die "gebündelte" Lösung für integrierten Schutz. Die Fähigkeit, regionale Lösungen anzubieten und auf die wachsende Nachfrage nach paneuropäischen Partnerschaften zu reagieren, wird entscheidend sein.