
Asien sucht Energiesicherheit: USA als neue Energiequelle nach Nahost-Krise
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Die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten und die damit verbundenen Störungen der Energieversorgung haben asiatische Länder dazu veranlasst, ihre Abhängigkeit von der Region zu reduzieren. Die USA positionieren sich unter Präsident Trumps "Energy Dominance"-Agenda als bevorzugter alternativer Energielieferant, um Verbündeten eine stabile und sichere Versorgung zu gewährleisten.
Asiens Suche nach Energiesicherheit
Asiatische Nationen wie Japan, Südkorea und Taiwan sind stark von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängig. Insbesondere der Seeweg durch die Straße von Hormus ist für sie von entscheidender Bedeutung. Nach Angaben von US-Innenminister Doug Burgum ist der Tankerverkehr durch diese Meerenge stark zurückgegangen, da der Iran Handelsschiffe im Persischen Golf angreift.
Diese Situation hat zu einer massiven Störung der Ölversorgung geführt, die als die größte in der Geschichte bezeichnet wird. Takehiko Matsuo, Vizeminister im japanischen Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie, betonte auf der S&P Global CERAWeek Konferenz in Houston, dass Japan 90 % seiner Ölimporte über die Straße bezieht. Er bezeichnete die Auswirkungen als "signifikant" und die Suche nach alternativen Quellen als "nicht einfach".
Neben Öl sind asiatische Volkswirtschaften auch stark von Flüssigerdgas (LNG)-Exporten durch die Straße von Hormus abhängig. Iranische Angriffe auf die Energieinfrastruktur Katars haben etwa 20 % der weltweiten LNG-Lieferungen zum Erliegen gebracht. Dies hat das Interesse asiatischer Länder an einer Diversifizierung ihrer Energiequellen erheblich verstärkt, wie Burgum nach Gesprächen in Tokio feststellte.
Die Rolle der USA als globaler Energielieferant
Die Vereinigten Staaten sind der weltweit größte Öl- und Gasproduzent und sehen sich als verlässliche Alternative für ihre Verbündeten. Präsident Donald Trumps "Energy Dominance"-Agenda zielt darauf ab, den USA die Fähigkeit zu geben, Energie für den Wohlstand im eigenen Land zu sichern und gleichzeitig Freunde und Verbündete zu versorgen. Doug Burgum, der Anfang des Monats Japan besuchte, erklärte, dass Verbündete Energie von den USA kaufen könnten, anstatt von Ländern, die "Krieg führen oder Terrorismus finanzieren".
Diese Politik soll eine "zuverlässige, erschwingliche und sichere" Energieversorgung gewährleisten, die nicht durch "terroristische Regime" unterbrochen werden kann. Burgum betonte am 14. März in Tokio, dass die USA "zuverlässige" Energielieferungen für den asiatisch-pazifischen Raum bereitstellen können. Präsident Trump selbst äußerte auf seiner TruthSocial-Plattform, dass die USA als größter Ölproduzent der Welt von steigenden Preisen profitieren.
Alaska im Fokus der Energieversorgung
Alaska wird eine Schlüsselrolle bei der Sicherung der Energieversorgung für Asien spielen, so Burgum. Das Innenministerium hat kürzlich einen Öl- und Gas-Leasingverkauf für das National Petroleum Reserve in Alaska durchgeführt. Die Trump-Regierung hat zudem ein großes LNG-Projekt in Alaska zur obersten Priorität erklärt.
Ein entscheidender Vorteil Alaskas ist die geografische Nähe: Energieexporte aus Alaska erreichen asiatische Verbündete in nur acht Tagen. Fünf dieser Tage liegen in US-Hoheitsgewässern entlang der Aleuten. Dies gewährleistet eine "sichere Energieversorgung", wie der Innenminister hervorhob. Lee Zeldin, Leiter der Environmental Protection Agency (EPA), ergänzte, dass die Reisezeit von Alaska nach Asien acht Tage betrage, verglichen mit 28 Tagen aus dem Nahen Osten.
Konkrete Deals und Partnerschaften
Im Rahmen des Indo-Pacific Energy Security Forums in Tokio wurden Energie- und Mineralienabkommen im Wert von rund 57 Milliarden US-Dollar mit amerikanischen Unternehmen besiegelt. Diese Deals unterstreichen das Bestreben asiatischer Nationen, ihre Energieversorgung zu diversifizieren.
