
AV-Talent befeuert Robotik-Boom: Der Kampf um Fachkräfte in der physischen KI
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Die Robotik-Branche erlebt einen signifikanten Zustrom von Fachkräften aus dem Sektor der autonomen Fahrzeuge (AV). Gründer und CEOs im Robotikbereich betonen, dass die Erfahrung mit der Bereitstellung selbstfahrender Autos in der realen Welt AV-Mitarbeiter zu idealen Kandidaten für die Einstellung macht, da die Robotikwelt über geschlossene Demonstrationen hinaus reift. Dieser Talenttransfer ist entscheidend für die Entwicklung komplexer physischer KI-Anwendungen.
Vom autonomen Fahren zur Robotik: Ein Talenttransfer
Adrian Macneil, Mitbegründer und CEO von Foxglove, einer Dateninfrastrukturplattform für Robotikunternehmen, bestätigt die Präferenz für AV-Erfahrung. Er erklärt, dass autonomes Fahren die erste große Anwendung physischer KI war, weshalb Mitarbeiter von AV-Unternehmen wissen, was es braucht, um komplexe physische KI in großem Maßstab zu liefern. Macneil selbst war bei General Motors' Robotaxi-Unternehmen Cruise tätig, bevor er sein Startup 2021 gründete. Bei Foxglove, das 75 Mitarbeiter beschäftigt, stammen etwa 40 % aus AV- oder AV-nahen Unternehmen wie Waymo, Motional, Aurora, Applied Intuition, Luminar und Cruise.
Auch Tony Zhao, CEO und Mitbegründer von Sunday Robotics, einem Unternehmen, das Haushaltsroboter entwickelt, sieht AV-Erfahrung in Lebensläufen als Pluspunkt. Er beobachtet einen Talenttransfer sowohl auf der Software- als auch auf der Hardwareseite. Bei seinem etwa 70-köpfigen Unternehmen haben zwischen 30 % und 50 % der Mitarbeiter einen AV-bezogenen Hintergrund, einschließlich Erfahrung bei Tesla. Zhao arbeitete selbst im Autopilot-Team von Tesla, und sein Mitbegründer Cheng Chi war Software-Ingenieur bei Nuro.
Warum AV-Erfahrung so wertvoll ist
Autonome Fahrzeuge sind eine Kombination aus Software und Hardware, die darauf abzielt, reale Daten in sichere und zuverlässige physische Aktionen umzusetzen. Dieser Zyklus umfasst Datenerfassung, Training der Fahrmodelle, Sicherheitsvalidierung und schließlich die Bereitstellung autonomer Autos. Roboter, ob für Heim- oder Industrieanwendungen, erfordern einen ähnlichen Prozess.
Zhao hebt hervor, dass es im Hardwarebereich nicht viele spannende Unternehmen gibt, die KI und Spitzentechnologie kombinieren. Aus Software-Sicht erfordert die Pipeline vom Dateneingang zum Fahr-Output ein "Systemdenken". Ingenieure müssen Fragen stellen, welche Sensoren am besten geeignet sind oder wie unsaubere Daten in reale Aktionen umgesetzt werden. Dies unterscheidet sich von der Arbeit mit großen Sprachmodellen, bei denen Input und Output ausschließlich Text sind, was als "sehr unkompliziert" beschrieben wird.
Behrad Toghi, AI & Robotics Lead bei General Motors und zuvor Teil der Special Projects Group von Apple, die an autonomen Autos arbeitete, betont die Ähnlichkeit: "Einige der besten Leute, die man heute für die Robotik einstellen kann, sind AV-Leute, weil es sehr ähnlich ist." Er fügt hinzu, dass das Robotikfeld beginnt, einige der Trends und Reifekurven zu spiegeln, die AVs von 2014 bis heute durchlaufen haben. Toghi merkt an, dass Fachkräfte im AV-Bereich auch Erfahrung in der Arbeit in großen Teams haben, da die Evaluierung und Validierung autonomer Fahrzeugtechnologie eine "massive Operation" ist. Ritika Shrivastava, Mitbegründerin von Ember Robotics und ehemalige Tesla Autopilot-Ingenieurin, bestätigt: "Die Denkweise ist genau dieselbe. Bei AVs hat man viel Planung, Sensorik und Aktuatorik, und genau dasselbe hat man auch in der Robotik."
