
Australiens Inflation auf Zweijahreshoch: RBA unter Zinserhöhungsdruck
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Australiens Inflationsrate hat im ersten Quartal ein Zweijahreshoch erreicht und ist auf 4,09 % gestiegen. Obwohl dieser Wert leicht unter den von Reuters befragten Ökonomen erwarteten 4,2 % lag, verstärkt er den Druck auf die Reserve Bank of Australia (RBA) für eine mögliche weitere Zinserhöhung. Insbesondere die stark gestiegenen Treibstoffpreise und Wohnkosten treiben die Preisentwicklung an.
Australiens Inflation erreicht Zweijahreshoch
Die jährliche Inflationsrate Australiens stieg im ersten Quartal auf 4,09 %, was den höchsten Stand seit über zwei Jahren darstellt. Im Vergleich zum Vorquartal erhöhten sich die Preise um 1,4 Prozent. Die monatliche Inflation kletterte im März auf 4,6 Prozent, angetrieben hauptsächlich durch höhere Kosten für Wohnen, Transport und Lebensmittel.
Diese 4,6 Prozent sind der höchste Wert, seit Australien im Jahr 2025 mit der Veröffentlichung monatlicher Verbraucherpreisindexdaten begann, und der höchste Stand der jährlichen Headline-Inflation seit September 2023. Ökonomen hatten für März einen Anstieg des Verbraucherpreisindex (CPI) auf 4,8 Prozent prognostiziert.
Treibstoffpreise als Haupttreiber
Die Automobilkraftstoffpreise waren der größte Treiber der monatlichen Inflation und stiegen von Februar bis März um 32,8 Prozent. Dies war der größte monatliche Anstieg der Kraftstoffpreise seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2017. Die durchschnittlichen Preise für normales unverbleites Benzin stiegen um 33 Prozent, während die Dieselpreise um 41 Prozent zulegten.
Sue-Ellen Luke, Leiterin der Preisstatistik beim Australian Bureau of Statistics (ABS), erklärte, dass diese Daten die "Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten" widerspiegeln. Der Konflikt im Nahen Osten, insbesondere der Iran-Krieg und die effektive Schließung der Straße von Hormus, durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert wird, führte zu diesem starken Anstieg der Kraftstoffpreise.
Neben den Treibstoffkosten waren auch die Wohnkosten im März um 6,5 Prozent höher als zwölf Monate zuvor. Die Strompreise stiegen aufgrund des Auslaufens staatlicher Rabattprogramme um 25,4 Prozent.
RBA unter Druck: Zinserhöhung im Raum
Die Daten kommen kurz vor der geldpolitischen Sitzung der Reserve Bank of Australia in der nächsten Woche. Die Zentralbank hatte die Zinsen bei ihrer März-Sitzung auf 4,1 Prozent angehoben, den höchsten Stand seit April 2025. Der Vorstand der RBA erwartet, dass die Inflation noch einige Zeit über ihrem Zielbereich von 2 bis 3 Prozent bleiben wird.
RBA-Gouverneurin Michelle Bullock erklärte, dass die Vorstandsmitglieder übereinstimmten, dass die Zinsen möglicherweise weiter steigen müssten, obwohl sie sich über den Zeitpunkt uneinig waren. Die Protokolle der Sitzung zeigten, dass die politischen Entscheidungsträger die Inflation immer noch als "zu hoch" ansahen und einen kurzfristigen Anstieg für notwendig hielten. Die RBA äußerte nach ihrer März-Sitzung, dass die Entwicklungen im Nahen Osten "höchst unsicher bleiben, aber unter einer Vielzahl möglicher Szenarien die globale und inländische Inflation erhöhen könnten."
Der Anstieg der Ölpreise habe das Risiko, dass die Inflation über einen längeren Zeitraum über dem Ziel bleibe, weiter erhöht, hieß es in den Protokollen. Die Zentralbank befürchtet, dass die bereits hohe Inflation infolge der Ölpreisschocks weiter steigen wird.
Experten warnen vor weiteren Preissteigerungen
Australiens Schatzmeister Jim Chalmers äußerte bereits am 19. März die "sehr reale" Aussicht, dass die Inflation im Jahr 2026 infolge der durch den Konflikt verursachten Ölversorgungskrise 5 Prozent übersteigen könnte. Die zugrunde liegende Inflation, gemessen an der jährlichen "trimmed mean", verharrte im März den vierten Monat in Folge bei 3,3 Prozent. Die bevorzugte Messgröße der RBA, die vierteljährliche "trimmed mean", stieg von 3,4 auf 3,5 Prozent.
Die Commonwealth Bank of Australia (CBA) prognostiziert für März einen jährlichen CPI von 4,6 Prozent und eine "trimmed mean" von 3,5 Prozent. Sie fordert eine Zinserhöhung der RBA um 25 Basispunkte im Mai auf 4,35 Prozent. Westpac schätzt einen vierteljährlichen CPI-Anstieg von 1,5 Prozent, was einer jährlichen Rate von 4,2 Prozent entspricht, und prognostiziert eine "trimmed mean" von 0,93 Prozent für das erste Quartal, was die jährliche Rate auf 3,5 Prozent anheben würde.
Beide Banken führen den Großteil des bisherigen Energieschocks auf den Autokraftstoff zurück, wobei der Iran-Konflikt am 28. Februar begann. Westpac warnt, dass sich die Auswirkungen im zweiten Quartal und in der zweiten Jahreshälfte 2026 erheblich ausweiten werden, wobei die "trimmed mean" vierteljährlich 1,0 Prozent erreichen und die jährliche Rate bei 4,0 Prozent ihren Höhepunkt finden könnte. Westpac bezeichnet den Nahostkonflikt als den größten Energieschock seit den Ölkrisen der 1970er und 1980er Jahre.
Die Märkte preisten vor der Inflationsveröffentlichung eine Wahrscheinlichkeit von etwa drei Vierteln für eine Zinserhöhung der RBA bei der nächsten Sitzung im Mai ein, mit zwei Zinserhöhungen bis Weihnachten. Ökonomen aller vier großen Banken prognostizieren, dass die RBA den Leitzins bei ihrer Sitzung nächste Woche im Mai auf 4,35 Prozent anheben wird.
Wirtschaftswachstum und Ausblick
Australiens Wirtschaft wuchs im vierten Quartal um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das schnellste Tempo seit zwei Jahren, und übertraf damit die Erwartungen. Die Folgeeffekte des Ölschocks waren im März noch nicht vollständig durchgeschlagen.
Es besteht ein klares Risiko, dass die Inflation die Prognosen der RBA übertreffen wird. Die CBA räumt ein, dass die Entscheidung der RBA knapp ausfallen wird, da die Vorstandsmitglieder die Aufwärtsrisiken der Inflation gegen eine sich abschwächende Wachstumsaussicht abwägen müssen.