Boeing Q1 2026: Verlust schrumpft, Auslieferungen steigen, Airbus überholt

Boeing Q1 2026: Verlust schrumpft, Auslieferungen steigen, Airbus überholt

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Boeing hat im ersten Quartal 2026 einen geringer als erwarteten Verlust gemeldet und die Umsatzerwartungen übertroffen. Das Unternehmen zeigte Verbesserungen in allen Geschäftsbereichen, insbesondere im wichtigen Segment der Verkehrsflugzeuge, während es sich weiterhin bemüht, jahrelange Verluste einzudämmen.

Boeing übertrifft Erwartungen bei Umsatz und Verlust

Für das erste Quartal 2026 verzeichnete Boeing einen bereinigten Verlust von 20 Cent pro Aktie, während Analysten laut LSEG einen Verlust von 83 Cent erwartet hatten. Der Umsatz stieg um 14 % auf 22,22 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen von 21,78 Milliarden US-Dollar. Der Nettoverlust konnte in den ersten drei Monaten des Jahres auf 7 Millionen US-Dollar oder 11 Cent pro Aktie reduziert werden, verglichen mit einem Verlust von 31 Millionen US-Dollar oder 16 Cent pro Aktie im Vorjahr.

CEO Kelly Ortberg, der im August 2024 die Führung übernahm, um Boeing nach Jahren von Sicherheits- und Fertigungskrisen neu auszurichten, äußerte sich positiv: "Obwohl wir einige Herausforderungen hatten, bin ich stolz darauf, wie unser Team zusammengearbeitet und diese gemeistert hat, um uns auf Kurs für das Jahr zu halten." Er fügte hinzu: "Wenn wir als Team arbeiten, ist es unglaublich, was wir als Unternehmen leisten können."

Starke Auslieferungen im Kerngeschäft

Die Einheit für Verkehrsflugzeuge, Boeings größtes Segment, lieferte im ersten Quartal 143 Flugzeuge aus, was einem Anstieg von 10 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Umsatz dieses Bereichs stieg um 13 % auf 9,2 Milliarden US-Dollar, obwohl weiterhin ein operativer Verlust verzeichnet wurde. Die Produktion der 737 MAX liegt derzeit bei etwa 42 Flugzeugen pro Monat. Weitere Steigerungen erfordern die Genehmigung der Federal Aviation Administration (FAA), eine Auflage nach dem Beinahe-Katastrophenfall mit einer Rumpftür im Januar 2024.

Auch andere Geschäftsbereiche zeigten Wachstum: Der Umsatz des Verteidigungsgeschäfts stieg um 21 % auf 7,6 Milliarden US-Dollar, und der Umsatz des Dienstleistungsgeschäfts erhöhte sich im ersten Quartal um 6 % gegenüber 2025 auf 5,37 Milliarden US-Dollar.

Boeing überflügelt Airbus bei Auslieferungen

Boeing konnte im ersten Quartal 2026 einen wichtigen Meilenstein erreichen: Mit 143 ausgelieferten Verkehrsflugzeugen übertraf das Unternehmen seinen europäischen Rivalen Airbus, der 114 Auslieferungen verzeichnete. Dies ist das erste Mal seit etwa dem ersten Quartal 2019, dass Boeing Airbus in einem Quartal bei den Auslieferungen übertrifft.

Die Stärke der 737 MAX war dabei entscheidend: Von den 143 kommerziellen Auslieferungen Boeings im ersten Quartal waren 114 Flugzeuge der 737-Familie, was fast 80 % der Gesamtmenge ausmacht. Dies war Boeings bestes erstes Quartal für Schmalrumpfflugzeug-Auslieferungen seit 2018. Airbus hingegen hatte ein ungewöhnlich schwaches Quartal, das durch Lieferkettenprobleme, insbesondere bei Pratt & Whitney (P&W)-Triebwerken, beeinträchtigt wurde. Boeing konnte diesen Erfolg trotz einiger Herausforderungen erzielen, da Reparaturen an der Verkabelung von etwa 25 unfertigen 737 MAX-Flugzeugen erforderlich waren, wodurch rund zehn Auslieferungen ins zweite Quartal verschoben wurden.

