
BoE warnt: Globale Aktienmärkte überbewertet – Korrektur erwartet
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Die globalen Aktienmärkte sind nach Einschätzung einer hochrangigen Vertreterin der Bank of England zu hoch bewertet und werden fallen. Sarah Breeden, stellvertretende Gouverneurin für Finanzstabilität der britischen Zentralbank, äußerte in einem Interview mit der BBC, dass makroökonomische Risiken in den Aktienmärkten nicht vollständig eingepreist seien. Trotz historischer Höchststände sei eine Anpassung zu erwarten.
BoE warnt vor überbewerteten Aktienmärkten
Sarah Breeden betonte, dass "sehr viele Risiken existieren und dennoch die Vermögenspreise auf Allzeithochs liegen". Sie fügte hinzu: "Wir erwarten, dass es irgendwann zu einer Anpassung kommen wird." Diese offene Einschätzung der Kapitalmärkte durch eine Vertreterin der Bank of England ist ungewöhnlich. Ihre Hauptsorge gilt der Möglichkeit, dass sich mehrere Risiken gleichzeitig manifestieren könnten.
Trotz der Volatilität, die seit den gemeinsamen Angriffen der USA und Israels auf den Iran Ende Februar herrschte, notieren viele entwickelte Märkte weiterhin nahe Rekordhochs. Der S&P 500 und der Nasdaq Composite in New York schlossen am Mittwoch, dem 23. April 2026, auf neuen Allzeithochs, nachdem sich die globalen Aktien von den Verlusten des Iran-Krieges erholt hatten. Auch der MSCI World ex-U.S. Index, der große und mittelgroße Aktien aus über 20 entwickelten Märkten abbildet, verzeichnete seit Kriegsbeginn Zuwächse und liegt im Jahresverlauf über 5 % im Plus.
Makroökonomische Risiken und geopolitische Spannungen
Breeden äußerte ihre größte Sorge über die "Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Reihe von Risiken gleichzeitig manifestiert – ein großer makroökonomischer Schock, ein Vertrauensverlust in Privatkredite, eine Neuanpassung der Bewertungen von KI und anderen riskanten Anlagen". Sie fragte, was in einem solchen Umfeld geschehen würde und ob man darauf vorbereitet sei.
Der Iran-Krieg hat in den letzten zwei Monaten Unsicherheit über die globalen Märkte gebracht. Die International Energy Agency warnte zudem vor einem großen Energieschock. Ein Bericht von Goldman Sachs zeigt, dass die Rohölproduktion im Golf seit Beginn des Iran-Krieges um 14,5 Millionen Barrel pro Tag oder 57 % unter das Vorkriegsniveau gefallen ist, hauptsächlich aufgrund der Schließung der Straße von Hormus und Angriffen auf Energieproduktionsanlagen. Goldman Sachs prognostiziert eine weitgehende Erholung der Golfproduktion innerhalb weniger Monate nach der Wiedereröffnung, geht aber von "erheblichen Risiken" für die letzte Phase der Erholung aus.
Die ungetestete Gefahr der Privatkredite
Ein weiterer Schwerpunkt von Breedens Bedenken sind die Probleme im Privatkreditsektor, wo steigende Ausfälle Kritik und Besorgnis bei Marktbeobachtern hervorgerufen haben. "Privatkredite sind in den letzten 15 bis 20 Jahren von nichts auf zweieinhalb Billionen Dollar angewachsen", erklärte Breeden. "Dieser Sektor wurde in diesem Umfang mit dem Grad an Komplexität und den Verflechtungen mit dem restlichen Finanzsystem bisher nicht getestet."
Sie betonte, dass man sich eher um eine "Privatkreditklemme als um eine bankengetriebene Kreditklemme" sorge. Einige dieser Firmen, die Kredite außerhalb des regulären Bankensystems vergeben, haben kürzlich Verluste und blockierte Abhebungen erlebt.
KI-Boom und die Sorge vor Blasenbildung
Die hohen Bewertungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) sind ebenfalls ein Risikofaktor. Die US-Märkte wurden maßgeblich durch starke Investitionen in KI-Infrastruktur angetrieben. Microsoft-Gründer Bill Gates verglich den aktuellen KI-Boom mit der Dotcom-Blase der späten 1990er Jahre, einer Zeit, die für überhöhte Bewertungen bekannt war, die später einbrachen. Nvidia-CEO Jensen Huang wies jedoch Bedenken hinsichtlich einer Blase zurück.
Der britische FTSE 100 Index notiert zwar ebenfalls nahe seinem Allzeithoch, beinhaltet aber nicht die großen KI-Unternehmen, die die Performance des US-Marktes antreiben.
Marktstimmung und die Resilienz des Finanzsystems
Trotz der Warnungen bleiben viele Marktteilnehmer optimistisch hinsichtlich der Entwicklung der Aktienmärkte, selbst angesichts der Rekordbewertungen. Mark Haefele, Chief Investment Officer bei UBS Global Wealth Management, äußerte in seinem jüngsten monatlichen Kundenbrief, dass erhöhte Energiekosten zwar ein Risiko darstellten, er aber eine positive Einschätzung für globale Aktien beibehielt. "Ohne einen anhaltenden Schock glauben wir, dass das Umfeld für die Wirtschaft und die Unternehmensgewinne solide bleibt und Aktien unterstützt", so Haefele.
Sarah Breeden stellte klar, dass sie keine unmittelbare Korrektur vorhersagt. "Ich sage nicht, dass es heute, morgen oder in 12 Monaten passieren wird", sagte sie. Ihr Fokus liege vielmehr darauf, sicherzustellen, dass das Finanzsystem des Vereinigten Königreichs widerstandsfähig genug ist, um mit einer solchen Entwicklung umzugehen, falls sie eintritt. Die Bank of England überwacht die Schwachstellen in den globalen Finanzsystemen genau.