Zu den wichtigsten Vereinbarungen gehören:
- Ein 20-Jahres-Liefervertrag zwischen Venture Global und einer Tochtergesellschaft des südkoreanischen Mischkonzerns Hanwha über 1,5 Millionen Tonnen Flüssigerdgas.
- Ein Abkommen zwischen Terra Energy Center und Hyundai Heavy Industries über die Lieferung von Kohlekraftwerksausrüstung für ein 1,25-GW-Stromerzeugungsprojekt in Alaska.
- Eine Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung des Delfin LNG-Projekts, einer schwimmenden Anlage vor der Küste Louisianas mit einer geplanten Kapazität von 13 Millionen Tonnen jährlich und Kosten von 14 Milliarden US-Dollar. Dieses Projekt soll Japan und Südkorea beliefern und wird von Unternehmen wie Delfin Midstream, Mitsui O.S.K. Lines, Samsung Heavy Industries, Hanwha Asset Management und Korea Overseas Infrastructure & Urban Development Corporation getragen.
Darüber hinaus hat Japan, die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, die 95 % ihrer Ölimporte aus dem Nahen Osten bezieht, eine Absichtserklärung mit Washington unterzeichnet, um "strategische Infrastrukturprojekte" in Schwellenländern gemeinsam zu finanzieren. Japan hat zugestimmt, bis 2029 550 Milliarden US-Dollar in den USA zu investieren, im Gegenzug für niedrigere Zölle unter Trumps Handelspolitik. Auch im Nuklearsektor gibt es Kooperationen, etwa zwischen Hitachi und GE Vernova zur Erkundung von Möglichkeiten für kleine modulare Reaktoren in Südostasien, sowie zwischen Holtec und Mitsubishi Electric.
US-Innenminister Burgum sprach auch den Bedarf an einer sicheren Versorgung mit kritischen Mineralien an, da Länder ihre Abhängigkeit vom Hauptexporteur China reduzieren wollen. Diese Mineralien sind entscheidend für Elektrofahrzeuge, Solarmodule, Smartphones und militärische Anwendungen.
Herausforderungen und geopolitische Implikationen
Obwohl amerikanisches LNG in der Vergangenheit oft als zu teuer und der Transportweg als zu weit galt, hat sich dies geändert. Präsident Trump setzte Regierungen mit Zolldrohungen unter Druck, um Handelsdefizite mit den USA zu reduzieren. Dies, kombiniert mit der Verschlechterung der Gasinfrastruktur Katars, beschleunigt den Wandel. Lee Zeldin von der EPA bemerkte, dass asiatische Nationen "weit motivierter" seien, sich vom Nahen Osten zu diversifizieren.
Kuan-ting Chen, Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und nationale Verteidigung des taiwanesischen Parlaments, kommentierte die Situation mit den Worten: "Hohe Preise aus Sicherheitsgründen – das müssen wir akzeptieren." Taiwan, das fast vollständig auf importierte Brennstoffe angewiesen ist und über die geringsten Gasreserven in Ostasien verfügt, wird seine LNG-Importe aus den USA ab Juni über einen Vertrag mit Cheniere erhöhen. Wirtschaftsminister Kung Ming-hsin prognostizierte, dass neue Abkommen den Anteil der US-LNG-Importe Taiwans von 10 % auf 25 % bis 2029 mehr als verdoppeln würden.
Während China den Versorgungsengpass durch erhöhte Eigenproduktion und Importe aus Russland abmildern konnte, gilt dies nicht für seine Nachbarn. Die kurzfristigen US-Gasexportkapazitäten sind jedoch begrenzt, was zu unerwarteten Gewinnen für Gasunternehmen wie Cheniere und Venture Global führt, deren Aktienkurse gestiegen sind. Es könnte argumentiert werden, dass Trumps Zolldruck, der als "Stick" statt "Karotte" wahrgenommen wurde, die Kaufzusagen der Nationen ebenso effektiv beeinflusste wie Anreize. Die Trump-Administration sieht ihre "Energy Dominance"-Agenda als Win-Win-Situation, bei der geopolitische Partner Energierohstoffe erhalten und die USA bestimmte Märkte erschließen.