Fortschritte bei Zertifizierungen und Produktionszielen

Boeing erwartet weiterhin die Zertifizierung der lange verzögerten Modelle 737 MAX 7 und MAX 10, der kleinsten und größten Flugzeuge der meistverkauften MAX-Familie, noch in diesem Jahr. Die Auslieferungen sollen 2027 beginnen. Die FAA bestätigte am 22. April, dass die Zertifizierung für die 737 MAX 7 und MAX 10 bis 2026 erwartet wird, wobei der Prozess sich in der finalen Überprüfungsphase befindet.

Die Zertifizierung für die 777X schreitet langsamer voran. Obwohl der erste Produktions-777X-Jet im April seinen Erstflug absolvierte, strebt Boeing weiterhin 2026 für die Zertifizierung und 2027 für die ersten Auslieferungen an. Dieses Projekt liegt etwa sechs Jahre hinter dem Zeitplan und hat kumulierte Entwicklungskosten von über 15 Milliarden US-Dollar verursacht. Das Management plant, die monatliche Produktionsrate für die 737 MAX bis Mitte des Jahres auf 47 und für die 787 bis Jahresende auf 10 zu erhöhen, mit einem jährlichen Auslieferungsziel von etwa 500 737-Flugzeugen.

Der Weg zum freien Cashflow: Eine Herausforderung

Die Finanzergebnisse von Boeing werden von Analysten genau beobachtet, um festzustellen, ob das Unternehmen eine echte Erholung zeigt oder lediglich weniger schlechte Zahlen auf einer weiterhin ineffizienten Kostenstruktur produziert. Der Aktienkurs von Boeing liegt derzeit bei 225,08 US-Dollar, 11 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 254,35 US-Dollar.

Der freie Cashflow steht im Mittelpunkt der Investoren. Der bereinigte freie Cashflow (LTM levered FCF) ist mit rund 1,8 Milliarden US-Dollar erstmals seit Jahren wieder positiv. Analystenprognosen gehen davon aus, dass der freie Cashflow bis 2026 auf rund 2,1 Milliarden US-Dollar, bis 2027 auf rund 6,2 Milliarden US-Dollar und bis 2028 auf über 10 Milliarden US-Dollar ansteigen könnte. Das Management selbst prognostiziert für das Gesamtjahr 2026 einen freien Cashflow zwischen 1 Milliarde und 3 Milliarden US-Dollar. CFO Jay Malave warnte jedoch im März vor kurzfristigen Unsicherheiten in der Lieferkette.

Langfristige Perspektiven und Analystenmeinungen

Die Bewertung von Boeing, gemessen am NTM EV/EBITDA von rund 43x, erscheint hoch, spiegelt aber die gedrückten kurzfristigen Gewinne wider und nicht einen überhöhten Unternehmenswert. Im Jahr 2025 verzeichnete das Segment Commercial Airplanes einen operativen Verlust von 7,1 Milliarden US-Dollar und Defense, Space & Security einen operativen Verlust von 128 Millionen US-Dollar. Wenn diese Verluste mit steigendem Volumen schrumpfen, wird sich das Multiple auch bei stabilem Aktienkurs komprimieren.

Die Erwartungen für die Zukunft sind an die Fähigkeit Boeings geknüpft, ohne weitere Störungen zu liefern. Die Fortschritte bei den Auslieferungen und die Reduzierung der Verluste im ersten Quartal 2026 sind positive Signale, doch die Herausforderungen bei der Zertifizierung wichtiger Modelle und die Notwendigkeit, den freien Cashflow nachhaltig zu steigern, bleiben entscheidend für die langfristige Erholung des Luftfahrtgiganten.

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