
BOJ hält Leitzins stabil, erhöht Inflationsprognose wegen Nahost-Konflikt
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Die Bank of Japan (BOJ) hat am Dienstag ihren Leitzins bei 0,75 % belassen, während sie ihre Inflationsschätzungen aufgrund des Iran-Krieges und der damit verbundenen angebotsseitigen Risiken nach oben korrigierte. Diese Entscheidung, die den Erwartungen der von Reuters befragten Analysten entsprach, fiel in einer Abstimmung mit 6 zu 3 Stimmen.
Gouverneur Kazuo Ueda ließ am Montag die Tür für eine baldige Zinserhöhung offen, was dem Yen Auftrieb verlieh. Die japanische Zentralbank steht vor der Herausforderung, die Preisstabilität zu gewährleisten, während globale Unsicherheiten die heimische Wirtschaft belasten.
Zinsentscheidung und Begründung
Die Entscheidung, den Leitzins stabil zu halten, wurde von drei Mitgliedern des Vorstands kritisiert, die eine Anhebung auf 1 % vorschlugen. Sie argumentierten, dass die Spannungen im Nahen Osten die Preisrisiken nach oben verschoben hätten. Die letzte Zinserhöhung der BOJ erfolgte im Dezember um 25 Basispunkte.
BOJ-Beamte signalisierten im Vorfeld der Entscheidung, dass sie keinen Grund zur Eile bei einer Zinserhöhung sehen, solange die wirtschaftlichen Aussichten aufgrund der Lage im Nahen Osten sehr volatil bleiben. Das Engagement für eine weitere Straffung der Geldpolitik bleibt jedoch bestehen.
Inflationsaussichten und Risiken
Die BOJ hat ihre Kerninflationsprognose für das Fiskaljahr 2026 deutlich von 1,9 % auf 2,8 % angehoben. Das Ziel der Zentralbank für die Headline-Inflation liegt bei 2 %. Die Inflation in Japan beschleunigte sich im März zum ersten Mal seit fünf Monaten und stieg auf 1,8 %, da der Iran-Krieg die Sorgen um die Energiepreise schürt.
Die Headline-Inflation lag bei 1,5 % im Vergleich zu 1,3 % im Februar und blieb damit den zweiten Monat in Folge unter dem 2 %-Ziel der Zentralbank. Die sogenannte "Core-core"-Inflationsrate, die die Preise für frische Lebensmittel und Energie ausklammert, sank von 2,5 % im Februar auf 2,4 % und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Oktober 2024. Die BOJ erklärte: "Der Anstieg der Rohölpreise dürfte die Preise, hauptsächlich für Energie und Güter, in die Höhe treiben, wobei die Weitergabe von Lohnsteigerungen an die Verkaufspreise anhält." Japan hat bereits Benzinsteuern abgeschafft und Subventionen eingeführt, um die Auswirkungen steigender Ölpreise abzufedern.
Wirtschaftswachstum und Rezessionssorgen
Gleichzeitig senkte die Bank of Japan ihre Wachstumsprognose für das Fiskaljahr 2026 von 1 % auf 0,5 %. Die Zentralbank warnte, dass sich das Wirtschaftswachstum Japans voraussichtlich verlangsamen werde. Der Anstieg der Rohölpreise aufgrund der Nahost-Krise dürfte die Unternehmensgewinne und die realen Haushaltseinkommen "durch Faktoren wie eine Verschlechterung der Handelsbedingungen" schmälern.
Japan hatte im letzten Quartal 2025 eine technische Rezession knapp vermieden, wobei die Wirtschaft des Landes um revidierte 0,3 % gegenüber dem Vorquartal und 1,3 % im Jahresvergleich wuchs. Die Arbeitslosenquote lag im Februar bei 2,6 %.
Die Rolle des Nahost-Konflikts
Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten ist eine globale Quelle der Unsicherheit und beeinflusst maßgeblich die geldpolitischen Entscheidungen der BOJ. Die WTI-Rohölpreise bewegen sich um 100 US-Dollar pro Barrel, was die Inflationssorgen verstärkt.
BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda bemerkte auf einer Pressekonferenz in Washington nach dem G20-Treffen, dass höhere Ölpreise "sowohl Aufwärtsrisiken für die Preise als auch Abwärtsrisiken für die Wirtschaft darstellen, was politische Reaktionen erschwert." Er fügte hinzu: "Die Entwicklungen im Nahen Osten werden ein entscheidender Faktor sein (für die geldpolitische Entscheidung der BoJ), aber die Aussichten bleiben recht unsicher." Ein hartnäckig schwacher Yen, der sich nahe der Marke von 160 pro Dollar bewegt, verstärkt die importierte Inflation und erhöht den Druck auf Ueda, eine festere Straffungstendenz zu signalisieren.
Finanzmärkte reagieren
Die Renditen japanischer Staatsanleihen sind in letzter Zeit gestiegen. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen japanischen Staatsanleihe (JGB) erreichte am 13. April 2,496 % – den höchsten Stand seit 1997. Nach der Zinsentscheidung blieben die Renditen der 10-jährigen JGBs mit 2,468 % unverändert, während der Leitindex Nikkei 225 um 0,5 % fiel.
Ausblick und Ueda's Haltung
Das falkenhafte Vorstandsmitglied Hajime Takata schlug erneut vor, den Leitzins auf 1,0 % anzuheben. Dieser Vorschlag wurde jedoch voraussichtlich abgelehnt, wie bereits bei den beiden vorhergehenden Sitzungen, was die Präferenz des Vorstands für Vorsicht angesichts des externen Umfelds widerspiegelt.
Gouverneur Ueda bekräftigte das Engagement der Zentralbank für Preisstabilität: "Wir werden die angemessenste Antwort finden, um unser 2 %-Preisziel auf nachhaltige und stabile Weise zu erreichen." Analysten erwarten, dass Ueda auf seiner Pressekonferenz die Bereitschaft zu weiteren Zinserhöhungen signalisieren muss, um einer weiteren Yen-Schwäche entgegenzuwirken.