
Bank of Japan hält Zinsen, hebt Wachstumsprognosen an – Wahlkampf im Fokus
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Die Bank of Japan (BOJ) hat ihre Leitzinsen bei 0,75 % belassen, gleichzeitig aber ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum Japans deutlich angehoben. Diese Entscheidungen fallen inmitten einer bevorstehenden vorgezogenen Neuwahl, die Premierministerin Sanae Takaichi angesetzt hat und die die geldpolitische Ausrichtung des Landes beeinflussen könnte.
BOJ hält Leitzins stabil bei 0,75 %
Die japanische Zentralbank hat am Freitag ihren Leitzins in einer geteilten Entscheidung von 8 zu 1 Stimmen bei 0,75 % gehalten. Dies folgt auf eine Anhebung im Dezember, die den Zinssatz auf den höchsten Stand seit 30 Jahren brachte. Vorstandsmitglied Hajime Takata hatte vorgeschlagen, die Zinsen auf 1 % anzuheben, da er die Risiken für die Preise in Japan als aufwärtsgerichtet einschätzte. Japan hatte im März 2024 den Weg der geldpolitischen Normalisierung eingeschlagen und das weltweit letzte Negativzinsregime beendet.
Angehobene Wachstumsprognosen für Japans Wirtschaft
Die Bank of Japan zeigte sich optimistisch bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung und hob ihre Wachstumsprognosen an. Für das im März 2026 endende Fiskaljahr wurde die Prognose von 0,7 % auf 0.9 % erhöht. Auch für das Fiskaljahr 2026 wurde die BIP-Expansionsaussicht von 0,7 % auf 1 % angehoben. Trotz dieser positiven Aussichten schrumpfte die japanische Wirtschaft im dritten Quartal stärker als zunächst angenommen, mit einem Rückgang von 0,6 % gegenüber dem Vorquartal und 2,3 % auf annualisierter Basis.
Inflation über dem Zielwert, aber mit Abschwächungstendenzen
Die am selben Tag veröffentlichten Inflationsdaten für Dezember zeigten eine Kerninflation von 2,1 %. Dies ist der niedrigste Wert seit März 2022, liegt aber immer noch den 45. Monat in Folge über dem 2 %-Ziel der BOJ. Die Zentralbank betonte, dass sie die Zinsen im Rahmen eines positiven Kreislaufs aus Lohn- und Preiswachstum anheben werde. Analysten der niederländischen Bank ING wiesen darauf hin, dass die Märkte genau auf Gouverneur Uedas Einschätzung achten werden, wie die jüngste Schwäche des Yen die Inflation beeinflussen könnte.
Politische Einflüsse und die bevorstehende Neuwahl
Die Geldpolitik der BOJ steht unter politischem Druck, da prominente Persönlichkeiten, darunter Premierministerin Sanae Takaichi, sich für lockerere Zinsen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums einsetzen. Takaichi wird das japanische Unterhaus noch am selben Tag auflösen, da Japan am 8. Februar in vorgezogene Neuwahlen geht. Die Märkte befürchten, dass die Wahl den Weg für aggressive fiskalische Stimuli ebnen könnte, was Bedenken hinsichtlich Japans bereits hoher Staatsverschuldung aufwirft.
Yen-Schwäche und steigende Anleiherenditen
Trotz der geldpolitischen Straffung der BOJ sind die japanischen Anleiherenditen im letzten Monat auf Mehrjahrzehnthochs gestiegen. Dies führte zu Kapitalabflüssen und einer Schwächung des Yen. Der Yen ist seit dem 21. Oktober, als Takaichi Premierministerin wurde, um etwa 4,6 % gegenüber dem Dollar gefallen und notiert aktuell bei 158,97. Finanzministerin Satsuki Katayama warnte vor "einseitigen" Bewegungen der Währung und äußerte ihre "tiefe Besorgnis" über die Abwertung des Yen. Sie betonte am Freitag, dass der Anleihemarktrückgang nachgelassen zu haben scheine und sie die Finanzmärkte mit "hohem Dringlichkeitsgefühl" beobachte.
Fiskalische Bedenken und Stimuluspakete
Premierministerin Takaichi hatte für das nächste Fiskaljahr, beginnend am 1. April, einen Rekordhaushalt von 783 Milliarden US-Dollar geplant. Hinzu kommt ein Stimuluspaket von 135 Milliarden US-Dollar aus dem letzten Jahr, das Haushalte bei den steigenden Lebenshaltungskosten unterstützen soll. Diese Pläne, zusammen mit Takaichis Versprechen, die expansive Fiskalpolitik zu stärken und die 8 %ige Mehrwertsteuer auf Lebensmittel auszusetzen, haben Ängste vor zusätzlichen Schuldenemissionen geschürt. Dies hat zu einem Anstieg der Anleiherenditen geführt und die Debatte über die quantitative Straffungsstrategie (QT) der BOJ neu entfacht.