Der Kampf um Talente und steigende Gehälter
Der Wettbewerb um Top-Talente im Bereich selbstfahrender Fahrzeuge hat sich zu einem regelrechten Kampf um Expertise entwickelt. Die Grundgehälter für Fachkräfte in diesem Bereich steigen und erreichen zwischen 300.000 und 500.000 US-Dollar, zuzüglich zusätzlicher Aktienoptionen und Leistungen. Dieser Anstieg der Nachfrage wird maßgeblich durch den aufstrebenden Sektor der physischen KI vorangetrieben, der Robotik und Verteidigungstechnologie umfasst. Unternehmen in diesem Bereich suchen aktiv nach Personen mit spezialisierten Fähigkeiten, insbesondere solchen, die sich in der Entwicklung von selbstfahrenden Lastwagen und Robotaxis auszeichnen.
Ideale Kandidaten für autonome Fahrzeugunternehmen verfügen über eine einzigartige Mischung aus traditionellen Robotik- und KI-Fähigkeiten. Dazu gehört die Fähigkeit, künstliche Intelligenz in Hardware wie humanoide und Industrieroboter sowie in Ausrüstung für Sektoren wie Bauwesen, Bergbau und Landwirtschaft zu integrieren. Verteidigungstechnologie-Startups sind Berichten zufolge die großzügigsten Arbeitgeber, unterstützt durch erhebliche staatliche Finanzierung, was einen äußerst wettbewerbsintensiven Arbeitsmarkt schafft. Während etablierte Akteure wie Waymo aufgrund ihrer finanziellen Widerstandsfähigkeit möglicherweise unberührt bleiben, könnten Startups und Automobilunternehmen, die stark in autonome Technologien investiert haben, erhebliche Schwierigkeiten haben, ihre Ingenieure zu halten. Dies könnte zu einer Talentabwanderung führen und Startups zwingen, entweder zusätzliche Finanzmittel zu sichern oder ihre Ressourcen strategischer zu verteilen.
Eine eng vernetzte Community
Die Branche der physischen KI ist eine eng vernetzte Gemeinschaft. Foxglove und die VC-Firma Eclipse Capital veranstalteten kürzlich in San Francisco eine "Physical AI Industry Night", die über 200 Personen von mehr als 110 Robotikunternehmen anzog. Drei der vier Podiumsteilnehmer des Abends waren Führungskräfte aus der Robotik, die aus der AV-Branche stammten: Kevin Peterson, CTO von Bedrock Robotics (ehemals Waymo); Ruijie (RJ) He, Gründungsmitglied von Mind Robotics (ehemals Direktor bei Zoox); und Behrad Toghi, AI & Robotics Lead bei General Motors (ehemals Apple Special Projects Group).
Fast 30 der anwesenden Unternehmen kamen aus dem Mobilitätssektor, darunter Waymo, Tesla, Zoox, Nissan und das Toyota Research Institute. Tony Zhao von Sunday Robotics, der nicht an der Veranstaltung teilnahm, bestätigte seine Vertrautheit mit einigen der Sprecher und Unternehmen. Er erinnerte sich, 2023 mit Pete Florence, CEO von Generalist Robotics und ebenfalls Podiumsteilnehmer, bei Google DeepMind im selben Raum gewesen zu sein, bevor diese ihre eigenen Robotikunternehmen gründeten. Zhao fasst zusammen: "Es ist eine sehr kleine Gemeinschaft."
Investitionen in die physische KI
Venture-Firmen nehmen den Kampf um Talente und die Entwicklung der physischen KI-Branche genau wahr. Die in Palo Alto ansässige Firma Eclipse hat 1,3 Milliarden US-Dollar investiert, um in den Bereich der physischen KI zu investieren. Dies deutet auf eine Verschiebung des Fokus von reinen selbstfahrenden Technologien hin zu einer breiteren Kategorie von Automatisierung und Robotik.